Michael Schick Bild: Hoffotografen

Am 14. und 15. Juni trifft sich in Hamburg auf dem Deutschen Immobilientag 2018 des IVD das "who is who" der Branche. Dirk Labusch, Chefredakteur des Magazins "Immobilienwirtschaft", hat sich mit Verbandschef Michael Schick unterhalten. Neben der Zukunft des Maklerberufs ging es um branchenrelevante politische Themen und darum, dass der IVD sich auch als bedeutender Vertreter der Verwalter und Projektentwickler sieht.

Herr Schick, was bringt der diesjährige Deutsche Immobilientag (DIT)?

Schick: Das, was den DIT 2018 ausmacht, sind vor allem die neuen Trends, Best-Practice-Beispiele, Automatisierung, Digitalisierung. Es gibt 50 Vorträge und zehn Panels. Wir haben in den zwei Tagen alles drin: Motivation, Qualifikation, Innovation.

Automation …?

Ja, das ist in unserer Zielgruppe ein großes Thema. Damit ich mich am Ende des Tages nicht mit der Bürokratie und meinen Kundensystemen herumschlagen muss. Es gibt auch viele Verwalterthemen …

Ist das angemessen, viele Verwalterthemen?

Neben Maklern und Sachverständigen sind Verwalter nun mal die Hauptklientel des IVD. Und der IVD ist der größte Verwalterverband hierzulande. Was nicht jeder wahrhaben will … Die Makler stechen natürlich schon hervor. Ich ärgere mich aber schon etwas über bestimmte Medien, die permanent vom „Maklerverband“ schreiben. Vielleicht müssen wir noch besser kommunizieren, dass wir viele Verwalter und Sachverständige in unseren Reihen haben. In Berlin-Brandenburg ist gerade eine namhafte Verwalterin zur IVD-Vorsitzenden gewählt worden. Wir haben im Übrigen auch viel mit Projektentwicklern zu tun.

Seit wann sind Projektentwickler auch Teil Ihrer Zielgruppe?

Schon immer! Immobilien müssen nun mal verwaltet und verkauft werden. Da uns das Thema Neubautätigkeit sehr prägt, haben wir natürlich auch Projektentwickler beim Deutschen Immobilientag. Viele von ihnen sind sogar Mitglied im IVD.

Was die Politik betrifft, so dürften Sie zufrieden sein.

Dass sich aktive Verbändearbeit lohnt, sehen wir: Es gibt überall eine Trendumkehr, weg vom reinen Mieterschutzdenken hin zu einer Wohnungseigentums- und einer Neubaupolitik. Das hat der IVD intensiv gefordert.

Genauso wie die Sonder-AfA für Neubau …

Ja, eine Kernforderung des IVD. Im Koalitionsvertrag finden wir auch das Baukindergeld, das rückwirkend zum 1.1.2018 kommen wird, wieder. Bei diesem Thema habe ich übrigens einen gewissen Autorenstolz, denn wir haben schon vor vier Jahren gesagt, dass die reine Fokussierung auf das Mietenthema falsch ist.

Nun gibt es ja viele negative Einstellungen zum Baukindergeld.

Ich verstehe nicht, warum unsere Branche das Thema kollektiv so niedermacht. Diese Förderung setzt im ländlichen Raum echte Bleibeakzente und führt zu einer Entzerrung angespannter Märkte zwischen Umland und Metropolregion.

Ist das Bestellerprinzip für den Kauf noch ein Thema?

Ich glaube, dass die Koalition gut daran tut, die Dinge abzuarbeiten, die im Koalitionsvertrag stehen. Und da steht das Bestellerprinzip für Kaufimmobilien richtigerweise nicht drin.

Der Bundesrat hat die Rechtsverordnung abgesegnet, in der die ab August geltende Fortbildungspflicht für Verwalter und Makler konkretisiert wird. Einige Verbände finden das lasch. Und der IVD?

Wir wollten einen substantiellen Sach- und Fachkundenachweis. Jetzt liegt nur eine Fortbildungsverpflichtung vor. Das ist zu wenig. Immerhin ist der Gesetzgeber überhaupt in diese Richtung vorgestoßen. Der Sachkundenachweis bleibt ein dickes Brett, an dem wir weiter bohren. Die SPD will das Thema vorantreiben, die CDU ist offen, mal sehen, was passiert.

Reden wir über die Zukunft des Maklerberufs. Wie sieht es aus mit der Digitalisierungswilligkeit der Makler?

Es gibt immer noch viele Player, die noch keinen Zugang zu dem Thema haben. Es ist eine permanente Herausforderung, denn die Tools verändern sich schnell. Ich halte viele PropTechs im Übrigen für weniger disruptiv, als sie oft diskutiert werden. Viele Tools sind für uns nützlich.

Wie sollen Unternehmen sich dem Thema Digitalisierung Ihrer Meinung nach zuwenden?

Jedenfalls modular. Schritt für Schritt. Denn das Thema fordert große Investitionen, die erst einmal gestemmt werden müssen …

Hat der reine Nachweismakler eine Zukunft?

Nein, das habe ich übrigens schon gesagt, als ich noch Vizepräsident des Verbandes Deutscher Makler VDM war – das ist 16 Jahre her. Makler haben dann eine Existenzberechtigung, wenn sie eine wirkliche Brücke bauen zwischen den Vertragsparteien. Manchmal wird man als Makler aber auch in die Rolle des Nachweismaklers geschoben, weil die Kunden gar nicht mehr haben wollen. Das Leitbild des IVD ist jedoch der professionelle und gut qualifizierte Vermittlungsmakler.

Ist der Makler noch ein Zukunftsberuf?

Ganz eindeutig ja! Das Produkt, das den Makler tatsächlich überflüssig macht, ist noch nicht erfunden worden. Und dass es je erfunden wird, glaube ich nicht.

Zur Person

Michael Schick gründete im Jahr 1994 das Investmentmaklerhaus Michael Schick Immobilien, dem er auch heute noch als Geschäftsführer vorsteht. Seit Juni 2015 ist er der Präsident des Immobilienverbands Deutschland IVD. 2005 hatte sich Schick zum Professional Member der Royal Institution of Chartered Surveyors (MRICS) qualifiziert und wurde als erster Makler Deutschlands mit der neuen EU-Norm DIN EN 15733 für Anlageimmobilien zertifiziert.

Schlagworte zum Thema:  Interview, Makler

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