12.02.2013 | Hamburg

Elbphilharmonie: Statt Aufklärung gegenseitige Schuldzuweisungen

Hamburger Elbphilharmonie: Zurzeit verhandelt der SPD-Senat neue Verträge mit Hochtief.
Bild: Lisa Schwarz ⁄

Der Parlamentarische Untersuchungsausschuss zur Elbphilharmonie geht seinem Ende zu. Er sollte Licht ins Dunkel des Elbphilharmonie-Chaos bringen.

Doch kurz vor Abschluss des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses in Hamburg ist klar: Die meisten der 37 geladenen Zeugen suchten die Schuld bei anderen oder konnten sich nicht erinnern.

Nach Ex-Kultursenatorin Karin von Welck wird am Donnerstag (14. Februar) als letzter Zeuge nochmals der ehemalige Bürgermeister der Hansestadt, Ole von Beust, Stellung beziehen. Dabei geht es vor allem um die Frage, wie es zu den immensen Kostensteigerungen und Zeitverzögerungen bei dem Prestigeprojekt kommen konnte. Bei seiner ersten Vernehmung hatte Beust gesagt, er trage zwar politisch die Verantwortung, habe aber weder "vorsätzlich noch fahrlässig" gehandelt.

Bislang schoben sich die Zeugen gegenseitig den Schwarzen Peter zu. Die ehemaligen Mitglieder des Beust-Senats sagten, sie könnten sich an keine Details erinnern, da der frühere Chef der städtischen Realisierungs-Gesellschaft (ReGe), Hartmut Wegener, alles alleine entschieden habe. "Er hat seine Möglichkeiten völlig überschätzt", erklärte von Welck im Ausschuss. Wegener, der im Sommer 2008 gefeuert wurde, machte dagegen erneut die Schweizer Architekten Herzog & de Meuron für viele Probleme beim Bau des Konzerthauses verantwortlich.

Diese hätten sich stets als "3. Partei" und "nicht als rechte Hand des Bauherren" verhalten. Auch der Baukonzern Hochtief habe seiner Meinung nach den Prozess mit immer neuen Geldforderungen ins Stocken gebracht.

Der Schweizer Star-Architekt Pierre de Meuron kritisierte auch die Stadt. Vor allem die verfrühte Ausschreibung - vor Erteilung einer Baugenehmigung sei ein großer Fehler gewesen. Eine Ausschreibung zu diesem Zeitpunkt habe erhebliche Risiken mit sich gebracht. "Damals ist es versäumt worden, die Weichen für den Projekterfolg richtig zu stellen", sagte de Meuron. Auch der Vorsitzende des Ausschusses, Ole Thorben Buschhüter, nennt neben dem komplizierten Vertragswerk die unvollständige Planung zu Beginn als einen der gravierendsten Fehler. "Die Risiken wurden von allen Parteien unterschätzt und die Warnungen der Generalplaner nicht ernst genommen", sagte er der dpa.

 Buschhüter ist mit dem vorläufigen Ergebnis des Ausschusses - nach Expertenanhörungen soll der Abschlussbericht im August vorliegen - trotzdem zufrieden. "Wir haben intensive Aufklärungsarbeit geleistet und können daraus Lehren für die Zukunft ziehen", ist der Politiker überzeugt. Der Ausschuss untersuchte jedoch nur den Zeitraum bis Ende 2008. Dabei ging es vor allem um den sogenannten Nachtrag 4, der Ende 2008 verabschiedet wurde. Dadurch stiegen die Kosten für den Steuerzahler von 114 auf 323 Millionen Euro, von denen der Baukonzern Hochtief 137 Millionen Euro erhielt.

Zurzeit verhandelt der SPD-Senat neue Verträge mit Hochtief, die bis zum 28. Februar unterzeichnet werden sollen. Dabei soll die Zusammenarbeit zwischen Hochtief und den Architekten neu organisiert werden. Für einen erneuten Nachschlag von 198 Millionen Euro will Hochtief die Elbphilharmonie für einen «Pauschalfestpreis» von 575 Millionen Euro fertig bauen und gleichzeitig das alleinige Risiko übernehmen. Man darf davon ausgehen, dass die Opposition auch diesen Vorgang untersuchen möchte - so dass mit einem weiteren Untersuchungsausschuss zu rechnen ist. Ursprünglich sollte das Konzerthaus mal 77 Millionen Euro kosten und 2010 fertig sein. Nun ist die Eröffnung frühestens für 2017 geplant.

Schlagworte zum Thema:  Elbphilharmonie

Aktuell

Meistgelesen