Hamburg stellt Konzept für Science City 2024 vor

Noch ist es eine Vision: Bis 2040 soll das Hamburger High-Tech-Quartier Science City Bahrenfeld beste Standortbedingungen "für kluge Köpfe aus der ganzen Welt" bieten, so Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher (SPD) bei der Vorstellung des Konzepts. Von einem neuen deutschen "Oxford" schwärmte Universitäts-Präsident Dieter Lenzen. Geplant sind auch 2.500 Wohnungen und ein intelligentes Mobilitätssystem im Quartier.

Im Jahr 2020 starten die ersten Architektenwettbewerbe. Das bereits ansässige Forschungszentrum DESY (Deutsches Elektronen-Synchrotron) soll ausgebaut und die Uni-Fachbereiche Physik, Chemie und Teile der Biologie an den Forschungscampus Bahrenfeld verlegt werden. Die schrittweise Inbetriebnahme ist zum derzeitigen Zeitpunkt für Mitte 2023 geplant. Rund 125 Hektar stehen für das neue Quartier zur Verfügung. Zu den Kosten äußerte sich der Senat nicht.

Der Baubeginn für ein Innovationszentrum für junge Unternehmen, die aus den Forschungseinrichtungen des Campus hervorgehen, mit modernen Büros und Laborflächen, ist bereits für April dieses Jahres vorgesehen. Ende 2020 sollen die ersten Startups dann einziehen können. Laut einer Studie von JLL suchen junge Startup-Unternehmen seit Längerem flexibel anmietbare Arbeitsplätze in Hamburg.

Science City Tagungszentrum
Ein Tagungszentrum für beste Bedingungen für Wissenschaftler und Startups verspricht Hamburgs Bürgermeister Tschentscher unter anderem

Wohnungsbau: Der Opposition geht es zu langsam

Bürgermeister Tschentscher zufolge werden in dem neuen Quartier auch "attraktive Wohnungen und Erholungsräume für Studierende, Wissenschaftler und Kreative entstehen". Das soll ebenfalls Startups und innovative Unternehmen anlocken.

Die Hamburger CDU kritisierte, dass die Pläne zumindest für die Wohnungen in Bahrenfeld nicht neu seien. Schon vor zwei Jahren habe Bausenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) Pläne für etwa 2.500 neue Wohnungen auf dem Gelände der Trabrennbahn präsentiert. Die FDP ergänzte, dass die zähe Planung für ein Wohnquartier auf diesem Areal zeige, dass Reden und Tun weit auseinander lägen.

Science City Studentenwohnen Visualisierung
Für mehr Lebensqualität: Ziel ist es, ein Quartier zu gestalten, in dem Arbeiten, Forschen, Studieren und Wohnen miteinander verbunden sind

Hamburg lässt Grundsteuer bei 4,5 Prozent

Wichtig sei, dass die Stadt Grundstücke an jene Unternehmen abgebe, die über Jahrzehnte Mieten garantieren, die unter dem Mietenspiegel liegen und die versprechen, die Wohnungen ihn ihrem Bestand zu behalten, kommentierte Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) die Pläne. "Zudem muss die Politik dafür sorgen, dass der Bau der Wohnungen nicht durch zusätzliche Auflagen verteuert wird."

Beim Neujahrsempfang der ZIA-Region Nord am 22. Januar kündigte Tschentscher zumindest schon einmal an, den aktuellen Grunderwerbsteuersatz von 4,5 Prozent nicht zu erhöhen. "Dies ist ein positives Signal für das Investitionsumfeld in Hamburg und für das bezahlbare Wohnen und Bauen", reagierte Sabine Barthauer, Vorsitzende der ZIA-Region Nord. Es sei gut, dass Hamburg mit dieser Aussage ein deutliches Zeichen setze.

Forschung und Lehre im Mittelpunkt

"Erstmals spielen Wissenschaft und Forschung in der Geschichte Hamburgs die Hauptrolle bei der Entwicklung eines Stadtquartiers." Katharina Fegebank (Bündnis 90/Die Grünen), Senatorin der Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung

Mit dem Centre for Data and Computer Science (CDCS) soll den Planern zufolge auf dem Campus ein Zentrum für wissenschaftliches Rechnen entstehen, das neue Methoden für die Forschung mit Teilchenbeschleunigern entwickelt. Außerdem soll das geplante Zentrum für molekulare Wasserforschung (CMWS) das Spektrum auf dem Campus erweitern. DESY will zudem das weltbeste 3D-Röntgenmikroskop PETRA IV "Next Generation" entwickeln.

Durch die Ansiedlung weiterer naturwissenschaftlicher Fächer der Universität Hamburg sollen künftig mehr als 5.000 Studierende auf dem Campus Platz finden.

Plätze, Grünflächen und autofreie Zone

Plätze und Grünflächen sollen nach Auffassung der Stadt Hamburg zu Orten der Begegnung für Bewohner und Wissenschaftler werden. Auch eine neue Schule könnte gebaut werden.  

Ein direkter Zugang zum Schnellbahnsystem in Verbindung mit modernen Mobilitätshubs und innovativen Beförderungskonzepten auf dem Campus, wie Bus-Shuttle-Systeme, sollen einen autofreien Campus ermöglichen. Neben dem Anschluss der Science City Bahrenfeld an die Schnellbahn werden nach Angaben der Visionäre auch neue Velorouten und die Anbindung an überregionale Radschnellwege geprüft. 

"Unter behutsamer Berücksichtigung bestehender Nachbarschaften werden hier Wissen und Wohnen, Innovation und Wirtschaft, Freizeit, Kultur und Sport zusammen entwickelt werden." Dr. Liane Melzer (SPD), Bezirksamtsleiterin Altona


Das könnte Sie auch interessieren:

Innovationsparks: Sind sie interessant als neue Assetklasse?

Siemens entscheidet sich für Berlin als Standort für Innovationscampus

Hamburg: Wohnungsbauziele gefährdet?

In Köln entsteht ein digitales Bürogebäude für Startups

Schlagworte zum Thema:  Stadtentwicklung, Wohnungsbau, Startup, Innovation