20.02.2013 | Frankfurt

Großrazzia und Verhaftungen bei S&K-Gruppe

Sechs Verdächtige in Frankfurt und Hamburg wurden abgeführt inhaftiert
Bild: Haufe Online Redaktion

Eine Gruppe um die Immobilienfirma S&K soll ein Schneeballsystem installiert und Anleger um ihre Ersparnisse geprellt haben. Man rechne mit tausenden Geschädigten, erklärte die Frankfurter Ober-Staatsanwältin Doris Möller-Scheu am Donnerstag.

Die Polizei hat bundesweit 130 Objekte durchsucht, um Beweise zu sichern. Sechs Männer wurden verhaftet, gegen weitere 44 wird ermittelt. Die Täter sollen weit über 100 Millionen Euro Schaden angerichtet haben. Man gehe von einem "extrem hohen Schaden im dreistelligen Millionenbereich" aus, berichtete die Frankfurter Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsstrafsachen.

Die Ermittlungen richten sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft gegen die Deutsche S&K Sachwert AG in Frankfurt (S&K), die zusammen mit weiteren Firmen aus Hamburg und Köln Kern eines betrügerischen Firmennetzes sein soll. Das Unternehmen war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Die Zahl der Opfer sei noch völlig unklar, aber man rechne mit tausenden Geschädigten, so die Ober-Staatsanwältin Doris Möller-Scheu aus Frankfurt. Schätzungen von Anwaltsbüros, die von bis zu 100.000 Geschädigten berichteten, könne man nicht bestätigen. Die Justizsprecherin bestätigte Medienberichte, nach denen es Nachdurchsuchungen bei einer Fondsgesellschaft in München gegeben hat.

S&K-Gründer gehören zu den inhaftierten Hauptverdächtigen

Ebenfalls im Angebot waren Fonds für Risikokapital. Immobilien wurden nach den Erfahrungen der Lehman-Krise im Jahr 2008 als "wahrscheinlich sicherste Anlageform der Welt" in den Vordergrund der Werbung gestellt. S&K verwaltete nach eigenen Angaben ein Portfolio im Wert von 1,7 Milliarden Euro.

Sie sechs Verhafteten sind im Alter zwischen 31 und 70 Jahren: Die beiden S&K-Gründer gehören zu den inhaftierten Hauptverdächtigen. Insgesamt werde gegen etwa 50 Beschuldigte ermittelt, weitere Haftbefehle gebe es derzeit nicht. Unter den Beschuldigten seien auch mehrere Notare und Rechtsanwälte.

An den Durchsuchungen mit Schwerpunkten in Hessen, Hamburg und Bayern haben rund 1.200 Ermittlungsbeamte und 15 Staatsanwälte teilgenommen. Weitere beteiligte Länder waren Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Brandenburg.

Laut Handelsblatt auch Journalistin beteiligt

Die Justiz hat nach eigenen Angaben bereits Vermögenswerte von über 100 Millionen Euro gesichert. Dazu gehörten Immobilien, Autos und Konten. Die Wirtschaftswoche online hat dazu eine Mitteilung der Staatsanwaltschaft zitiert und bebildert: "Die betrügerisch erlangten bzw. veruntreuten Anlagegelder sollen hauptsächlich für den extrem aufwändigen und exzessiven Lebensstil der Beschuldigten (...) verwendet worden sein".

Mit einer schnellen Anklage ist zu rechnen. Das Verfahren sei selbst für Frankfurter Verhältnisse sehr umfangreich und sicher nicht in wenigen Monaten abzuschließen, sagte am Freitag ein Sprecher der federführenden Staatsanwaltschaft.

Keine Details nannte der Justizsprecher zum Fall einer Journalistin, die laut "Handelsblatt" gegen Schmiergeld in ihrer Zeitschrift für die windigen S&K-Anlagen geworben haben soll.

Schlagworte zum Thema:  Immobiliendienstleister, Immobilienfonds, Anlagebetrug, Immobilieninvestition

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