CBRE-Empirica-Studie: Leerstand in Deutschland stagniert

In den wachsenden Städten und ihrem Umland gibt es kaum noch freie Wohnungen, die kurzfristig zur Verfügung stehen könnten, melden Empirica und CBRE. Weil der Leerstand stagniert, dränge der Bau neuer Wohnungen hier jetzt besonders.     

Bis vor wenigen Jahren hat der Abbau von 25.000 bis 30.000 Wohnungsleerständen jährlich in den Wachstumsregionen einen großen Beitrag zur Entlastung der Wohnungsmärkte geleistet – damit ist es jetzt vorbei: 2019 konnten gegenüber 2018 nur noch rund 4.000 Leerstände wieder bewohnt werden, heißt es im aktuellen Leerstandsindex von Empirica und CBRE. "Die städtischen Märkte brauchen daher dringend Neubau und dazu Bauland nahe den Haltepunkten des ÖPNV im Umland von Verdichtungsräumen", lautet das Fazit.

Kluft zwischen Boom- und Schrumpfregionen wächst

Ende 2019 standen nach den Zahlen von Empirica und CBRE deutschlandweit rund 2,8 Prozent beziehungsweise knapp 603.000 der marktaktiven – "Ruinen" oder dysfunktionale Leerstände sind damit nicht berücksichtigt – Wohnungen leer. Dabei wird die Kluft zwischen den Boomstädten mit einer Leerstandsquote von 1,9 Prozent im Jahr 2019 (2006: 3,3 Prozent) und den Regionen mit schrumpfenden Einwohnerzahlen und einer Quote von 8,6 Prozent immer größer, wie die Studie zeigt.

"In Folge der Binnenwanderung steigt der Leerstand seit 2014 in den ländlichen Wegzugsregionen und sinkt seit 2010 in den Schwarmstädten und zuletzt verstärkt auch in deren Umland", schreiben die Autoren. Dieser Trend werde sich fortsetzen.

Allgemein ist der Leerstand in Ostdeutschland (ohne Berlin) fast dreimal so hoch wie im Westen (2,2 Prozent) mit einer Quote von 6,1 Prozent. Besonders viele freie Wohnungen gibt es im Osten in Chemnitz und in Frankfurt / Oder (jeweils 8,4 Prozent). Auch Schwerin und Salzgitter sind mit mehr als acht Prozent Leerstand unter den Schlusslichtern.

Bedeutende Zuwächse von knapp einem Prozentpunkt oder mehr weisen Dessau-Roßlau (plus 1,9 Punkte), Gera (plus 0,9 Punkte) sowie Frankfurt/Oder (plus 0,6 Punkte) auf. In zwei Städten ist die Leerstandsquote aber wiederum seit 2014 um zwei Prozentpunkte und mehr geschrumpft: Leipzig (minus 3,2 Punkte) und Salzgitter (minus 2,4 Punkte).

Empirica: Das Land muss attraktiver werden

In Frankfurt am Main und München ist die ermittelte Leerstandsquote mit je 0,2 Prozent am niedrigsten, gefolgt von Freiburg im Breisgau (0,3 Prozent) sowie Münster und Darmstadt (0,4 Prozent). Unter den Schlusslichtern in Westdeutschland ist das rheinland-pfälzische Pirmasens mit einer Quote von 9,3 Prozent.

Hohe Rückgänge bei den Leerständen gab es in Westdeutschland in Kaufbeuren (minus 1,2 Punkte), Flensburg (minus 1,1 Punkte) und Passau (minus ein Prozentpunkt). Zuwächse verzeichneten Coburg und Wilhelmshaven (je plus 0,3 Punkte).

Vor allem auf dem Land stehen mancherorts massig Wohnungen leer. Nicht nur müsse in den Wachstumsregionen gebaut werden, auch das Leben auf dem Land müsse wieder attraktiver gemacht werden, folgerte Empirica-Vorstand Reiner Braun.


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Schlagworte zum Thema:  Leerstand, Wohnungsbau