Das Hamburger Startup Tower360 möchte mit einer Plattform Prozesse so vereinfachen, dass Leerstandszeiten verringert und Akquisitionen beschleunigt werden. Bei der Expo Real wurden die Gründer für diese Vision bereits ausgezeichnet.

Für Julian Vogel und Chakra Banerjee ist die Trophäe beim REIN-Contest nicht einfach nur das Siegertreppchen auf dem soundsovielten Startup-Wettbewerb gewesen: Auf der Expo Real ausgezeichnet zu werden, betrachten die Gründer des Jungunternehmens Tower360 als Meilenstein. "Die Expo zählt dank ihrer internationalen Ausrichtung noch immer als wichtige Plattform", sagt Banerjee. Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Vogel zählte er in diesem Jahr zu den 25 Finalisten beim Real Estate Innovation Contest (REIN) und ging in der Sparte "Markets" als Sieger hervor.

Banerjee und Vogel lernten sich während des Aufenthalts an einer Business School in Pennsylvania kennen. Inspiriert von der Dynamik digitaler Geschäftsmodelle in den USA fokussierten sich die zwei Gründer auf die Immobilienbranche – dem "last mover" in der Digitalisierung, wie es Banerjee beschreibt. Anfang 2017 brachten sie Tower360 auf den Markt.

Prozessoptimierung in vertikaler und horizontaler Richtung

Tower360 hat eine Plattform entwickelt, die eine Komplettlösung rund um die Gewerbeimmobilie verspricht, und zwar in mehreren Dimensionen: Das Asset-Management wird vereinfacht, in dem die am Prozess beteiligten Akteure wie Makler, Property- und Asset-Manager mit ihren jeweiligen Aufgaben zusammengeführt werden. Gleichzeitig werden mehrere Arbeitsfelder vereint, etwa End-to-End-Vermietung, Leerstandsmanagement, aber auch Marketing und die gesamte Vertragsmodellierung inklusive Mietzins und Umbaukosten sowie Genehmigung durch den Eigentümer.

"Wir richten uns an Kunden, bei denen bisher viel über einzelne, nicht miteinander verbundene Systeme und Excel-Sheets läuft. Im Kern steht aber die Immobilie und nicht etwa ein Buchhaltungssystem." Chakra Banerjee, Mitgründer von Tower360

Die Unternehmenssoftware sei auf Open API Technologies aufgebaut, sodass Funktionen und Workflows schnell an Bedürfnisse des Kunden angepasst werden können, etwa im Bereich End-to-End-Vermietung und Vermarktung. Das vermeide lange Leerstandszeiten und beschleunige Akquisitionen. Außerdem erleichterten es transparente Verfahren, schnell und proaktiv Entscheidungen zu treffen. Das Interesse an Gewerbeimmobilien erklärt der 36-Jährige mit der sich stetig wandelnden Aufgabenvielfalt und den unterschiedlichen, an dieser Assetklasse beteiligten Interessensvertretern in dieser Sparte. "Die Komplexität erhöht den Reiz."

So sieht die Oberfläche der Plattform aus
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Bedarf an schnittstellenunabhängigen Lösungen

Tower360 zielt auf Großkunden in Europa ab, vor allem auf Versicherungen und Banken. Derzeit liefen Gespräche mit etwa 20 Banken, sagt Banerjee. Das Interesse sei hoch, weil zum einen der Bedarf an schnittstellenunabhängigen Lösungen bei wachsendem Datenvolumen und zunehmender Komplexität steige und zum anderen das Thema Digitalisierung generell auf der Agenda von Firmenchefs weit nach oben gerückt sei. "2016 konnte noch kaum jemand etwas mit dem Begriff Proptech anfangen, jetzt eilen wir von Einladung zu Einladung", sagt der Gründer.

Er ist davon überzeugt, dass diese Welle erst anfängt – auch zum Nutzen von Tower360, das die entscheidenden Finanzierungsrunden noch vor sich hat.

"Die Verantwortlichen in den Konzernen reden nicht nur über Digitalisierung, sondern sind inzwischen auch bereit, für gute Lösungen zu zahlen." Chakra Banerjee, Mitgründer von Tower360

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