Low-Budget-Unterkünfte für Studenten sind knapp, dafür die Warteschlangen um so länger Bild: Wohnungswirtschaft OWL

Die Wohnungssituation für Studierende hat sich zum Semesterstart 2017 in einigen deutschen Hochschulstädten im Vergleich zum Vorjahr noch einmal verschlechtert. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Moses Mendelssohn Instituts (MMI) im Auftrag des Projektentwicklers GBI. Am schwierigsten ist die Suche nach der passenden und bezahlbaren Unterkunft in München.

Untersucht wurden alle 93 deutschen Hochschulstädte mit mehr als 5.000 Studenten. Ermittelt wurde ein Anspannungsindex des studentischen Wohnungsmarktes – erreichbar sind maximal 100 Punkte. Zum fünften Mal seit Beginn der jährlichen Untersuchung gibt es einen Anstieg des bundesweiten Durchschnittswerts: diesmal um 0,7 Punkte auf 37,7.

München mit 78 Punkten toppt erneut alle Städte und hat aber nur noch einen geringen Vorsprung vor Hamburg (76 Punkte), das Frankfurt an Position zwei ablöste. Während sich in München sich seit 2013 fast nichts geändert hat, erhöhte sich der Score-Wert in Hamburg im gleichen Zeitraum um zehn Punkte. Auch in Tübingen, Nürnberg, Leipzig, Rostock, Kassel, Fulda, Oldenburg, Essen und Marburg ist keine Trendwende bei der Wohnungssuche in Sicht: Dort hat sich die Situation ebenfalls zum Teil deutlich verschärft.

Zurückgegangen sind die Anspannungswerte in Köln, Frankfurt und Heidelberg. Von einer nachhaltigen Entspannung der Lage zu sprechen, wäre aber verfrüht, sagt Dr. Stefan Brauckmann, Direktor des MMI. Dafür seien die Werte nach zuletzt erheblichen Steigerungen weiter spürbar höher als 2013.

"Dennoch ist der Wachstumstrend hier erst einmal gebrochen, so dass von einer leichten Erholung gesprochen werden kann", so Brauckmann.

Für die Analyse untersucht wurden 23 Faktoren: Dazu gehören die Immobilienpreise, vor allem für Zimmer in Wohngemeinschaften (WG), die Entwicklung der Studierenden- und Erstsemester-Zahlen, die Altersstruktur der Bewohner, die Quote geförderter Wohnheime sowie die Attraktivität von Universität und Stadt für in- und ausländische Studierende.

Cottbus ist der günstigste Uni-Standort in Deutschland

Wie teuer das Wohnen in den 93 Studentenstädten ist, zeigt die im Rahmen der Studie in Kooperation mit dem Immobilienportal WG-Gesucht.de vorgenommene Analyse der WG-Preise. Demnach kostet der Platz in einer Wohngemeinschaft im bundesweiten Durchschnitt bereits 353 Euro. Teuerster Standort ist München mit durchschnittlich 570 Euro. In Cottbus hingegen wird für ein WG-Zimmer 208 Euro verlangt. Nach Zahlen von Empirica lagen Preise für unmöblierte Zimmer in einer Wohngemeinschaft im Jahr 2016 bereits bei durchschnittlich 345 Euro monatlich und waren damit 23 Prozent teurer als noch 2012.

Neben Cottbus gibt es laut MMI-Studie nur vier weitere Städte, alle in den neuen Bundesländern, in denen die durchschnittlichen WG-Mieten unter 250 Euro liegen – der laut BAföG-Satz angesetzten offiziellen Wohnkostenpauschale. Besonders schwierig ist der Studie zufolge die Situation zum Wintersemester-Start 2017/18 für Studierende, die in der bisher fremden Hochschulstadt noch nicht vernetzt sind und nur wenig Zeit zwischen Studienplatzzusage und Semesterbeginn haben.

Wohnheimplätze sind knapp, lange Warteliste an der Tagesordnung. Auch Wohnheime der Studierendenwerke können nur 9,7 Prozent der Studierenden eine subventionierte Unterkunft zur Verfügung stellen. Wie eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) und der Deutschen Real Estate Funds (DREF) in Kooperation mit ImmobilienScout24 sowie eine Analyse von Empirica zeigen, wird zu wenig und falsch gebaut.

Lange Wartelisten für Wohnheimplätze

Auch Wohnheime der Studierendenwerke können nur noch 9,7 Prozent der Studenten eine subventionierte Unterkunft zur Verfügung stellen.

"In Städten mit einem hohen Gefälle zwischen Wohnheimkosten und Neuvermietungspreisen sind die Wartelisten besonders lang“, so Brauckmann.

Die Schaffung zusätzlicher Wohnheimplätze durch die Ausweitung der Wohnbauförderung könne nur eine Lösung sein. "Wir brauchen schlichtweg mehr Wohnraum, der die Bedürfnisse junger Menschen bezüglich Lage, Preis und Konzept erfüllt", sagt der MMI-Direktor. „Wir sollten uns von der Vorstellung verabschieden, dass in den Metropolen die Nachfrage nach Unterkünften insbesondere durch Menschen mit geringen Wohnkostenbudgets in den nächsten Jahren bedarfsgerecht gedeckt werden kann".

Studentenwohnen wurde längst zu einer eigenständigen Anlageklasse, in die weltweit zweistellige Milliardenbeträge investiert werden.

Top 10 im Anspannungs-Scoring

  1. München 78 (Vorjahr Platz 1; 79)
  2. Hamburg 76 (Vorjahr Platz 4; 74)
  3. Stuttgart 74 (Vorjahr Platz 5; 73)
  4. Köln 71 (Vorjahr Platz 3; 76)
  5. Frankfurt am Main 70,5 (Vorjahr Platz 2; 77,5)
  6. Freiburg im Breisgau 66,5 (Vorjahr Platz 6; 65,5)
  7. Tübingen; Rottenburg 65,5 (Vorjahr Platz 9; 62,5)
  8. Darmstadt 65,5 (Vorjahr Platz 7; 65,5)
  9. Berlin 63 (Vorjahr Platz 8; 64)
  10. Konstanz 61 (Vorjahr Platz 10; 60)

Schlagworte zum Thema:  Wohnungsnot, Student, Studentenwohnheim

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