12.08.2014 | immowelt.de

Nur Hälfte der Fördergelder kommt im sozialen Wohnungsbau an

Einkommensschwache Haushalte bleiben auf der Strecke
Bild: Haufe Online Redaktion

Von einer Milliarde Euro, die der Staat pro Jahr in die Wohnraumförderung steckt, kommt nur die Hälfte im sozialen Wohnungsbau an. Das berichtet das Portal immowelt.de. Demnach fließen rund 450 Millionen Euro an private Bauherren. Von den einst vier Millionen Sozialwohnungen sind nur noch 1,5 Millionen übrig.

Diese Zahlen sind auch vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung für den Zeitraum 2002 bis 2012 betätigt worden. Und es werden immer weniger: Nach Berechnungen von immowelt.de verlieren jährlich rund 100.000 Sozialwohnungen ihren Status. Geförderte Wohnungen sind meist nur für 15 bis 20 Jahre an den niedrigen Mietpreis gebunden.

"Da in den nächsten Jahren viele Sozialwohnungen aus der Bindung fallen, wird sich das Problem verschärfen", prophezeit Städtetagspräsident Ulrich Maly. In Berlin hat im Zuge des Auftaktgesprächs zum „Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen“ Mieterbund-Präsident Dr. Franz-Georg Rips erst im Juli gefordert, dass noch in dieser Legislaturperiode eine Million neue Wohnungen, davon 250.000 Sozialwohnungen, gebaut werden.

Wie hoch der Bedarf an Sozialwohnungen in Deutschland insgesamt ist, ist nicht bekannt. Der Bund erhebt dazu keine Daten, die meisten Bundesländer legten auf Anfrage von immowelt.de keine Zahlen vor. Laut einer Untersuchung des ISP Eduard Pestel Instituts für Systemforschung liegt der Bedarf bei rund sieben Millionen Wohneinheiten.

Besonders in Großstädten wie München oder Berlin ist die Nachfrage größer als das Angebot. "Wir brauchen Mietwohnungen für unter sechs Euro pro Quadratmeter", fordert Andrej Holm, Soziologe an der Berliner Humboldt-Universität. Die größte Aufgabe der Politik müsse es sein, den Bestand an Sozialwohnungen dauerhaft zu sichern.

Weiter fordert er, dass Sozialwohnungen nach Ablauf ihrer Förderung nicht mehr an private Investoren oder Konsortien verkauft werden – sondern ausschließlich an kommunale Wohnungsbaugesellschaften oder gemeinnützige Stiftungen. 60 Prozent der mit Förderung gebauten oder gekauften Wohnungen gehen direkt in Privatbesitz über.

Schlagworte zum Thema:  Immobiliendienstleister, Sozialwohnung

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