Platzen die Preisblasen in Norwegen und Schweden? Das hält Scope für unwahrscheinlich Bild: Haufe Online Redaktion

In Norwegen und Schweden soll es deutliche Anzeichen für Preisübertreibungen an den Wohnungsmärkten geben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse der Ratingagentur Scope. In Norwegen beträgt die Schuldenlast der privaten Haushalte demnach rund 220 Prozent des verfügbaren Haushaltseinkommens, in Schweden 180 Prozent. Eine flächendeckende Preisblase in Europa – und explizit in Deutschland – hat Scope nicht festgestellt.

Untersucht hat Scope 16 europäische Wohnimmobilienmärkte. Zwischen 2000 und 2007 haben sich der Studie zufolge die Kaufpreise für Wohneigentum im Durchschnitt um real rund 35 Prozent erhöht, vor allem in Süd-Europa.

Nach der Finanzkrise 2008 sind laut Scope die Preise in den untersuchten Ländern im Schnitt wieder um zehn Prozent gefallen, nur nicht in den nordischen Ländern und in den DACH-Staaten Deutschland, Österreich und Schweiz. Diesem Schema entziehen sich nur zwei Länder: Norwegen und Schweden – sie verzeichneten sowohl vor als auch nach der Finanzkrise deutliche Preissteigerungen für Wohneigentum. Das Verhältnis von Preisen zu Mieten befindet sich in beiden Ländern auf dem höchsten Stand seit 1980.

Deutschland: Schuldenlast der privaten Haushalte sinkt

In einzelnen deutschen Metropolen sind Scope zufolge Preisübertreibungen Realität. Das sei beispielsweise in München, Hamburg oder Berlin der Fall. Einen Crash befürchtet Scope hier aber nicht, wohl aber ein Ende des Booms, wie eine Studie von Mai zeigt. – siehe dazu auch: Deutscher Wohnimmobilienmarkt: Ende des Booms, aber kein Crash. Für den deutschen Wohnimmobilienmarkt allgemein gibt Scope Entwarnung.

Die deutschen Haushalte müssen im Durchschnitt nur rund sechs Prozent des verfügbaren Einkommens aufbringen, um Kredite zu bedienen. Verantwortlich für den im europäischen Vergleich niedrigen Wert sei vor allem die niedrige Wohneigentumsquote in Deutschland.

Preissteigerungen in Deutschland erst nach der Finanzkrise

Seit 2008 sind die Preise für Wohneigentum laut Scope nur in sechs der betrachteten 16 Länder gestiegen sind, darunter Deutschland und Österreich. In den Jahren von 2000 bis 2007 hingegen legten die Preise noch in 13 der 16 Länder zu, während sie in Deutschland um 15 Prozent fielen und in Österreich stagnierten. Etwa in Belgien steigen die Preise bereits seit 1985.

In Spanien, Irland und Dänemark kam es zu spekulativen Preisblasen, die im Zuge der Finanzkrise platzten. Von 2008 bis 2017 sind die Preise für Wohneigentum in diesen Ländern laut Scope im Durchschnitt jedoch wieder gesunken. In Portugal sind die Hauspreise in beiden Perioden gesunken und haben sich erst seit dem Jahr 2014 wieder erholt.

Prognose: Schrittweise Korrektur der Wohnimmobilienpreise bis 2019

Da Norwegen und Schweden ökonomisch, politisch und strukturell robust aufgestellt sind, erwartet Scope, dass die beiden nordischen Länder einen Einbruch der Häuserpreise gut verkraften würden. Hinzu komme, dass das Wirtschaftswachstum nicht wie 2008 in Spanien, Irland und Dänemark auf einer unverhältnismäßigen Aufblähung von Wohnbauinvestitionen basiere.

Deshalb geht Scope davon aus, dass eine schrittweise Korrektur der Wohnimmobilienpreise in den kommenden 24 Monaten eintreten wird. Ein Platzen der Immobilienblase sei unwahrscheinlich.

Schlagworte zum Thema:  Wohnungsmarkt, Immobilienblase, Europa

Aktuell
Meistgelesen