Köln bleibt ein teures Pflaster zum Wohnen: Ob bei den Kaufpreisen oder den Mieten Bild: www.clearlens-images.de ⁄

Wohneigentum in Nordrhein-Westfalen ist stark nachgefragt, vor allem in Städten wie Köln und Bonn. Das treibt die Kaufpreise, wie eine Studie des Immobilienverbands IVD West zeigt. Zwischen Februar 2016 und Februar 2017 sind die Kaufpreise den Maklern zufolge noch einmal um bis zu neun Prozent gestiegen. Das Tempo beim Anstieg der Mieten habe sich in den 124 untersuchten Städten verlangsamt.

In Städten mit mehr als 300.000 Einwohnen hätten sich die Wohnungskaltmieten zuletzt im Durchschnitt um "moderate" 2,5 Prozent erhöht, heißt es im "IVD Preisspiegel 2017". Landesweit seien die Mieten dagegen im Durchschnitt um drei Prozent angestiegen.

Nur in Bielefeld und Dortmund hat der IVD mit einem Plus von 4,6 Prozent überproportional hohe Anstiege der Durchschnittsmieten festgestellt. So muss man in mittelguten Lagen in Dortmund bei Gebrauchtwohnungen derzeit mit 6,50 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter Wohnfläche rechnen, das sind fünf Prozent mehr als im Vorjahr. In Köln stieg dieser Wert ebenfalls um fünf Prozent auf 10,50 Euro, in Düsseldorf war erstmals seit längerer Zeit ein Stilltstand der Preise zu beobachten. In kleineren Orten der von Landflucht betroffenen Regionen wie Sauerland, im Oberbergischen oder in der Eifel sinken die Mieten teilweise weiter.

Die höchsten Mietpreise zahlt man mit 15 Euro in Neubauwohnungen (Erstbezug) in Köln, gefolgt von Bonn und Münster (13,50 Euro). Vergleichbare Lagen liegen in Düsseldorf bei 12,50 Euro, in Dortmund bei 10,60 Euro, in Siegen und Neuss bei elf beziehungsweise 10,50 Euro. Den günstigsten Erstbezug findet man mit 4,95 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter Wohnfläche in Windeck. Bei den Großstädten ist hier Gelsenkirchen mit 5,45 Euro zu nennen.

Der stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Mieterbundes NRW, Jürgen Becher, sieht die Studie skeptisch: Gerade in Großstädten wie Köln seien vor allem bei Neuvermietungen von Wohnungen immer noch hohe Mietsteigerungen zu beobachten. Auch von der Mietpreisbremse werde nur wenig Gebrauch gemacht. "Wenn Mieter nach langem Suchen eine Wohnung gefunden haben, wollen sie keinen Stress mit dem Vermieter", so Becher.

Der Deutsche Mieterbund (DMB) bemängelt, dass Wohnungssuchende zu viele sensible Daten von sich preisgeben müssten.

IVD: „Kaufen geht häufig vor Mieten – weil es sich rechnet“

Private und institutionelle Anleger, aber auch Eigennutzer sorgen dem IVD zufolge dafür, dass die Kaufpreise weiter steigen. Doch nur wenige, kleinere offene Immobilienpublikumsfonds für Privatanleger investieren schwerpunktmäßig in Wohnimmobilien. Besonders in den Städten der Rheinschiene sei die Nachfrage noch einmal stärker geworden. Weiterhin wachsende Mietpreise in den Groß- und Universitätsstädten des Landes bilden demnach einen wichtigen Faktor, der den Immobilienerwerb fördere.

„Kaufen geht häufig vor Mieten – weil es sich rechnet“, sagt Axel Quester, 1. Stellvertretender Vorsitzender des IVD West.

Überdurchschnittliche Kaufpreissteigerungen in den Großstädten

Im Segment Eigentumswohnungen stiegen die Kaufpreise landesweit um durchschnittlich 6,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Überdurchschnittliche Steigerungen beobachtete der IVD in den Großstädten mit mehr als 300.000 Einwohnern: Hier betrug der Preisanstieg 9,5 Prozent. Spitzenreiter ist Köln mit zweistelligen Steigerungsraten. Wohnungen aus dem Bestand in guter Lage haben in Köln einen durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 4.000 Euro erreicht (plus 18 Prozent). Münster kommt mit einem Plus von 17 Prozent auf nunmehr 3.500 Euro.

In den mittleren Großstädten ist laut IVD bei Bestandswohnungen ein differenzierteres Bild zu beobachten. Während in Hagen oder Oberhausen die Preise stabil blieben, stiegen sie in Mönchengladbach oder Paderborn im zweistelligen Prozentbereich. Spitzenwerte erreicht Aachen, wo Eigentumswohnungen durchweg um mehr als 20 Prozent teurer sind als im Vorjahr. Doch lassen sich auch in kleineren Kommunen wie Erkrath, Jülich oder Soest deutlich verteuerte Preise nachweisen.

Die Preise für Wohnungen sind am höchsten in Köln und in Münster: In der Domstadt muss man in sehr guten Lagen etwa 6.000 Euro pro Quadratmeter einrechnen (plus 15 Prozent), in Münster genauso viel (plus neun Prozent). In Wuppertal liegen die Preise an vergleichbaren Standorten bei 3.800 Euro, hier ist mit 15 Prozent ebenfalls eine zweistellige Steigerung zu verzeichnen. Vergleichsweise günstig in diesem Segment mit Preisen deutlich unter 2.000 Euro sind Städte wie Erftstadt, Bergheim oder Kerpen.

Einfamilienhäuser bleiben sichere Vermögensanlage

Freistehende Einfamilienhäuser bleiben laut IVD weiterhin eine wertbeständige Vermögensanlage: Die Preise stiegen landesweit um durchschnittlich 4,5 Prozent gegenüber 2016. In den Großstädten waren die Steigerungen leicht überdurchschnittlich, während sie in kleineren Kommunen (bis 50.000 Einwohner) nur zwei Prozent betrugen.

In Köln stiegen in diesem Segment die Preise um sieben Prozent, in Bielefeld um sechs und in Bonn um fünf Prozent. In Düsseldorf haben sich die Anstiege der Studie zufolge etwas verlangsamt. Teilweise deutliche Preisrückgänge beobachtete der IVD in Windeck (Siegerland), Brilon (Sauerland) und Radevormwald (Bergisches Land).

In den neun größten Städten Nordrhein-Westfalens muss man im Schnitt für ein freistehendes Eigenheim in guter Lage in diesem Jahr mit einer Verteuerung von fünf Prozent rechnen. Die Spanne reicht von 360.000 Euro in Bielefeld bis 795.000 Euro in Düsseldorf. In Bonn muss man mit etwa 720.000 Euro kalkulieren. In Windeck (125.000 Euro), Waldbröl (160.000 Euro) und in Emmerich (170.000 Euro) findet man die günstigsten Eigenheime in vergleichbarem Segment.

Schlagworte zum Thema:  Wohnimmobilien, Makler, Miete

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