In Mehrfamilienhäusern stieg die Zahl der genehmigten Wohnungen leicht Bild: Corbis

Die Genehmigungen für Bauanträge für Wohnungen sind im ersten Halbjahr 2017 dem Statistischen Bundesamt (Destatis) zufolge deutlich zurückgegangen. Insgesamt wurde der Bau von 169.454 Wohnungen genehmigt. Das sind 7,3 Prozent weniger als in den ersten sechs Monaten 2016. Vor dem Hintergrund von Wohnungsknappheit und steigenden Mieten erscheinen die Zahlen zunächst überraschend. Erklärungen kommen von den Verbänden.

„Diese Zahlen sind ernüchternd“, sagte etwa Dr. Andreas Mattner, Präsident des ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss. Die Branche sei überreguliert, die Erstellungskosten nicht zuletzt durch staatliches Handeln zu hoch und die Baugenehmigungsprozesse zu langwierig. Ansatzpunkte fänden sich in den Ergebnissen des Bündnisses für bezahlbares Wohnen und Bauen, so Mattner.

Von der Aktion „Impulse für den Wohnungsbau“ zusammengeschlossen kam außerdem ein Zwölf-Punkte-Plan heraus, der den Politikern als To-do-Liste vorgelegt wurde. Der Wohnungsbau ist eines der Top-Themen der Parteien vor der Bundestagswahl im September 2017.

Mehr Genehmigungen in Mehrfamilienhäusern

Erfreulich ist dem Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW zufolge, dass gegen den Trend die Genehmigungen von Wohnungen in Mehrfamilienhäusern gestiegen sind: um 1,8 Prozent auf 82.100 Wohnungen. Das ist der höchste Wert seit zwanzig Jahren (1997: 117.400 Wohnungen). "Doch auch hier reichen die Zahlen an geplanten Wohnungen insbesondere im preisgünstigen Segment nicht aus, um den hohen Nachholbedarf gerade in Ballungsregionen zu decken", sagte GdW-Präsident Axel Gedaschko.

Am deutlichsten gesunken ist laut Destatis die Zahl der Genehmigungen von Wohnungen in Wohnheimen: um 31,8 Prozent (3.900 Wohnungen weniger). Zu dieser Kategorie zählen auch Flüchtlingsunterkünfte.

Die Baugenehmigungen von Wohnungen in Einfamilienhäusern gingen um 9,5 Prozent zurück (minus 4.800 Wohnungen) und in Zweifamilienhäusern um 2,2 Prozent (minus 200 Wohnungen).

Vorzieheffekt durch EnEV 2016 und Baukosten

Dem Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsbauunternehmen (BFW) zufolge liegt ein maßgeblicher Grund für die zurückgehenden Genehmigungszahlen darin, dass viele Anträge wegen der Energiesparverordnung bereits Ende 2015 gestellt worden seien. Die Regelungen der verschärften EnEV 2016 hätten die Baukosten um sieben Prozent in die Höhe getrieben. Dadurch seien die Genehmigungen 2016 kurzfristig angestiegen.

Baulandmangel, administrative Hürden und bauordnungsrechtliche Kostentreiber seien ebenfalls Gründe. Die Verbände BFW und GdW schlagen vor, dass mehr Bauflächen nach Konzeptqualität mit bundesweit einheitlichen Kriterien vergeben werden müssten, um keine Investorengruppe zu benachteiligen.

„Die Bereitstellung von Bauland ist der Schlüssel für neue bezahlbare Wohnungen“, sagte Bundesbauministerin Barbara Hendricks im April.

Wohnungsknappheit bleibt Thema

Eine positive Bilanz hatte im Frühsommer die Bundesregierung gezogen. Mit mehr als 370.000 genehmigten Wohnungen im Jahr 2016 und voraussichtlich mehr als einer Million fertiggestellten Wohnungen in dieser Legislaturperiode sei die Trendwende auf dem Wohnungsmarkt geschafft, hieß es. Aktuell fehlen in Deutschland, nach Zahlen des deutschen Instituts für Wirtschaft (IW) Köln rund 1,5 Millionen Wohnungen.

"Doch statt Aufschwung stehen die Zeichen bei den Baugenehmigungen auf Sinkflug“, so Gedaschko. Die abflauende Dynamik bei den Wohnungsbaugenehmigungen setze das bezahlbare Wohnen in Deutschland weiter aufs Spiel. "Spätestens mit Beginn der nächsten Legislaturperiode muss das Motto der neuen Bundesregierung lauten: Volle Kraft voraus für den Wohnungsbau“, so Gedaschko. Alleine beim Sozialwohnungsbau klaffe eine Lücke von 80.000 zusätzlich benötigten Einheiten pro Jahr.

Schlagworte zum Thema:  Baugenehmigung, Wohnungsmarkt

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