Prognose: Preise für den Wohnungsneubau steigen auch 2022 weiter

Höhere Kosten für Stahl und Beton, mehr Druck durch den gesetzlichen Mindestlohn von zwölf Euro pro Stunde und der Fachkräftemangel werden die Baupreise auch im neuen Jahr weiter steigen lassen, prognostizieren Experten. Das wird auch auf Neubauwohnungen durchschlagen.

Zwar schwächt sich die Dynamik ab Entwarnung gibt es aber nicht: "Die Baupreise werden weiter steigen", befürchtet Reinhard Quast, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB). Auch wer neue Wohnungen bauen will, muss sich nach Einschätzung der Branche im neuen Jahr auf höhere Kosten einstellen. Dahinter steckt, dass höhere Energiekosten etwa die Preise für Stahl treiben oder gestiegene Dieselpreise im Transport den Beton verteuerten. Zudem werde der gesetzliche Mindestlohn von zwölf Euro pro Stunde für Druck auf die Löhne sorgen und Fachkräfte seien knapp, erklärte Quast.

Beton: Preissteigerungen um bis zu 20 Prozent

"Holz und Stahl zum Beispiel sind derzeit am Bau zu bekommen, aber doppelt so teuer wie vor einem Jahr", so der ZDB-Präsident weiter. Bei Beton gebe es teils Preissteigerungen von 15 bis 20 Prozent, weil dort das teurere Diesel zum Transport auf die Baustellen voll durchschlage, berichtete Bauunternehmer Quast. "Es gibt Knappheit bei vielen Produkten und jeder in der Kette testet die Preisobergrenzen aus."

Teures Material wie Stahl, Beton, Holz und Dämmungen treiben die Baupreise seit längerem hoch. Im August 2021 etwa verteuerten sich Neubauten von Wohnungen nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes um 12,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat das war der stärkste Anstieg seit 51 Jahren.

Das Ziel der Ampelparteien im Koalitionsvertrag, pro Jahr 400.000 neue Wohnungen zu bauen, hält Quast für unrealistisch, da Grundstücke und Baugenehmigungen fehlen. "Der Engpass besteht auf dem Papier, nicht bei den Steinen", so der Experte. Es dauere in Deutschland Jahre, Genehmigungen zu bekommen und Flächen in Bauland umzuwandeln. "Der Schlüssel für mehr Wohnungsbau wäre, Genehmigungsprozesse zu vereinfachen."

Dämmstoffe kaum noch erhältlich

Kostentreibend auf den Baustellen wirkten sich dem Statistischen Bundesamt zufolge in den vergangenen Monaten auch die gestiegenen Ölpreise aus: Bitumen auf Erdölbasis – eingesetzt unter anderem zur Abdichtung von Dächern, Gebäuden und Fundamenten kostete etwa im Mai 2021 knapp zwei Drittel (64 Prozent) mehr als im Vorjahresmonat; und Dämmplatten aus Kunststoff wie Polystyrol verteuerten sich um 20 Prozent.

Doch nicht überall am Bau gingen die Preise den Statistikern zufolge so durch die Decke: Bei Kies und Sand (plus 4,8 Prozent) wichtig für die Zementherstellung und maßgeblich für die Herstellung von Beton , Mauerziegeln und Dachziegeln (jeweils plus 2,2) sowie Frischbeton (plus 1,7) gab es im Beispielmonat Mai 2021 nur relativ leichte Zuwächse gegenüber dem Vorjahresmonat.

Die häufig in der Dämmung von Fassaden und Flachdächern verwendeten expandierten Polystyrole (EPS) und extrudierten Polystyrole (XPS) sind im Moment praktisch gar nicht mehr erhältlich – "und wenn, dann zu deutlich höheren Preisen", beobachtete Andreas Breitner, Präsident des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), bei seinen Mitgliedern. Betroffen seien auch chemische Produkte wie Abdichtungs- oder Spachtelmasse.

Wohnungswirtschaft: Lokale Produktion von Baurohstoffen ankurbeln

Breitner zufolge gibt es auch bei Kies Schwierigkeiten mit der Lieferung. Der VNW-Chef beruft sich dabei auf eine Studie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). Einen Grund für die Kiesknappheit sieht er in den langwierigen Genehmigungsverfahren, die eine rechtzeitige Neueröffnung von Kiesgruben verhindern. Hinzu komme, dass ein Großteil der Kiesvorkommen bereits durch andere Nutzungen verplant sei.

Auch das Baugewerbe sieht eine mögliche Gegenmaßnahme gegen die Materialverknappung in der lokalen Produktion. "Es kann nicht sein, dass wir von importierten Baustoffen abhängig sind, wenn wir über große Mengen mineralischer Baustoffe im eigenen Land verfügen", sagte kürzlich ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa. Er fordert, wie die Wohnungswirtschaft, in Deutschland selbst wieder mehr Kies, Sand und Gips abzubauen. Bei Baustoffen, die stark regional produziert würden, gebe es keine großen Schwankungen.


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Schlagworte zum Thema:  Immobilienpreis, Wohnungsbau