Institutionelle Investoren plädieren für eine vereinfachte Ausweisung von Bauland, damit der Mietwohnungsbau in Gang kommt Bild: lichtkunst.73 ⁄

Noch eine Woche bis zur Bundestagswahl 2017 – und die SPD etwa hat noch einmal bekräftigt, dass sie die umstrittene Mietpreisbremse verschärfen will. Das sehen institutionelle Anleger mit Sorge: Diese Maßnahme sorge für Investitionsstau und weiter steigende Mieten, wie die Investorenumfrage 2017 von Engel & Völkers Investment Consulting (EVIC) zeigt. Zielführender sei eine vereinfachte Ausweisung von Bauland, sagten 87,7 Prozent der Anleger.

Befragt hatte Rueckerconsult im Auftrag von EVIC insgesamt 150 institutionelle Investoren. Demnach rechnen mehr als die Hälfte (58,5 Prozent) der Befragten bei einer Verschärfung der Mietpreisbremse mit einem zunehmenden Investitionsstau bei Bestandswohnungen und weiter steigenden Mieten.

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46,2 Prozent der Investoren gaben an, bei einer Verschärfung der Mietpreisbremse, eventuell den Investitionsschwerpunkt auf andere Assetklassen zu verlagern.

„Institutionelle Anleger sehen die Mietpreisbremse nicht als das geeignete Instrument an, um den Mietwohnungsmarkt zu regulieren", sagt Kai Wolfram, Geschäftsführender Gesellschafter von EVIC.

Schon heute kalkulierten Investoren bei Bestandsimmobilien mit einer geringen Mietrendite von zwei bis drei Prozent.

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Sonder-AfA für Institutionelle nicht oberste Priorität

Eine weitere Forderung aus der Politik kommt von der CDU, die für die steuerliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung über eine Sonder-AfA plädiert. Eine Erhöhung der linearen AfA auf mindestens drei Prozent oder die Einführung einer degressiven AfA hat für institutionelle Anleger nicht oberste Priorität. Das gaben jeweils 41,5 Prozent der Befragten an.

Die Mehrzahl (87,7 Prozent) der institutionellen Anleger in Deutschland hält es für sinnvoll, die Ausweisung von Bauland in städtischen Gebieten zu vereinfachen und den sozialen Mietwohnungsbau (50,8 Prozent) zu fördern.

„Für viele institutionelle Anleger und Projektentwickler stellen die hohen Grundstückspreise in den Metropolen ein gravierendes Problem dar“, so Wolfram.

Habe der Grundstücksanteil an den Erstellungskosten für Neubau früher noch bei rund 15 bis 20 Prozent gelegen, liege der Anteil heute bei über 40 Prozent. Wer den Mietwohnungsbau vorantreiben wolle, müsse daher vor allem das Angebot an Grundstücken in den Innenstädten erhöhen. Grundstückskosten machen in begehrten Lagen Deutschlands mittlerweile schon ein Drittel der Kosten aus.

An der Online-Umfrage zu den Anlegekriterien von institutionellen Investoren und Family Offices haben sich rund 150 Unternehmen beteiligt. Deutsche Family Offices stellen dabei mit einem Anteil von 23 Prozent die größte Gruppe. Danach folgen deutsche Versicherungen mit einem Anteil von acht Prozent.

Schlagworte zum Thema:  Wohnungsbau, Mietwohnung, Wohnimmobilien

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