Junge Berufstätige und internationale Unternehmer sollen zusammen arbeiten und zusammen wohnen. Bild: Getty Images, Inc.

In Berlin eröffnet im April ein Co-Living-Space, in dem junge Berufstätige und internationale Unternehmer nicht nur berufliche Interessen teilen, sondern auch gemeinsam wohnen. Entsprechend der Zielgruppe will der Anbieter Medici Living das Gebäude technisch so modern wie möglich gestalten. Ähnliche Konzepte entstehen in weiteren Städten.

Jung, international, digital – so sieht der ideale Anwärter für eines der 45 Zimmer aus, die die Medici Living Group Mitte April als groß angelegte Wohngemeinschaft in einem Neubau in Berlin-Moabit anbietet. Das Co-Living-Projekt soll auf fünf Geschossen neben den Zimmern je eine Gemeinschaftsküche und zwei Bäder pro Apartment enthalten. Gemeinschaftsflächen wie Kino, Leseecke und Terrasse dienen dem privaten und beruflichen Austausch. Ziel sei es, Menschen mit einer Leidenschaft für Kreativität und Gründergeist unter einem Dach zusammenzubringen – und zwar rund um die Uhr, erklärt das Unternehmen. Medici ergänzt das Konzept um entsprechend smarte Technologie: Zum Einzug sollen Türen über Apps und ohne Schlüssel abschließbar sein, auch Licht, Heizung und Jalousien sollen sich via Smartphone steuern lassen. Weitere Elemente sind geplant.

500 Euro Miete für zehn Quadratmeter

Das Gebäude ist in Modulbauweise an einer der Hauptverkehrsstraßen im Westen des Bezirks Mitte und mit Mitteln der Investoren Klar und Englmann entstanden; zu den Kosten macht die Medici-Gruppe keine Angaben. Die Mieten dürften laut Internetangebot bei um die 500 Euro für ein gut zehn Quadratmeter großes Zimmer liegen. Darin sind die Gebühren für WLAN, Reinigung für die Gemeinschaftsflächen, Waschmaschinennutzung und weitere Nebenkosten abgedeckt. Vor Ort soll ein persönlicher Ansprechpartner („Community Manager“) für die Sorgen und Nöte der Bewohner da sein, wenngleich die Kommunikation im Regelfall mittels einer App läuft. Die Mindestmietdauer liegt bei drei Monaten.

Das Interesse wachse seit dem Freischalten des Internetauftritts von „Quarters“ ständig, sagt Medici-Sprecherin Anne Weimann. „Das reicht von Menschen, die einfach ein Zimmer suchen, bis hin zu internationalen Anfragen von Menschen, die neu in die Stadt kommen und auch sozialen Anschluss suchen.“ Bislang konzentriert sich die Gruppe auf WG-Zimmer für Studierende – mit dem Ausdehnen auf Berufstätige maßgeblich aus der Start-up-Szene stößt Medici in ein Geschäftsfeld mit Potenzial vor, bedient es doch den Trend zu Mikro-Apartments und Wohnen mit umfassendem Service auf Zeit gleichermaßen.

Co-Working- und Co-Living-Campus in Hamburg

Bundesweit versuchen mehrere Anbieter, mit ähnlichen Projekten in die Nische vorzustoßen. So plant die rent24 GmbH, im kommenden Jahr in Hamburg einen Coworking- und Coliving-Campus in Hamburg zu eröffnen. Auf einem ehemaligen Fabrikgelände im Stadtteil Hamm sollen auf 7.500 Quadratmetern Büros und Mikroapartments mit Begegnungsflächen entstehen. „Wir bieten eine günstigere Alternative als Hotels und flexiblere Lösungen als eine eigene Wohnung“, wirbt Sprecherin Selina Zehden für das rent24-Konzept. Auch sie geht davon aus, dass der Trend anhalten wird; insofern könnten noch mehr Anbieter, die derzeit eher auf Studierende als Zielgruppe fokussieren, den deutschen Markt und die junge, mobile Startup-Generation als Zielgruppe entdecken.

Smarte WG für Studierende

So hat etwa die niederländische Hotelgruppe The Student Hotel bei der Expo Real im Herbst Pläne für eine Expansion auf den deutschen Markt vorgestellt. Die erste smarte WG mit Serviceleistungen für Studierende soll 2019 nahe dem Alexanderplatz eröffnen. In New York ist im vergangenen Jahr das Start-up WeLive mit einem ähnlichen Co-Living-Projekt wie die Medici Living Gruppe gestartet. Ein Zimmer an der Wall Street kostet derzeit umgerechnet ab knapp 1.800 Euro pro Monat.  

Schlagworte zum Thema:  Selbstständige Arbeit, Digital, Smart Home, Wohnung

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