Zwangsversteigerungen weiter rückläufig Infografik

Die Zeit der Immobilienschnäppchen ist vorbei: Auch im Jahr 2019 ist die Zahl der Zwangsversteigerungen zurückgegangen. Die versteigerten Verkehrswerte sanken um 10,7 Prozent auf 3,44 Milliarden Euro, bundesweit kamen nur noch 17.600 Immobilien unter den Hammer. Zu diesen Ergebnissen kommt der Fachverlag Argetra.

Argetra wertet dazu die Zwangsversteigerungstermine aller knapp 500 bundesdeutschen Amtsgerichte aus. Im Vorjahr hatte Argetra bei den Recherchen noch 21.600 versteigerte Immobilien mit einem Volumen von 3,848 Milliarden Euro festgestellt. Grund für die zurückgehende Zahl der Zwangsversteigerungen ist laut Argetra-Geschäftsführer Axel Mohr die langanhaltende Niedrigzinsphase, die „Nachfrage nach Immobilien ist weiterhin sehr groß“.

Nur 50 Prozent der Fälle landen im Gerichtssaal

Das führt auch dazu, dass lediglich 50 Prozent der eröffneten Zwangsversteigerungsverfahren überhaupt im Gerichtssaal landen. Der Rest wird vor der Versteigerung freihändig verkauft.

Neu ist der Trend nicht: Bereits seit gut zehn Jahren nimmt die Zahl der Zwangsversteigerungen in Deutschland ab. Der bisherige Höhepunkt wird im Jahr 2005 mit rund 92.500 Terminen gesehen.

Zwangsversteigerungen vor allem in der Mitte Deutschlands

Regional verteilen sich die Zwangsversteigerungen unterschiedlich. Die Termine im Jahr 2019 konzentrieren sich laut Argetra in der Mitte Deutschlands und nehmen von West nach Ost zu. Betrachte man die Anzahl der Termine pro 100.000 Haushalte, so sei die Zahl der anberaumten Zwangsversteigerungstermine zum Beispiel in Sachsen-Anhalt (89) trotz eines Rückgangs von 15 Peozent noch immer 3,5 Mal so hoch wie in Bayern (24). Durchschnittlich seien 43 (Vorjahr: 52) von 100.000 Haushalten von Zwangsversteigerungen betroffen. NRW als bevölkerungsreichstes Land hat mit 23 Prozent unverändert den höchsten Anteil am Gesamtmarkt.

Textgrafik Verteilung Zwangsversteigerung nach Objektarten
Vor allem Ein- und Zweifamilienhäuser kommen unter den Hammer.

Schwerpunkt liegt bei Wohnimmobilien

Zwangsversteigert werden laut Argreta zu 68 Prozent Wohnimmobilien, vor allem Ein- und Zweifamilienhäuser. Den Rest von 32 Prozent teilen sich  Gewerbegrundstücke, Wohn- und Geschäftshäuser, Grundstücke und sonstige Immobilien. Deutlich zugenommen haben Teilungsversteigerungen, also Versteigerungen zum Zweck der Aufhebung der Eigentümergemeinschaft durch Erbauseinandersetzungen und Scheidungen. Diese haben inzwischen einen Anteil an den Verkehrswerten von 34 Prozent (Vorjahr: 26 Prozent).

In Berlin sind die höchsten Verkehrswerte mit durchschnittlich über 580.000 Euro je Immobilie aufgerufen worden. Sachsen-Anhalt bildet das Schlusslicht mit Durchschnittswerten von 70.000 Euro. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 195.078 Euro, nach 177.990 Euro im Vorjahr.

2020/21 werden mehr Zwangsversteigerungen erwartet

Argetra-Geschäftsführer Axel Mohr erwartet angesichts der Stellenstreichungen insbesondere in der Autoindustrie einen Anstieg der Zwangsversteigerungen 2020/21. "Es fallen viele gut bezahlte Jobs weg", sagt er. Das treffe auch Immobilieneigentümer, die einen Kredit abbezahlen müssten. Das Coronavirus sieht er als zusätzlichen Faktor, wenn Unternehmen durch fehlende Zulieferteile in größerem Ausmaß Kurzarbeit oder sogar Arbeitsplatzabbau angehen müssten.

Stefan Mitropoulos, Ökonom bei der Landesbank Helaba, erwartet keinen Crash am Immobilienmarkt, auch wenn sich die Konjunktur weiter eintrübt: "Eher eine Normalisierung oder Abschwächung der Wachstumsraten. Die heißeste Phase am Immobilienmarkt könnte vorbei sein." Einzelhandelsimmobilien hingen vor allem am Konsum, Büros am Arbeitsmarkt und Wohnungen an positiven Einkommenserwartungen.

"Wer wirtschaftlich schwierige Zeiten erwartet, verschuldet sich nicht mit Hunderttausenden Euro." Stefan Mitropoulos, Ökonom bei der Landesbank Helaba

Nach zehn Jahren Boom und hochgeschossenen Immobilienpreisen waren zuletzt die Sorgen vor einer Blase am deutschen Wohnungsmarkt gestiegen. Die Bundesbank sprach von "markanten Preisübertreibungen" in den Städten. Dort seien die Wohnungspreise 15 bis 30 Prozent höher als ökonomisch und soziodemografisch gerechtfertigt.

Der Anstieg der Immobilienpreise und Mieten hat sich 2019 allenfalls verlangsamt. So sind die Preise für Wohneigentum laut dem Verband deutscher Pfandbriefbanken um 6,75 Prozent geklettert, nach 7,75 Prozent im Vorjahr. Auch die Mieten sind laut Bundesbank weniger stark gestiegen, zumindest in Städten. Auch wenn Immobilienspezialisten wie Empirica immer wieder vor einer Überhitzung warnen: Der Mangel an Wohnraum in den Metropolen bleibt und auch eine gefährliche Kreditschwemme ist nicht zu sehen.

Mit Handelskonflikten, Jobverlusten in der Autoindustrie und nun den wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus sei ein wirtschaftlich schwaches erstes Halbjahr zu erwarten, meint Ökonom Mitropoulos.

Das könnte Sie auch interessieren:

Blasengefahr weitet sich außerhalb der Schwarmstädte aus

vdp-Immobilienpreisindex: Preistrend in den Top 7 lässt nach



dpa
Schlagworte zum Thema:  Zwangsversteigerung