Den Experten zufolge werden Wohnimmobilien auch im zweiten Halbjahr 2018 eine begehrte Assetklasse bleiben Bild: MEV Verlag Germany

Das Transaktionsvolumen am deutschen Wohninvestmentmarkt hat sich im ersten Halbjahr 2018 im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. NAI Apollo berichtet von 11,1 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von rund 82 Prozent. Dr. Lübke & Kelber kommt auf 11,76 Milliarden Euro und eine Steigerung um 96 Prozent. Pro Wohneinheit ist der Durchschnittspreis laut Dr. Lübke & Kelber um 10,5 Euro auf 140.000 Euro gestiegen, nach NAI Apollo um 6,1 Prozent auf 130.500 Euro.

Der verglichen mit dem Vorjahr moderate Preisanstieg sei eher auf eine veränderte Struktur der Transaktionen als auf ein abflachendes Preisniveau zurückzuführen, meint Ulrich Jacke, Geschäftsführer der Dr. Lübke & Kelber GmbH. "Einige größere Transaktionen fanden in strukturschwächeren Regionen mit entsprechend geringeren Preisniveaus statt. Der Trend zur regionalen Diversifizierung verstetigt sich zunehmend."

Nach Angaben von NAI Apollo hat vor allem der hohe Anteil von Forward-Deals den Anstieg der Kaufpreise befeuert. Diese seien von 1,8 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2017 auf 3,2 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2018 (plus 77,8 Prozent) angestiegen. Im ersten Quartal hätten vor allem Mikroapartment-Anlagen und Studentenwohnheime die durchschnittlichen Kaufpreises steigen lassen.

Deutlich mehr Wohneinheiten gehandelt

Die Anzahl der gehandelten Wohneinheiten hat laut NAI Apollo den Wert des ersten Halbjahres 2017 (49.600 Einheiten) mit plus 70,8 Prozent ebenfalls stark übertroffen und liege nun bei rund 84.700 Einheiten. Dr. Lübke & Kelber Research erfasste insgesamt 84.100 gehandelte Wohnungen, was einer Steigerung von rund 75 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2017 entspricht.

"Damit steuert das Jahr auf das zweitbeste Ergebnis nach 2015 zu", sagt Dr. Konrad Kanzler, Leiter Marktforschung der NAI Apollo Group. Er rechnet mit einem Gesamtjahresergebnis von 15,7 Milliarden Euro. Dr. Lübke & Kelber geht davon aus, dass das Ergebnis 2018 bei etwa 20 Milliarden Euro liegen wird (2015: 23,3 Milliarden Euro; 2017: 16,4 Milliarden Euro).

Übernahmen tragen maßgeblich zum Halbjahresergebnis bei

"Maßgeblich verantwortlich für das Halbjahresresultat ist die Übernahme der Buwog durch Vonovia im ersten Quartal, die allein mit rund 2,9 Mrd. Euro gewertet wurde", sagt Stefan Mergen, geschäftsführender Gesellschafter der NAI Apollo Valuation & Research GmbH. Die Größenklasse der Deals "über 500 Millionen Euro" habe mit insgesamt 4,3 Milliarden Euro (Anteil von 38,9 Prozent) zum Transaktionsvolumens beigetragen. Laut NAI Apollo folgt die Größenklasse "zwischen 100 und 500 Millionen Euro" (2,4 Milliarden Euro; Anteil von 21,8 Prozent). Deals "unter 100 Millionen Euro" machten demnach rund 4,4 Milliarden Euro aus, was einem Anteil von 39,3 Prozent entspricht.

Deutsche Investoren am aktivsten

Das Investitionsvolumen deutscher Investoren lag laut Dr. Lübke & Kelber im ersten Halbjahr 2018 bei rund 9,75 Milliarden Euro: Demnach dominierten sie mit einem Anteil von rund 83 Prozent des Transaktionsvolumens das Marktgeschehen im ersten Halbjahr 2018. Internationale Investoren kamen laut Dr. Lübke & Kleber auf eine Anteil von 17 Prozent (zirka zwei Milliarden Euro).

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt NAI Apollo: Hier sind deutsche Investoren im ersten Halbjahr 2018 mit 82,6 Prozent vertreten. In absoluten Zahlen bedeute dies ein Ankaufsvolumen von rund 9,1 Milliarden Euro (plus 82,0 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2017). Internationale Investoren erreichten in dieser Analyse zwischen Januar und Ende Juni ein Investitionsvolumen von rund 1,9 Milliarden Euro.

Nachfrage nach Wohnimmobilien weiterhin hoch

Dr. Lübke & Kelber Research davon aus, dass Wohnimmobilien auch im zweiten Halbjahr 2018 eine begehrte Assetklasse bleiben werden. Weitere große Portfolio-Deals stünden in der Vermarktung oder kurz davor. Neubauprojekte seien dabei eine beliebte Assetklasse und vor allem die Nachfrage nach Studenten- und Mikrowohnanlagen steige stetig.

Stefan Mergen von NAI Apollo geht davon aus, dass im laufenden Jahr unter den Metropolen weiterhin Berlin mit einem Anteil von 15,4 Prozent der Transaktionen dominieren mit. Unter den Bundesländern dürfte diese Rolle wohl Nordrhein-Westfalen zufallen: NRW war mit einem Anteil von 17 Prozent im ersten Halbjahr 2018 beliebtestes Investitionsziel. "Aufholen konnte Sachsen, das mittlerweile einen Anteil von zwölf Prozent am Transaktionsgeschehen erreicht", sagt Jacke. Dieser Anstieg mache die wachsende Bedeutung von B- und C-Standorten als Alternative zu den Top-Städten deutlich.

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Schlagworte zum Thema:  Wohnimmobilien, Investment, Investition, Analyse

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