Die Wohnungsmieten zogen in den vergangenen Monaten auch in kleineren Städten Deutschlands deutlich an. Zwar ist dem Immobilienverband IVD zufolge das Wohnen außerhalb der Ballungsräume immer noch günstiger, aber die Mieten bei den von April bis September 2018 abgeschlossenen Neuverträgen sind laut IVD-Präsident Jürgen Michael Schick teilweise prozentual stärker gestiegen als in Großstädten.

So wurden im untersuchten Zeitraum für eine Wohnung in mittlerer Lage und Ausstattung (Baujahr nach 1949) im Bundesschnitt 8,05 Euro pro Quadratmeter netto fällig. Laut IVD-Schätzung ist das ein Plus von 4,3 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Berücksichtigt wurden nur Wohnungen, keine Häuser.

IVD: Deutliche Nachholeffekte in kleineren Städten

Vermieter in kleineren Städten (10.000 bis 20.000 Einwohner) nahmen im Durchschnitt etwa zehn Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum: 5,69 Euro pro Quadratmeter. In etwas größeren Städten (20.000 bis 50.000 Einwohner) sieht der IVD ein Plus von 7,1 Prozent auf 6,27 Euro pro Quadratmeter. Die Mieten für vergleichbare Wohnungen in den sieben größten Städten legten dagegen nur um 4,3 Prozent (2017: 3,5 Prozent) auf 10,50 Euro zu. Hier ist nach wie vor München die teuerste Stadt für Mieter.

"Nachdem im vergangenen Jahr die Preise in den Kleinstädten fast stagnierten oder nur in geringem Maße gestiegen sind, sind jetzt deutliche Nachholeffekte zu beobachten", Jürgen Michael Schick, IVD-Präsident

Das liege auch daran, dass Menschen ins Umland zögen. Insbesondere in Thüringen hat der IVD diese Entwicklung bereits im Herbst 2017 beobachtet.

Rückläufige Steigerungsraten bei teuren Wohnungen

Die Preise für Neuvertragsmieten für Bestands- und Neubauwohnungen mit mittlerem Wohnwert sind laut IVD in fast allen Städteklassen schneller gestiegen als noch 2017. Aber die Mieten für Wohnungen mit gutem Wohnwert verzeichneten in vielen Städteklassen (besonders im Bestand) rückläufige Steigerungsraten.

"Die Zahlen belegen, dass der Mietwohnungsmarkt weiterhin angespannt ist. Der Wohnungsbau in Deutschland kommt der Nachfrage noch immer nicht hinterher", Jürgen Michael Schick, IVD-Präsident

Immer wieder haben Verbände in diesem Zusammenhang auch zu teures Bauland kritisiert. Hier hat das Land Hessen inzwischen mit einer neuen Richtlinie reagiert, die es dem Land möglich macht, landeseigene Grundstücke günstiger an Städte und Gemeinden zu verkaufen. Und Baden-Württemberg will notfalls Bauland durch Enteignung aktivieren.

Bestand: Mieten für Wohnungen mit gutem Wohnwert sinken

Für Bestandswohnungen mit gutem Wohnwert (Ausnahme Klein- und Mittelstädte bis 50.000 Einwohner) reduzierte sich die Preisdynamik laut IVD flächendeckend um 0,8 Prozentpunkte auf 2,8 Prozent (2017: 3,6 Prozent). In Frankfurt am Main, Köln und Düsseldorf blieben die Mieten konstant, in Hamburg stiegen sie nur noch langsam um 1,6 Prozent (2017: 4,1 Prozent). In München beschleunigte sich das Mietpreiswachstum: Die Mieten stiegen noch einmal um 5,8 Prozent (2017: vier Prozent). In Berlin haben sich die Nachholeffekte dem IVD zufolge leicht abgeschwächt: Die Mieten stiegen um fünf Prozent (2017: 5,3 Prozent).  

Trotz des weiteren Mietwachstums liegt Berlin mit einer Durchschnittsmiete von 10,50 Euro pro Quadratmeter noch unter den Werten von Hamburg (13 Euro pro Quadratmeter), Frankfurt (13,60 Euro) und München (16,40 Euro). Auch bei Altbauwohnungen (Baujahr bis 1948) verzeichnet Berlin mit 5,1 Prozent den höchsten Anstieg der Mieten. Bundesweit sind die Mieten für Altbauten um 2,4 Prozent zum Vorjahr gestiegen (2017: 3,8 Prozent).

Neubau: Mittlere Wohnwerte besonders nachgefragt

Die Mietsteigerung im Neubausegment beschleunigte sich nach Berechnungen des IVD nur im mittleren Segment. Dies betrifft fast alle Städteklassen. Im Bundesdurchschnitt stieg die Miete um 2,1 Prozentpunkte schneller als im Vorjahr; in den Metropolen stagnierte das Mietwachstum bei 3,9 Prozent.

Bei Neubauwohnungen mit gutem Wohnwert hat sich das Mietpreiswachstum im Durchschnitt um 0,3 Prozentpunkte auf 3,7 Prozent verringert (2017: vier Prozent). Das Minus geht laut IVD vor allem auf die Großstädte zurück. In den Metropolen ab 500.000 Einwohner stiegen die Mieten nur noch um 3,1 Prozent ( minus 1,5 Prozentpunkte zum Vorjahr).

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