15.07.2014 | Unternehmen

Jede vierte Karstadt-Filiale auf dem Prüfstand

An Luxushäusern wie dem Alsterhaus in Hamburg hält Signa mehrheitlich Anteile
Bild: Ralf Buscher Hamburg ⁄

Karstadt-Aufsichtsratschef Stephan Fanderl kündigt tiefe Einschnitte an: Jeder vierten Filiale droht das Aus. Es gebe noch keine konkreten Schließungsbeschlüsse, sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Aber das Unternehmen macht sich seit einiger Zeit berechtigte Sorgen um die Profitabilität von mehr als 20 Häusern."

Nach dem Verkauf der Luxus- und Sporthäuser betreibt die Warenhauskette noch bundesweit 83 Karstadt-Häuser. Das Unternehmen war am Dienstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. "Es wird schmerzhafte Einschnitte geben müssen, um dem gesunden Kern eine Zukunft zu geben", betonte Fanderl im Gespräch mit der "FAZ". Liquiditätsengpässe hatte Fanderl noch im Juni dementiert.

Mit Einschnitten sei auch in der Essener Hauptverwaltung und in der Logistik zu rechnen. "Es ist klar, dass Karstadt in der derzeitigen Situation alles auf den Prüfstand stellen muss", sagte Fanderl. Das war bereits im Januar Thema. Die Kraft der Karstadt-Filialen, zu hohe Zentral- und Logistikkosten zu tragen, sei genauso begrenzt wie die Fähigkeit, auf Dauer eine zu große Zahl unprofitabler Standorte zu betreiben.

Das Management arbeite mit Hochdruck daran, dem Aufsichtsrat und den Arbeitnehmergremien "zeitnah" ein umfassendes und belastbares Sanierungskonzept vorzuschlagen. Mit allen Vertragspartnern des angeschlagenen Warenhausunternehmens sollen Gespräche geführt werden.

Mit dem Warenkreditversicherer des Unternehmens sei eine Verlängerung des Vertrags um ein Jahr erreicht worden. Damit ist das für das Unternehmen besonders wichtige Weihnachtsgeschäft gesichert. Karstadt habe auch genug Liquidität und sei handlungsfähig, versicherte Fanderl. Das Unternehmen verdiene aber "über die Ladenkasse noch immer kein Geld".

Hoffnungen auf Unterstützung können sich die Beschäftigten offenbar nicht machen. "Von einem rationalen Finanzinvestor finanzielle Unterstützung zu erwarten, wenn man ihm nicht zeigen kann, ob und wie sich diese rentiert, ist müßig und in der Regel erfolglos", sagte Fanderl der Zeitung. Zuletzt gab es am Freitag Gerüchte, dass das Unternehmen verkauft wird.

Investor Nicolas Berggruen hatte den Karstadt-Konzern im Juni 2010 für den Symbolpreis von einem Euro übernommen. Kritiker werfen dem Eigentümer vor, dem Unternehmen die für eine Sanierung notwendige Finanzspritze bislang versagt zu haben. Die auf Immobiliengeschäfte spezialisierte Finanzgruppe Signa besitzt seit Herbst vergangenen Jahres 75 Prozent der Anteile an den Premium- und Sport-Warenhäusern von Karstadt - darunter das Berliner KaDeWe.

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