Acht Euro Nettokaltmiete ohne jede Förderung: Dass dies möglich ist, soll ein Modellprojekt in Hamburg zeigen. Damit will die Stadt Hamburg den Bau bezahlbarer Mietwohnungen voranbringen. Im Stadtteil Neugraben wurde jetzt der Grundstein für 44 Wohnungen gelegt. Die Wohnungswirtschaft ist skeptisch.

Das Projekt umfasst zwei Mehrfamilienhäuser vom Architekturbüro Limbrock Tubbesing, die von der Helvetia Schweizerische Versicherungsgesellschaft realisiert werden. Das Modellvorhaben soll den zukünftigen Bewohnern eine 8-Euro-Nettokaltmiete pro Quadratmeter Wohnfläche auf dem freien Wohnungsmarkt zusichern. Um die Baukosten und die Energiebilanz der beiden Gebäude in Holzbauweise zu senken, wurde unter anderem die Bautiefe vergrößert. Aktuell liegen die Preise in der Hansestadt im nicht-geförderten Segment bei rund 12 Euro.  

8-Euro-Wohnungsbau soll ein neues Segment werden

In Hamburg soll der 8-Euro-Wohnungsbau als neues Segment entwickelt werden, um ein mittleres Mietpreisniveau zwischen dem des geförderten und dem des freifinanzierten Mietwohnungsbaus zu etablieren. Neben den Modellvorhaben im Vogelkamp Neugraben und im Bramfelder Dorfgraben sind weitere 8-Euro-Wohnungsbau-Projekte geplant.

"Hamburg soll auch für Haushalte mit durchschnittlichen und mittleren Einkommen bezahlbar sein. Deshalb haben wir mit dem 8-Euro-Wohnungsbau ein bundesweit einzigartiges Vorhaben auf den Weg gebracht. Wir wollen mit diesem Segment Mieterinnen und Mieter erreichen, die auf dem freifinanzierten Wohnungsmarkt keine für sie bezahlbare Wohnung finden." Dr. Dorothee Stapelfeldt, Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen

VNW hält acht Euro netto kalt derzeit für kaum erreichbar

Die Wohnungswirtschaft ist indes skeptisch, ob das Projekt gelingt.

"Eine Anfangsmiete von acht Euro netto kalt ist angesichts der schwierigen Lage in der Bauwirtschaft derzeit kaum zu erreichen." Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW)

Kostentreiber seien vor allem die hohen energetischen Anforderungen an Neubauten und die fehlenden Kapazitäten in der Bauwirtschaft, so Breitner.

"Diese verhindern, dass trotz Typenbauweise und Standardisierung Baukosten gesenkt werden können. Eine Netto-Kalt-Anfangsmiete muss daher – realistisch betrachtet - zwischen neun und zehn Euro liegen." Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW)

Das Wohnquartier Vogelkamp Neugraben wird seit 2014 von der Internationalen Bauausstellung IBA Hamburg entwickelt.

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