In vielen Schrumpfungsregionen ist der Leerstand bereits markant und wird weiter steigen Bild: Haufe Online Redaktion

Der marktaktive Leerstand in Geschosswohnungen lag Ende 2016 im bundesweiten Durchschnitt bei 2,9 Prozent (616.500 Einheiten). Das sind 6.000 Einheiten weniger als 2015, wie der CBRE-Empirica-Leerstandsindex zeigt. In Wachstumsregionen lag die Quote im Schnitt bei zwei Prozent, Tendenz fallend. Die niedrigste Quote hat München mit 0,2 Prozent, die höchste Pirmasens mit neun Prozent. In Schrumpfungsregionen stieg der Leerstand auf 7,1 Prozent.

"Bis 2021 ist jedoch eher wieder mit einem Anstieg zu rechnen – vor allem in den ländlichen Wegzugsregionen", sagt Empirica-Vizechef Dr. Reiner Braun. Die heute mehr als 300.000 marktaktiven Leerstände könnten sich auf rund 400.000 erhöhen, meint Braun.

Der marktaktive Leerstand in Geschosswohnungen liegt in Ostdeutschland (ohne Berlin) mit sechs Prozent immer noch deutlich höher als im Westen mit 2,4 Prozent. Grund seien aber nicht mehr maßgeblich Ost-West-Unterschiede, sondern vielmehr abweichende Entwicklungen in Regionen mit schrumpfenden und wachsenden Einwohnerzahlen, wie sie auch in Westdeutschland zu beobachten sind, so Michael Schlatterer, Valuation Advisory Team Leader Market Intelligence bei CBRE in Deutschland. So ist etwa der Leerstand in Wachstumsregionen bereits im zehnten Jahr rückläufig (2006: 3,3 Prozent).

In Leipzig und Salzgitter schrumpfen die Leerstände deutlich

Die niedrigsten Leerstandsquoten finden sich neben München (0,2 Prozent) in Münster, Frankfurt am Main, Darmstadt und Freiburg im Breisgau mit jeweils 0,5 Prozent). München (16,65 Euro pro Quadratmeter), Frankfurt am Main (13,09 Euro) und Freiburg (11,74 Euro) gehörten 2017 zu den teuersten Mietstädten, wie aus einer Auswertung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) hervorgeht.

Am unteren Ende der Leerstandsskala steht außer Pirmasens (neun Prozent) auch Schwerin mit 8,9 Prozent.

Höchste Quote

StadtQuote 2016Veränderung 2011 bis 2016
Pirmasens9,0 Prozent+ 0,6 Prozentpunkte
Schwerin8,9 Prozent- 1,0 Prozentpunkte
Salzgitter8,7 Prozent- 3,0 Prozentpunkte
Chemnitz8,6 Prozent- 1,8 Prozentpunkte
Halle (Saale)7,9 Prozent- 1,9 Prozentpunkte

Quelle: CBRE-Empirica-Leerstandsindex 2016

Niedrigste Quote

StadtQuote 2016Veränderung 2011 bis 2016
München0,2 Prozent- 0,4 Prozentpunkte
Münster0,5 Prozent- 0,7 Prozentpunkte
Frankfurt/Main0,5 Prozent- 0,5 Prozentpunkte
Freiburg/Breisgau0,5 Prozent- 0,8 Prozentpunkte
Darmstadt0,5 Prozent- 0,6 Prozentpunkte

Quelle: CBRE-Empirica-Leerstandsindex 2016

Hohe Zuwächse von einem halben Prozentpunkt oder mehr gab es dagegen in den westdeutschen Städten Pirmasens (plus 0,6 Prozentpunkte auf neun Prozent) und Wilhelmshaven (plus 0,5 Punkte auf sechs Prozent). Hier folgen auf den ersten fünf Plätze Bottrop (plus 0,4 Punkte auf 2,4 Prozent), Speyer (plus 0,4 Punkte auf 2,1 Prozent) und Remscheid (plus 0,3 Punkte auf 5,9 Prozent).

In zwei Städten ist die Leerstandsquote seit 2011 um mehr als zwei Prozentpunkte gesunken: Das sind Leipzig (minus 4,8 Punkte) und Salzgitter (minus drei Punkte). Die höchste Leerstandsquote wies Salzgitter mit 9,8 Prozent bereits bei der letzten Erhebung 2016 auf. Drastische Rückgänge gab es in der aktuellen Studie auch in Haale/Saale (7,9 Prozent, minus 1,9 Punkte), Chemnitz (8,6 Prozent, minus 1,8 Punkte) und Duisburg (4,3 Prozent, minus 1,3 Punkte).

Reserven in prosperierenden Schwarmstädten erschöpft

Der Abbau von Leerstandsreserven hat laut CBRE lange Zeit einen wesentlichen Beitrag zur Entlastung des Wohnungsmarktes geleistet. Nun seien in den prosperierenden Schwarmstädten die Reserven erschöpft. "Diese Märkte brauchen daher dringend Neubau und dazu Bauland auf der grünen Wiese", folgert Schlatterer.

Dies gelte erst recht, wenn man die anerkannten Flüchtlinge hinzurechne, die noch nicht in Wohnungen, sondern immer noch als "Fehlbeleger" in den Notunterkünften lebten.

Der CBRE-Empirica-Leerstandsindex ist nach Angaben der Autoren die einzige Datenquelle mit Angaben zum marktaktiven Leerstand – also unmittelbar vermietbaren oder mittelfristig aktivierbaren – Geschosswohnungen in Deutschland. Grundlage der aktuellen Zahlen bilden Bewirtschaftungsdaten des Immobilienberaters CBRE (über 800.000 Wohneinheiten) sowie Analysen und Schätzungen auf Basis der Empirica-Regionaldatenbank und des Statistischen Bundesamtes.

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Schlagworte zum Thema:  Leerstand, Wohnimmobilien

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