| Euroconstruct

Wohnungsbau in Europa weiterhin auf Schrumpfkurs

In Deutschland hat die Zahl der Wohnungsfertigstellungen weiter zugelegt
Bild: MEV-Verlag, Germany

Der Wohnungsbau in Europa befindet sich weiter auf Schrumpfkurs und wird 2013 den tiefsten Stand seit 20 Jahren erreichen. Die Experten des europäischen Forschungs- und Beratungsnetzwerkes Euroconstruct rechnen damit, dass die Wohnungsbauaktivitäten erst ab 2015 wieder zunehmen.

Dabei zeigt sich ein starkes Gefälle zwischen Nord- und Südeuropa. Mittelfristig wird der Wohnungsbau in den 19 Partnerländern der Euroconstruct-Gruppe unterschiedlich verlaufen. Während die Experten aus Norwegen, Schweden, Dänemark und Großbritannien in den Jahren 2013 bis 2015 durchschnittliche Zuwächse von jeweils mehr als zwei Prozent pro Jahr prognostizieren, werden im selben Zeitraum in sieben Ländern wohl Einbußen zu verzeichnen sein.

Für 2013 wird insgesamt erneut ein Rückgang erwartet, wobei der Neubaubereich aller Voraussicht nach größere Einbußen verbuchen wird als der Bestandssektor. Dabei wird der Umfang der Neubauaktivitäten zirka 45 Prozent unter dem Niveau von 2006 liegen.

"Die Aussichten hellen sich nur allmählich auf, unter anderem da ... etliche europäische Regierungen ihre Bürger finanziell immer stärker an der Sanierung des Staatshaushalts beteiligen", so Ludwig Dorffmeister, Bau-Experte aus dem ifo Zentrum für Industrieökonomik und neue Technologien. Erst ab 2014 rechnet das Netzwerk mit einer leichten Erholung in Höhe von einem Prozent. Im Jahr 2015 sollte das Wachstum dann knapp zweieinhalb Prozent betragen.

Norwegen und Irland mit Wachstum, Flaute in Tschechien, Portugal und Spanien

Vor allem die norwegische Wohnungsbautätigkeit, die bereits 2011 deutlich ausgeweitet wurde, bleibt weiterhin lebhaft. Diese Entwicklung wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit – wenn auch in abgeschwächter Form – bis zum Jahr 2015 fortsetzen. Der Wohnungsbau profitiert dort zum einen von der stabilen wirtschaftlichen Lage und zum anderen von der Zuwanderung und der fortschreitenden Urbanisierung. Dabei kann die Produktion von Neubauwohnungen aktuell nicht einmal mit dem Bevölkerungswachstum Schritt halten.

In der Schweiz und in Frankreich ist im Zeitraum 2013 bis 2015 mit Rückgängen zu rechnen. Hier wird das Wohnungsbauvolumen den Schätzungen der Experten zufolge allerdings nur leicht abnehmen. Jährliche Einbußen von mehr als einem Prozent werden für Ungarn und Italien prognostiziert.

In Italien könnte die Wohnungsbaunachfrage in diesem Jahr sogar um viereinhalb Prozent schrumpfen, bevor sie sich 2014 stabilisieren sollte. Am schlechtesten wird sich nach Einschätzung der Experten der Wohnungsbau in Tschechien, Portugal und Spanien entwickeln. Insbesondere die beiden zuletzt genannten Länder leiden unter einer Wirtschaftsflaute. Darüber hinaus hat Spanien weiter mit den Folgen der geplatzten Immobilienblase zu kämpfen.

Während in Portugal und Tschechien die Lage wohl äußerst angespannt bleiben wird, ist für Spanien zumindest Licht am Ende des Tunnels zu erkennen: Nach dem dramatischen Einbruch seit der Finanzkrise wird der dortige Wohnungsbau im Jahr 2015 um rund viereinhalb Prozent zulegen.

Deutschland: Zahl der Wohnungsfertigstellungen seit 2010 beträchtlich zugelegt

Der Neubaubereich schwächt sich derzeit weiter spürbar ab. 2013 wird die Genehmigungsquote aller Voraussicht nach auf 3,1 Neubauwohnungen pro 1.000 Einwohner sinken und damit den niedrigsten Wert der vergangenen Jahre erreichen. Diese Abwärtsentwicklung macht sich bei den Wohnungsfertigstellungen bemerkbar. Bis 2014 wird die Fertigstellungsquote auf nur noch 2,8 Wohnungen pro 1.000 Einwohner abnehmen, bevor sie 2015 wieder auf 2,9 Neubauwohnungen zulegen sollte. Die Experten gehen davon aus, dass in den 19 Partnerländern dann insgesamt rund 1,37 Millionen Wohnungen in neu errichteten Wohngebäuden fertiggestellt werden.

In Deutschland hat die Zahl der Wohnungsfertigstellungen seit 2010 beträchtlich zugelegt. In diesem Jahr wird mit einem kräftigen Anstieg auf etwa 205.000 Neubauwohnungen gerechnet. "Die niedrigen Bauzinsen, die stark gestiegene Zuwanderung sowie die anhaltende Flucht in Sachwerte dürften den Wohnungsbau hierzulande weiterhin stimulieren", so Dorffmeister. Für 2015 rechne er mit rund 240.000 Wohnungsfertigstellungen. Das würde einen Anstieg gegenüber 2010 um etwa 100.000 Einheiten bedeuten.

Schlagworte zum Thema:  Immobiliendienstleister

Aktuell

Meistgelesen