Zwangsversteigerungen weiter rückläufig Infografik

Die Zahl der Zwangsversteigerungen ist im vergangenen Jahr weiter zurückgegangen. Ein Grund dafür ist laut Argetra die anhaltende Niedrigzinsphase und die weiterhin hohe Nachfrage nach Immobilien.

Die versteigerten Verkehrswerte sanken 2019 gegenüber dem Vorjahr um rund zehn Prozent auf mehr als dreieinhalb Milliarden Euro, bundesweit kamen nur noch 17.600 Immobilien vor Gericht. Zu diesem Ergebnis kommt der Fachverlag Argetra.

Im Jahr 2018 hatte Argetra bei den Recherchen noch 21.600 versteigerte Immobilien mit einem Volumen von rund 3,8 Milliarden Euro festgestellt, 2019 waren es nur 17.600 Immobilien mit einem Verkehrswert von 3,4 Milliarden Euro. Ein Grund für die sinkende Zahl der Zwangsversteigerungen ist laut Argetra-Geschäftsführer Axel Mohr die langanhaltende Niedrigzinsphase und die anhaltend hohe Nachfrage nach Immobilien.

Ausgewertet hat Argetra die Zwangsversteigerungstermine aller knapp 500 bundesdeutschen Amtsgerichte. Nur 50 Prozent der eröffneten Zwangsversteigerungsverfahren landete überhaupt im Gerichtssaal. Der Rest wurde vor der Versteigerung freihändig verkauft. Neu ist der Trend nicht: Bereits seit zehn Jahren nimmt die Zahl der Zwangsversteigerungen in Deutschland ab.

Zwangsversteigerungen vor allem in der Mitte Deutschlands

Regional verteilen sich die Zwangsversteigerungen sher unterschiedlich. Die Termine im Jahr 2019 konzentrieren sich laut Argetra in der Mitte Deutschlands und nehmen von West nach Ost zu. Betrachte man die Anzahl der Termine pro 100.000 Haushalte, so sei die Zahl der anberaumten Zwangsversteigerungstermine zum Beispiel in Sachsen-Anhalt (89) trotz eines Rückgangs von 15 Peozent noch immer 3,5 Mal so hoch wie in Bayern (24). Durchschnittlich seien 43 (Vorjahr: 52) von 100.000 Haushalten von Zwangsversteigerungen betroffen. NRW als bevölkerungsreichstes Land hat mit 23 Prozent unverändert den höchsten Anteil am Gesamtmarkt.

Textgrafik Verteilung Zwangsversteigerung nach Objektarten

Schwerpunkt liegt bei Wohnimmobilien

Zwangsversteigert werden laut Argetra zu 68 Prozent Wohnimmobilien, vor allem Ein- und Zweifamilienhäuser. Den Rest von 32 Prozent teilen sich Gewerbegrundstücke, Wohn- und Geschäftshäuser, Grundstücke und sonstige Immobilien. Deutlich zugenommen haben Teilungsversteigerungen, also Versteigerungen zum Zweck der Aufhebung der Eigentümergemeinschaft durch Erbauseinandersetzungen und Scheidungen. Diese haben inzwischen einen Anteil an den Verkehrswerten von 34 Prozent (Vorjahr: 26 Prozent).

In Berlin sind die höchsten Verkehrswerte mit durchschnittlich über 580.000 Euro je Immobilie aufgerufen worden. Sachsen-Anhalt bildet das Schlusslicht mit Durchschnittswerten von 70.000 Euro. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 195.078 Euro, nach 177.990 Euro im Vorjahr.

2020 und 2021 mehr Zwangsversteigerungen erwartet

Argetra-Geschäftsführer Mohr erwartet angesichts der Stellenstreichungen insbesondere in der Autoindustrie einen Anstieg der Zwangsversteigerungen 2020/21. "Es fallen viele gut bezahlte Jobs weg", sagt er. Das treffe auch Immobilieneigentümer, die einen Kredit abbezahlen müssten. Das Coronavirus sieht er als zusätzlichen Faktor, wenn Unternehmen durch fehlende Zulieferteile in größerem Ausmaß Kurzarbeit oder sogar Arbeitsplatzabbau angehen müssten.

Stefan Mitropoulos, Ökonom bei der Landesbank Helaba, erwartet keinen Crash am Immobilienmarkt, auch wenn sich die Konjunktur weiter eintrübt: "Eher eine Normalisierung oder Abschwächung der Wachstumsraten. Die heißeste Phase am Immobilienmarkt könnte vorbei sein."  Wer wirtschaftlich schwierige Zeiten erwarte, verschuldet sich nicht mit Hunderttausenden Euro.

Nach zehn Jahren Boom und hochgeschossenen Immobilienpreisen waren zuletzt die Sorgen vor einer Blase am deutschen Wohnungsmarkt gestiegen. Die Bundesbank sprach von "markanten Preisübertreibungen" in den Städten. Dort seien die Wohnungspreise 15 bis 30 Prozent höher als ökonomisch und soziodemografisch gerechtfertigt.

Mit Handelskonflikten, Jobverlusten in der Autoindustrie und den wirtschaftlichen Folgen durch die Folgen der Pandemie sei ein wirtschaftlich schwaches erstes Halbjahr zu erwarten, meint Ökonom Mitropoulos.

dpa
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