18.08.2016 | Destatis

Wohnungsbau: Starker Anstieg von Genehmigungen in Wohnheimen "schönt" Zahlen

In Wohnheimen wurden knapp 8.000 neue Wohnungen genehmigt, dabei wurde vor allem an die Unterbringung von Flüchtlingen gedacht
Bild: Lara ⁄

Im ersten Halbjahr 2016 wurden in Deutschland laut dem Statistischen Bundesamt (Destatis) 30,4 Prozent mehr Baugenehmigungen für Wohnungen erteilt als im Vorjahresvergleich. Insgesamt wurde der Bau von 182.800 neuen Wohnungen genehmigt. Skeptisch äußerten sich wichtige Branchenverbände: Die meisten Wohnungen wurden in Wohnheimen genehmigt, was den angespannten Wohnungsmarkt mittelfristig nicht entlaste.

Die Baugenehmigungen für Wohnungen in Wohnheimen legten mit plus 174,2 Prozent beziehungsweise plus 7.900 Wohnungen am stärksten zu. Alleine von Januar bis Mai wurden laut Destatis 7.100 Wohnungen in Wohnheimen genehmigt. Zu dieser Kategorie zählen unter anderem Flüchtlingsunterkünfte.

Damit wurden von Januar bis Juni 2016 mehr Wohnungen in Wohnheimen (12.400 Wohnungen) genehmigt als in Zweifamilienhäusern (plus 18,3 Prozent auf 11.300 Wohnungen). 154.500 Einheiten wurden insgesamt in reinen Wohngebäuden genehmigt. Einfamilienhäuser hatten einen Zuwachs von zwölf Prozent.

Große Zuwächse gab es zwar auch im Bereich der Mehrfamilienhäusern (plus 30,7 Prozent), ohne Berücksichtigung der Wohnungen in Wohnheimen stiegen die Baugenehmigungen in neuen Wohngebäuden jedoch lediglich um 22,5 Prozent gegenüber den ersten sechs Monaten 2015. Im gesamten Jahr 2015 wurde Destatis zufolge in Deutschland der Bau von insgesamt 309.000 Wohnungen genehmigt.

Baugewerbe: Baugenehmigungen sind keine neuen Wohnungen

"Wenn diese Entwicklung anhält, dann könnten wir mit rund 360.000 Baugenehmigungen die Größenordnung von neuen Wohnungen erreichen, die wir jährlich tatsächlich auch bauen müssten, um den Bedarf annähernd zu decken", gewann Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes, den Zahlen einen positiven Aspekt ab. Doch die Erfahrung lehre, dass Baugenehmigungen noch keine neuen Wohnungen seien, sondern in der Regel weniger gebaut als genehmigt werde.

"Darüber hinaus vergehen nach der Genehmigung durchschnittlich zwei Jahre, bis die fertig gebauten Wohnungen auf dem Markt sind – zu einem Zeitpunkt, an dem dort der volle Effekt der Zuwanderung spürbar wird“, ergänzte BFW-Präsident Andreas Ibel. "Der Anstieg der Baugenehmigungszahlen um 30,4 Prozent weckt vielerorts Hoffnungen auf ein absehbares Ende der Wohnungsknappheit. Vor dieser Fehlinterpretation kann ich nur warnen".

Für den Wohnungsbau hätten Baugenehmigungszahlen eine geringe Aussagekraft. So stünden etwa Wohnungen in Flüchtlingsunterkünften vorerst nicht für andere Wohnungssuchende auf dem Markt zur Verfügung.

Baufertigstellungszahlen aussagekräftiger

Aussagekräftiger als Baugenehmigungszahlen sind Ibel zufolge die Baufertigstellungszahlen, die aber wesentlich geringer seien: So sei die Zahl der fertiggestellten Wohnungen 2015 um nur ein Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen und habe mit 248.000 Wohnungen noch weit unter dem tatsächlichen Neubaubedarf gelegen.

Ähnlich äußerte sich Axel Gedaschko, der Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW, zu den Zahlen des Statistischen Bundesamtes: "Genehmigt ist noch lange nicht gebaut. Bislang bleibt die Zahl der dann tatsächlich auch fertiggestellten Wohnungen deutlich hinter den Erwartungen zurück". Auch Destatis zufolge hat sich der Bauboom abgeschwächt.

Die Zahl der Baugenehmigungen reiche immer noch nicht aus, um den Bedarf von jährlich 400.000 neuen Wohnungen gerade in den wachsenden Ballungsräumen zu decken, so Axel Gedaschko. Das sagt auch Rolf Buch, Vorsitzender des Ausschusses Wohnen beim ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss. Er hält dabei die Schaffung weiterer Anreize für den Wohnungsneubau und die Senkung der Herstellungskosten für zwingend erforderlich. Nicht zuletzt habe die stetige Verschärfung im Bereich energiepolitischer Maßnahmen dafür gesorgt, dass sich das Bauen immer weiter verteuert habe. Der Verband hatte sich immer wieder für politische Anreize ausgesprochen, unter anderem im Positionspapier zum Klimaschutz und Altersgerechten Wohnen.

Mit Ausbauten mehr Wohnraum schaffen

Eine Chance könnte im Ausbau von Wohnungsbeständen vor allem aus den Baujahren der 1950er- bis 70er-Jahre liegen, die laut einer Kurzexpertise des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Auftrag des Bundesbauministeriums herausgegeben wurde. Diese Gebäude bieten demnach gute Voraussetzungen, weil sie großen Sanierungsbedarf aufweisen und im Zuge der Modernisierung Dachausbaumöglichkeiten geprüft werden können. Knapp 40 Prozent des Wohngebäudebestandes in der Bundesrepublik entfallen der Studie zufolge auf diese Gebäudegeneration.

Wie die aktuelle Untersuchung von Destatis zeigt, erreichte die Zahl der Wohnungen, die durch genehmigte Um- und Ausbaumaßnahmen an bestehenden Gebäuden entstehen, im ersten Halbjahr 2016 mit 25.800 Wohnungen den höchsten Wert seit 1998 (27.600). Der umbaute Raum der genehmigten neuen Nichtwohngebäude erhöhte sich von Januar bis Juni 2016 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 16,8 Millionen Kubikmeter auf 104,1 Millionen Kubikmeter (plus 19,3 Prozent).

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Schlagworte zum Thema:  Baugenehmigung, Wohnungsbau, Wohnheim, Einfamilienhaus, Wohnung

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