11.06.2013 | Projekt

Erste Ferienwohnungen in Prora verkauft

Rügen
Bild: MEV-Verlag, Germany

Nach jahrelangem Stillstand und einem weiteren Zwischenverkauf des im Nationalsozialismus als Seebad geplanten Megakomplex in Prora auf Rügen begannen im Herbst 2012 die Umbauarbeiten zu Eigentumswohnungen. Nun wurden die ersten 20 Ferienwohnungen verkauft.

Der Bund hatte zwischen 2004 und 2011 die halbwegs intakten fünf Blöcke der auf 4,5 Kilometer Länge als "Seebad der 20.000" geplanten Anlage an der Ostsee für insgesamt 3,45 Millionen Euro veräußert.

Zu DDR-Zeiten wurde der Komplex militärisch genutzt. Am Samstag will die Berliner Bering Consulting GmbH dafür Richtfest feiern. In Prora dürfen laut Bebauungsplan 3.000 Gästebetten entstehen, was im Ostseebad Binz umstritten ist. Seit Sommer 2011 ist bereits eine Jugendherberge mit 400 Betten in Betrieb.

Im vergangenen Jahr kauften Bering und sein Geschäftspartner Michael Jacobi knapp einhundert Meter des denkmalgeschützten nationalsozialistischen Erbes auf Rügen von Ulrich Busch. Der Sohn des Agitpropsängers und Linken-Ikone Ernst Busch (1900-1980) hatte den Block I und II im Jahr 2006 für 455.000 Euro vom Bund erworben und nach zähen Diskussionsrunden mit Denkmalschutz und Baubehörden Baugenehmigungen erwirkt. Doch dann ging es nicht weiter, weil das Kapital fehlte. Im Jahr 2008 verkaufte Busch zunächst den Block I komplett, 2012 dann drei von zehn Aufgängen im Block II. Auch von den anderen Aufgängen will sich Busch noch trennen, wie er jetzt berichtet.

Bering und Jacobi gaben ihrem Abschnitt den unverfänglichen Namen "Meersinfonie". In zwei Aufgängen entstehen nun jeweils 30 Eigentumswohnungen. Millionensummen nehmen die Berliner eigenen Angaben pro Aufgang dafür in die Hand.

Historiker wie der Chef des Dokumentationszentrums Prora, Jürgen Rostock, warnten davor, dass Prora mit dem Verkauf auf dem freien Markt zum Spekulationsobjekt verkommt und ideologische Intention und historischer Kontext, unter denen die gigantische Anlage geplant und gebaut wurde, vergessen wird.

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