20.05.2016 | Statistisches Bundesamt

Wohnungsbau: Genehmigungen auf höchstem Stand seit 2004

Trotz Bauboom: Bezahlbare Wohnungen fehlen weiterhin
Bild: MEV-Verlag, Germany

Im ersten Quartal 2016 wurde der Bau von 84.800 Wohnungen genehmigt. Das teilt das Statistische Bundesamt (Destatis) in Wiesbaden mit. Das ist der höchste Stand zu einem Jahresanfang seit 2004 (88.900) und ein Plus von 30,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Immobilienverband GdW forderte die Politik auf, dem Trend gerecht zu werden und mit entsprechenden Maßnahmen weiteren Wohnungsneubau zu fördern.

Grund sind Destatis zufolge weiterhin niedrige Hypothekenzinsen und starker Nachfrage. Kräftige Zuwächse gab es bei allen Gebäudearten: bei Einfamilienhäusern (plus 23 Prozent), Zweifamilienhäusern (plus 26,8 Prozent) und Mehrfamilienhäusern (plus 23,7 Prozent).

Im Geschosswohnungsbau wurden im ersten Quartal 2016 rund 35.600 Wohnungen genehmigt, im Ein- und Zweifamilienhausbau rund 30.500 Wohnungen.

Zu dem Boom trug auch die Unterbringung von Flüchtlingen bei. Die Genehmigungen für Wohnungen in Wohnheimen stiegen um 146,8 Prozent auf 5.149. Dazu zählen auch Flüchtlingsunterkünfte.

GdW: Deutschland braucht langfristigen Neubautrend

„Die steigenden Baugenehmigungen sind ein positives Signal auf dem Weg zu mehr bezahlbarem Wohnraum in Deutschlands Großstädten“, sagte Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW, zu den Zahlen des Statistischen Bundesamts. Die Politik müsse jetzt dafür sorgen, dass dieser Trend beim Neubau anhalte und insbesondere mehr Wohnungen im mittleren und unteren Preissegment entstehen.

Dem GdW zufolge müssten in Deutschland bis 2020 jährlich insgesamt rund 400.000 Wohnungen und damit rund 140.000 Mietwohnungen mehr als 2015 gebaut werden – davon 80.000 Sozialwohnungen und 60.000 Einheiten im bezahlbaren Wohnungssegment.

Insgesamt belaufe sich das Wohnungsdefizit in Deutschland aktuell auf mindestens 800.000 Wohnungen, heißt es in einer Mitteilung. Der Hauptgrund dafür sei, dass in den vergangenen Jahren viel zu wenig gebaut wurde. Die Flüchtlingszuwanderung habe den Handlungsdruck in den Wachstumsregionen noch erhöht.

Gedaschko: "Bezahlbares Wohnen lässt sich nicht durch künstliche Mietpreisbegrenzungen sichern"

Damit dem Aufwärtstrend bei den Baugenehmigungen auch steigende Baufertigstellungszahlen folgten, müsse die Politik sofort eine ganze Reihe wirksamer Maßnahmen ergreifen.

"Wir brauchen schnellstmöglich mehr Bauland, eine Verringerung der Herstellungskosten beim Bau und wirksame Förderinstrumente“, so Gedaschko.

Bezahlbares Wohnen lasse sich nicht durch künstliche Mietpreisbegrenzungen sichern, sondern nur durch mehr Wohnungsbau. Die Bundesregierung dürfe den positiven Neubau-Trend nicht durch unsachgerechte Neuregelungen im Mietrecht und unwirtschaftliche Verschärfungen der Energieeinsparanforderungen ausbremsen.

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Schlagworte zum Thema:  Wohnungsbau, Baugenehmigung

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