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Patrizia kauft LBBW-Wohnungen

Es ist einer der größten Immobilien-Deals Deutschlands seit Jahren: Ein von der Augsburger Patrizia geführtes Konsortium hat im Bieterverfahren den Zuschlag für die 21.000 Wohnungen der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) erhalten. Der Kaufpreis beträgt 1,435 Milliarden Euro.

Der endgültige Abschluss der Transaktion soll in diesem Quartal erfolgen. Das von der Patrizia geführte Investorenkonsortium besteht aus einer Gruppe von deutschen und internationalen Versicherungen, Pensionskassen und berufsständischen Versorgungswerken.

„Wir agieren als Investment- und Asset-Manager“, sagte Wolfgang Egger, Vorstandsvorsitzender der Patrizia Immobilien AG gestern. Die Patrizia sei Dienstleister sowie Co-Investor und mit einem Eigenkapital von 15 Millionen Euro am Konsortium beteiligt. Das Geschäft sei ein langfristiges Engagement. Unter anderem sei geplant, jährlich 25 Millionen Euro in die Qualität der Wohnungen zu investieren.

Die LBBW Immobilien GmbH wird weiterhin als eigenständiges Unternehmen mit eigenen Mitarbeitern am Markt auftreten und die Geschäftspolitik der vergangenen Jahre weiterführen. Eine Abschmelzung und Aufteilung des Portfolios ist nicht Auftrag und Strategie des Konsortiums.

Herbe Niederlage für Baden-Württemberg-Konsortium

Eine Bietergemeinschaft rund um die Stadt Stuttgart hatte am Montagabend den Poker um die überwiegend in Baden-Württemberg gelegenen Wohnungen der Landesbank LBBW verloren. Die Verlierer zeigten sich in einer Stellungnahme enttäuscht und sprachen von einer Fehlentscheidung, die womöglich am Ende die Mieter treffe. Am Ende war laut LBBW der bessere Preis der Augsburger das Zünglein an der Waage.

Die LBBW musste sich von dem milliardenschweren Bestand im Zuge einer von der EU verordneten Schrumpfkur trennen. Im Gegenzug durfte die während der Finanzkrise in Schieflage geratene LBBW milliardenschwere Hilfen aus Steuergeld annehmen.

Mieterlobby befürchtet steigende Mieten

Der Mieterbund Baden-Württemberg hatte wiederholt vor einem Verkauf an Patrizia gewarnt. Die Mieterlobby fürchtet, die neuen Besitzer aus Augsburg könnten an der Kostenschraube drehen, um das milliardenschwere Paket auf Rendite zu trimmen - und womöglich auch für einen Weiterverkauf an einen fremden Investor.

Der Neueigentümer darf die Mieten in den nächsten fünf Jahren um durchschnittlich drei Prozent jährlich plus Inflation anheben. Auf Basis der jüngeren jährlichen Inflationsraten und einer durchschnittlichen Miete im Südwesten von knapp 800 Euro ergeben sich damit zunächst rund 40 Euro mögliche Erhöhung - monatlich. Das macht aufs Jahr gerechnet rund 500 Euro denkbare Zusatzbelastung.

Egger: "Keine Nachteile für Mieter"

Patrizia informierte heute (Dienstag) bei einer Pressekonferenz in Stuttgart über ihre Pläne. "Wir haben die Eigentumsbildung immer sozialverträglich gestaltet", sagte Egger. Patrizia-Manager Klaus Schmitt betonte noch einmal, der Bestand der Wohnungen solle erhalten und ausgebaut werden.

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