23.09.2013 | Unternehmen

Signa will Karstadt-Premium-Sparte ausbauen

Alsterhaus in Hamburg: Eines der Karstadt-Luxushäuser, das nun Signa gehört
Bild: Ralf Buscher Hamburg ⁄

Der Immobilienkonzern Signa hat nach Übernahme der Karstadt Luxus-Kaufhäuser angekündigt, mit der Premium-Sparte zu expandieren. Eines dieser Häuser ist das Alsterhaus in Hamburg. "In Deutschland gibt es für Premium-Kaufhäuser noch andere Standorte, die wir entwickeln wollen", sagte Investor René Benko der "Bild am Sonntag".

Ziel sei es, die Handels-Geschäfte langfristig auszubauen und die Standorte weiterzuentwickeln. Die Karstadt-Mitarbeiter der Premium- und Sporthäuser müssten keine Angst um ihre Arbeitsplätze haben.

"Im Gegenteil", so Benko, "wir werden in unsere Häuser investieren und gleichzeitig expandieren - und dazu weiteres Personal einstellen."

Die "Wirtschaftswoche" berichtete, die übernommenen Karstadt-Häuser könnten sogar zum Kern eines internationalen Netzwerks von Nobelkaufhäusern werden. In Deutschland, Österreich und den Nachbarländern gebe es nach Einschätzung von Signa genug kaufkräftige Kundschaft für eine Expansion.

Wirtschaftswoche: 'Signa will Geschäftsbereich Signa Retail aufbauen'

Signa hatte vom Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen die Mehrheit an den Sporthäusern sowie an der Premium-Sparte mit dem KaDeWe in Berlin, dem Alsterhaus in Hamburg und dem Oberpollinger in München übernommen. Im Gegenzug sollen 300 Millionen Euro am Investitionen in die klassischen 83 Karstadt-Warenhäuser fließen. Hier laufen die Geschäfte schlecht.

Benkos Unternehmen, bislang ein reiner Immobilienkonzern, will laut "Wirtschaftswoche" einen eigenständigen Geschäftsbereich Signa Retail aufbauen, in dem die Sport- und Premiumhäuser gebündelt werden. Offen sei noch, ob sich auch externe Investoren daran beteiligten.

Verdi fordert Standort- und Beschäftigungssicherungsvertrag

Die Gewerkschaft Verdi sieht die Entwicklung kritisch und will einen Standort- und Beschäftigungssicherungsvertrag. Dies sei nach dem Verkauf großer Anteile des Unternehmens dringender denn je. Verdi verhandelte erstmals am Montag mit der Geschäftsführung über die Tarifbindung und Arbeitsplatzsicherheit der 20.000 Beschäftigten. Heute (Dienstag) wurden in Düsseldorf die Verhandlungen fortgesetzt und sind ohne greifbares Ergebnis zu Ende gegangen. Arno Peukes von der Verdi-Verhandlungskommission sagte der dpa, über die konkreten Forderungen sei noch gar nicht verhandelt worden.

Im Mittelpunkt der Gespräche am Montag und Dienstag stand demnach die Forderung der Gewerkschaft nach konkreten Antworten auf die Frage, was der Einstieg des österreichischen Immobilienunternehmers René Benko für die Warenhauskette bedeutet. "Wir brauchen dazu rechtssichere Informationen", sagte Peukes. Antworten habe die Gewerkschaft bisher aber noch nicht erhalten. Peukes hofft nun, bei der nächsten Verhandlungsrunde, die am 7. und 8. Oktober stattfinden soll, die geforderten Informationen zu bekommen. Mit einem raschen Ende der Verhandlungen rechnet er nicht. Weitere Termine seien bereits ins Auge gefasst, sagte der Gewerkschafter.

Der Hintergrund: Karstadt will mit einer zweijährigen "Tarifpause" Millionen einsparen. Der Essener Handelskonzern war deshalb im Frühjahr innerhalb der regionalen Arbeitgeberverbände in die Verbandsmitgliedschaft ohne Tarifbindung gewechselt. Dies hatte bei der Belegschaft zu Protesten geführt.

Warenhausexperte Hesssert: 'Nur 38 der 83 klassischen Häuser tragfähig'

Nach Ansicht des Warenhausexperten Gerd Hessert haben von den bundesweit noch 83 klassischen Karstadt-Häusern nur 38 eine langfristig tragfähige Marktposition. Das berichtet das Nachrichtenmagazin "Focus" unter Berufung auf eine Analyse des Lehrbeauftragten für Handelsmanagement an der Uni Leipzig.

Hessert, früher selbst in leitender Position bei Karstadt tätig, habe die Standorte unter anderem nach Bevölkerungszahl, Kaufkraft, Größe des Hauses und Umsatz untersucht. Demnach haben etwa in Ostdeutschland nur drei von sieben Häusern eine Zukunft. In Nordrhein-Westfalen sehe der Experte langfristige Perspektiven nur für sechs von 17 Filialen.

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