Das Land Hessen hat innovative Wohnbauprojekte "mit mehr Platz für Grün und Gemeinschaft" ausgezeichnet. "Agora" und "K76" aus Darmstadt teilen sich den Preis in der Kategorie "realisierte Projekte" – in der Kategorie "Konzepte" überzeugte die Wohnbauentwicklung "Gemeinsam suffizient leben" in Frankfurt am Main. Die Preise sind insgesamt mit 40.000 Euro dotiert. Beworben hatten sich 70 Projekte aus ganz Hessen.

"Es gilt ausreichend neuen und bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, dabei aber auch den Bewohnerinnen und Bewohnern ein lebenswertes Umfeld zu bieten. Denn Wohnen ist mehr als ein Dach über dem Kopf", sagte Dr. Beatrix Tappeser, Staatssekretärin im für Wohnungsbau zuständigen Umweltministerium, bei der Preisverleihung in der Kunsthalle Darmstadt.

In der Kategorie der realisierten Projekte teilen sich zwei Projekte aus Darmstadt den ersten Preis und erhalten jeweils 12.000 Euro.

Agora: Alt und jung unterstützt sich

Das prämierte Projekt "Agora – Wohnprojekt mit Kultur-Café-Restaurant" am Ostbahnhof zeichnet sich dadurch aus, dass es intensiv mit der Nachbarschaft in Beziehung treten will. Das wolle die Genossen mit Hilfe des projekteigenen Cafés, Kulturveranstaltungen und Seminarräumen ermöglichen. Zäune zu den Nachbarn gibt es nicht. Alt und jung leben gemeinsam im Quartier. Man unterstützt sich gegenseitig im Alltag. Außerdem stärken Einrichtungen wie Werkstätten, Dachgarten, Sommerküche, Gästewohnung oder das Teilen von Autos und Werkzeugen den Gemeinsinn und den täglichen Austausch. Die Genossenschaft bespricht alles Wichtige in zweiwöchentlichen Sitzungen, die Selbstverwaltung wird in verschiedenen Arbeitsgruppen organisiert.

Das prämierte Projekt "Agora – Wohnprojekt mit Kultur-Café-Restaurant" am Ostbahnhof in Darmstadt.

K76 überzeugt mit innovativer Haustechnik

Das "K76" in der Karlstraße überzeugte die Jury mit einer "durchdachten Architektur" und der innovativen Haustechnik. Das "Nur-Strom-Haus" heizt mit Infrarot-Heizungen und wird durch einen hohen Anteil an eigenerzeugtem Solarstrom gespeist. Das Zusammenleben wird auch hier groß geschrieben: In den Laubengängen, Gemeinschaftsräumen und im Garten treffen sich die Bewohner und entwickeln gemeinsame Projekte – wie die Belebung des kleinen benachbarten Parks. Das Projekt nennt sich selbst eine "Wohnstruktur": Veränderungen sind gewollt. Das Stahlbetonskelett in Kombination mit dem Innenausbau in Trockenbauweise (keine tragenden Wände) lässt Veränderungen in den Grundrissen zu. Die Wohnungen können bei Bedarf sowohl horizontal als auch vertikal gekoppelt werden.

"Gemeinsam suffizient leben": flexibel und voll recyclingfähig

In der Kategorie der Konzepte wurden 12.000 Euro an die Projektentwicklung "Gemeinsam suffizient leben" in der Friedberger Landstraße in Frankfurt vergeben. Hervorgehoben hat die Jury, dass durch die "besonders sorgfältigen und sparsamen Grundrisse" individuelle Wohnfläche eingespart wird, ohne dabei auf Wohnqualität zu verzichten. So dient etwa das "Jokerzimmer" mit Bad und Mini-Küche dient als gemeinsames Gästezimmer oder bei Bedarf als Unterkunft für eine Pflegekraft. Im Erdgeschoss entsteht eine Kita. Innovativ ist auch die Konstruktion: Ein fünfstöckiger Holzbau, der komplett recyclingfähig sein soll. Das Projekt geht auf eine Konzeptvergabe der Stadt Frankfurt zurück: der Zuschlag für das Grundstück erhielt nicht der höchste gebotene Preis, sondern das inhaltliche Konzept des Projekts.

Drei Anerkennungen verliehen

Darüber hinaus wurden in der Kategorie der Konzepte drei Anerkennungen ausgesprochen, die jeweils 1.333 Euro erhalten:

  • "Inklusives Wohnen in den Niddagärten" in Niddatal
  • "Haus Händewerk" in Spangenberg und
  • das "Hausprojekt NiKa" in Frankfurt am Main.

"Gemeinschaftliches Wohnen eröffnet viele Möglichkeiten bezahlbaren, angemessenen und angenehmen Wohnens. Deshalb unterstützt das Land solche Wohninitiativen finanziell und beratend", ergänzte Tappeser. Das sei auch Teil des Masterplans Wohnen in Hessen, mit dem die Landesregierung für bezahlbaren Wohnraum insgesamt 1,7 Milliarden Euro bis 2020 zur Verfügung stellt.

Der Preis wurde vom hessischen Umweltministerium in Kooperation mit der Liga der freien Wohlfahrtspflege in Hessen und der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen zum ersten Mal ausgelobt und wird vom Sozialministerium unterstützt. Die Jury setzte sich zusammen aus Architekten, Fachleuten für gemeinschaftliche Wohnprojekte, Vertretern der beteiligten Ministerien, der Architekten- und Stadtplanerkammer sowie der Liga der freien Wohlfahrtspflege.

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Schlagworte zum Thema:  Award, Innovation, Projektentwicklung, Wohnungsbau, Hessen