05.09.2016 | Unternehmen

Milliardendeal: Vonovia will Conwert kaufen

Vonovia versucht es auf die sanfte Tour: Umtauschangebot statt feindliche Übernahme von Conwert
Bild: Vonovia

Der deutsche Immobilienkonzern Vonovia will den österreichischen Konkurrenten Conwert kaufen. Rund 2,9 Milliarden Euro ist dem 340.000 Wohnungen schweren Unternehmen die Übernahme wert, wie Vonovia-Chef Rolf Buch am Montag sagte. Conwert besitze rund 24.500 Wohnimmobilien, hieß es weiter. Die Vonovia-Aktie verlor zunächst nach Bekanntgabe der Transaktion, insgesamt beurteilten Marktteilnehmer den Zukauf aber positiv.

Im vergangen Jahr hatte die Deutsche Wohnen eine feindliche Übernahme von Conwert versucht und war gescheitert.

Einer der größten Aktionäre von Conwert ist die Adler Real Estate AG. Adler habe sich im Rahmen des Übernahmeangebots verpflichtet, den gesamten Anteil von rund 24 Prozent im Zuge des Übernahmeangebots anzudienen, teilte Vonovia mit. Auch Adler hatte im Jahr 2015 vergeblich versucht, die absolute Kontrolle über Conwert zu erlangen.

Adler soll für jeweils 149 Conwert-Aktien 74 Vonovia-Aktien erhalten, was einer Angebotsgegenleistung von 17,58 Euro je Aktie auf Grundlage des Schlusskurses vom 2. September entspricht. Der Buchgewinn liegt dann dem Unternehmen zufolge bei 1,30 Euro je Conwert-Aktie beziehungsweise insgesamt 34 Millionen Euro.

Conwert-Kauf drückt Vonovia-Aktie, Adler Real Estate sehr fest

Vonovia-Titel verloren im Dax 1,95 Prozent auf 34,71 Euro, womit sie sich von ihrem Mitte August erreichten Rekordhoch von 37 Euro weiter entfernten. Dies sei üblich bei Übernahmen verkauften Anleger die Papiere des übernehmenden Unternehmens, sagten Börsianer.

Gleichzeitig bescherte die Übernahme den Papieren des im SDax notierten Adler-Konzerns hohe Kurszuwächse. "Zudem erhalten wir einen substantiellen Anteil an dem größten und liquidesten deutschen Wohnimmobilienwert", so Adler-Chef Arndt Krienen. Die Aktien des Unternehmens sprangen an der SDax-Spitze um 5,78 Prozent auf 14,28 Euro nach oben. Bereits am Morgen hatten sie bei einem Kurs von 14,735 Euro den höchsten Stand seit einem Jahr erreicht. Conwert-Titel legten zuletzt um 5,92 Prozent zu.

Börsianer bewerten den Deal positiv

Die Konditionen der Transaktion seien recht vernünftig und es gebe gute Gründe für einen solchen Zusammenschluss, schrieb Analyst Kai Klose von der Privatbank Berenberg. So passe das Portfolio von Conwert in Deutschland gut zu den Immobilien von Vonovia. Da zudem das Management der Österreicher sowie der größte Conwert-Anteilseigner Adler Real Estate die Übernahme unterstützten, sei die Chance groß, dass die Akquisition gelinge.

Der Kauf sei strategisch sinnvoll, da Conwert über gute Vermögenswerte verfüge und es deutliches Synergiepotenzial gebe, kommentierte DZ-Bank-Analyst Karsten Oblinger. Auch er sieht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass das Geschäft zustande kommt.

Conwert bleibt an Wiener Börse notiert

Bei einer erfolgreichen Übernahme darf Vonovia außerdem den Verwaltungsrat neu besetzen. Die Zentrale von Conwert in Wien bleibt erhalten, und die österreichischen Immobilienbestände werden unverändert von Conwert bewirtschaftet. Auch das Listing von Conwert an der Wiener Börse bleibt bestehen.

Der Vollzug des Übernahmeangebots wird unter anderem vom Erreichen der gesetzlichen Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent plus eine Aktie aller Conwert-Aktien abhängig sein. Einzelheiten werden voraussichtlich am 17. November veröffentlicht.

Vonovia wird von der Anwaltssozietät Freshfields Bruckhaus Deringer beraten.
Freshfields stand dem DAX-Unternehmen zuletzt bei dem geplatzten Übernahme-Versuch mit der Deutsche Wohnen zur Seite.

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Schlagworte zum Thema:  Übernahme, Immobilienkonzern

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