Der Wohnungsbau in der Innenentwicklung wird in den Städten immer wichtiger. Doch häufig führen die Vorhaben zu nachbarschaftlichem Widerstand und öffentlichen Debatten. Fehlende Akzeptanz seitens der Bürgerschaft ist zu einem der größten Probleme der Nachverdichtung geworden. Eine Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) zeigt in 13 Fallstudien, wie innerstädtischer Wohnungsbau erfolgreich realisiert werden kann.

Wohnungsbau findet heute überwiegend in der Innenentwicklung statt. Besonders in den dynamisch wachsenden Städten. Das Spektrum umfasst Baulücken, brachliegende Gewerbebetriebe, Gärtnereien und Bahnflächen oder Grundstücke, die zuvor von der öffentlichen Hand genutzt wurden, etwa Kasernen.

Die Beispiele in der Studie "Erfolgsfaktoren für Wohnungsbauvorhaben im Rahmen der Innenentwicklung von dynamischen Städten" sollen zeigen, welche Herausforderungen viele Vorhaben des innerstädtischen Wohnungsbaus begleiten: Dazu gehören vor allem Nutzungskonflikte sowie eine komplizierte und langwierige Willensbildung. Hinzu kommt der Widerstand von Anwohnern und Nachbarn, teilweise mit grundlegenden Auseinandersetzungen über wohnungs- und stadtentwicklungspolitische Fragen.

Dreieck Bürgerschaft, Kommune und Investor

Bei der Nachverdichtung innenstädtischer Flächen müssen Bürgerschaft, Kommune und Investoren eng zusammenarbeiten
Die Untersuchung konzentriert sich auf sechs Städte mit einem hohen Wohnungsbaubedarf. Darunter wachsende Großstädte (Augsburg und Bonn), typische Universitätsstädte (Göttingen und Berlin), eine Gemeinde im Umland der Metropole Hamburg (Wedel) sowie eine Stadt, die in der Vergangenheit durch Stagnation und Bevölkerungsrückgang geprägt war und nun wieder wächst (Kassel). Analysiert wurden 13 Vorhaben, von denen elf abgeschlossen werden konnten. Zwei Projekte haben eine unklare Zukunftsperspektive.

Die Größe der analysierten Bauprojekte reicht von 30 bis 600 Wohneinheiten. Öffentlich geförderte Wohnangebote entstehen in sechs der analysierten Projekte, teilweise in Form von speziellen Angeboten für Senioren oder für Menschen mit Behinderungen.

"Die Beispiele zeigen, wie Kompromisse und sensible Formen der Information und Beteiligung zu gelungenen Projekten führen und Neubauvorhaben Akzeptanz verschaffen können." Robert Kaltenbrunner, stellvertretende Leiter des BBSR

Einen Leitfaden für Wohnungsunternehmen und Kommunen zum Bauen innerhalb vorhandener Quartiere unter dem Titel "Bauen in Nachbarschaften" hat das Kompetenzzentrum Großsiedlungen im Auftrag des BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen erarbeitet.

Die analysierten Vorhaben

1. Augsburg

  • Ulmer Straße (ehemalige Reese-Kaserne): In Planung sind 41 öffentlich geförderte Mietwohnungen und Einzelhandel
  • Martini-Park (Parkanlage mit Unternehmervilla und Gewächshäusern): In Planung sind 360 Mietwohnungen (zehn Prozent öffentlich gefördert, Wohnen für Menschen mit Behinderung)

2. Berlin

  • Neue Häuser am Wasserturm (Wohnbebauung der 1960er Jahre): Bereits realisiert sind 150 Wohneinheiten im Geschosswohnungsbau (Eigentum und Miete)
  • Güterbahnhof Greifswalder Straße (Bahnanlage ): In Planung sind 600 Wohnungen im Geschosswohnungsbau (Eigentum und Miete, teilweise öffentlich gefördert)

3. Bonn

  • Südstadtgärten (Autohandel): Bereits realisiert sind 232 Mietwohnungen
  • Siebengebirgsterrassen (Verwaltungsgebäude des Streitkräfteamts und Amt für Zivilschutz): In Planung sind 258 Mietwohnungen

4. Göttingen

  • Lebensquartier am Nonnenstieg (Verwaltungs-, Labor- und Werkstattgebäude des Instituts für den wissenschaftlichen Film): In Planung sind 200 Wohneinheiten im Geschosswohnungsbau
  • Wohnen am Klosterpark (Verpackungsfabrik): 111 Wohnungen in Einfamilienhäusern (vor allem Reihenhäuser und Doppelhaushälften), 256 Wohnungen im Geschosswohnungsbau (Eigentum und Miete, teilweise öffentlich gefördert, Seniorenwohnen), Gewerbe

5. Kassel

  • Wohnen am Mulang (Krankenhaus ): In Planung sind 39 Eigentumswohnungen
  • Sternberg Carré (Übungsgelände Landesfeuerwehrschule ): Bereits realisiert sind 80 Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen

6. Wedel

  • Wedeler Au (Wohnbebauung Mehrfamilienhäuser der 1950er und 1960er Jahre): Bereits realisiert sind 236 Mietwohnungen (Seniorenwohnungen, Wohnungen für Menschen mit körperlichen Einschränkungen, teilweise öffentlich gefördert)
  • Rudolf-Breitscheid-Straße (Wohnbebauung ): In Planung sind 30 Wohneinheiten im Geschosswohnungsbau
  • Rissener Straße (Tankstelle, Montage-, Garagen- und Wohngebäude): In Planung sind 100 Mietwohnungen (teilweise öffentlich gefördert)

Erfolgsfaktoren für Vorhaben des Wohnungsbaus in Städten

Bürger stärker informieren und beteiligen, dafür sprechen sich die Autoren der Studie aus
Die Stadtverwaltungen sollten der Studie zufolge die unterschiedlichen Interessen der Bürgerschaft gleichmäßiger berücksichtigen – beispielsweise über aufsuchende Formen der Beteiligung. Die Autoren empfehlen, Sachargumente für mehr Wohnungsneubau besser für die Bürgerschaft aufzubereiten. Dazu zählen Informationen

Baulandrichtlinien, Baulandmodelle und Konzeptvergaben ermöglichen der Studie zufolge effizientere Abläufe. Eine koordinierende Stelle für den Wohnungsbau kann die Vorhaben zudem unterstützen, indem sie die Abstimmungen zwischen Fachämtern in die Hand nimmt und den Dialog mit Bürgerschaft sowie kommunalpolitischen Gremien und Investoren aufeinander abstimmt.

Das Forschungsinstitut Quaestio hat die Studie im Auftrag des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat sowie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) realisiert.

Lesen Sie auch:

Neubau- und Qualifizierungskonzepte für wachsende und schrumpfende Regionen gefragt

Instone baut 395 Wohnungen in Augsburger Innenstadt

Hanau: Offenlegung des Bebauungsplans für Pioneer Park erfolgt

Darmstadt: Nassauische Heimstätte / Wohnstadt baut im Lincoln-Quartier

Mannheim: Formart realisiert 250 Wohnungen im Franklin Quartier

Schlagworte zum Thema:  Wohnungsbau, Stadtentwicklung, Nachverdichtung