15.09.2015 | Union Investment

72 Prozent der deutschen Investoren forcieren ihre Verkaufsaktivitäten

Auch Cross-Border-Investments nehmen zu
Bild: Haufe Online Redaktion

Der Preisdruck auf den europäischen Investmentmärkten hält die Erwartungen an die Renditen weiter in Schach.  Nicht einmal jeder zweite Immobilieninvestor glaubt, die für die nächsten drei Jahre gesteckten Renditeziele erreichen zu können. 72 Prozent der deutschen Investoren, 84 Prozent der britischen und 52 Prozent der französischen Unternehmen planen daher Objektverkäufe. Das ergibt eine aktuelle Umfrage von Union Investment, an der 165 Immobilienunternehmen aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien teilgenommen haben.

 "Entgegen ihrer ursprünglichen Strategie realisieren eine ganze Reihe von Marktteilnehmern Gewinne und werden ungewohnterweise zu Netto-Verkäufern“, sagt Olaf Janßen, Leiter Immobilienresearch bei der Union Investment Real Estate GmbH in Hamburg.


Mehr Gewicht für Investments außerhalb des Core-Segments

Zu den geplanten strategischen Anpassungen, das zeigt die Union Investment-Umfrage, gehört neben der Forcierung der Verkaufsaktivitäten die stärkere Gewichtung von Investitionen außerhalb des Core-Bereiches, von dem sie sich nicht mehr den stabilen Performancebeitrag erwarten.

So beabsichtigen 48 Prozent der in Deutschland befragten Profianleger in den nächsten zwölf Monaten Neuinvestments verstärkt außerhalb des Core-Segments zu tätigen. In Großbritannien wollen 51 Prozent diese strategische Neujustierung vollziehen; in Frankreich liegt der Anteil sogar bei 58 Prozent.

Um sich höhere Renditepotentiale zu erschließen, zeigen die britischen und deutschen Investoren zudem eine gewachsene Bereitschaft, ihren Portfolios Investments in B-Städten beizumischen. Gegenüber der letzten Umfrage im Dezember 2014 hat dieser Wert noch einmal deutlich zugelegt. Auch in der stärkeren Gewichtung von Hotelinvestments oder Logistik sehen die Investoren einen Weg, die Performance ihrer Anlagen zu stabilisieren.

Franzosen legen Sicherheitsorientierung ab

"Insgesamt weist vieles darauf hin, dass der erwartete Shift zu risikoreicheren Investments vollzogen wurde und weiter an Breite gewinnen wird“, sagt Janßen. Gegenüber der letzten Umfrage vom Dezember 2014 lässt sich in allen drei Befragungsregionen eine deutlich gestiegene Renditeorientierung beobachten.

Insbesondere haben die französischen Investoren ihre seit vielen Jahren dominante Sicherheitsorientierung abgelegt; für 52 Prozent der Befragten ist Rendite jetzt das zentrale Motiv bei Anlageentscheidungen; weit dahinter liegen die Aspekte Sicherheit und Liquidität.

In Großbritannien dominiert der Renditeaspekt am deutlichsten: Für 76 Prozent der Investoren ist Rendite jetzt der Dreh- und Angelpunkt bei Anlageentscheidungen; bei deutschen Investoren halten sich Rendite- und Sicherheitsorientierung mit jeweils rund 40 Prozent die Waage.

Investitionsklimaindex im Aufwärtstrend

Die Bereitschaft, wieder höhere Risiken in Kauf zu nehmen, erklärt sich aus einer deutlich positiveren Wahrnehmung der Rahmenbedingungen für Immobilieninvestments in den Heimatmärkten. Zudem stufen die Investoren ihre eigene wirtschaftliche Lage gegenüber dem letzten Jahr mehrheitlich (65 Prozent) als verbessert ein, als verschlechtert gerade einmal zwei Prozent.

Seit der Umfrage im Dezember 2014 verzeichnet das Klima für Immobilieninvestments in allen drei Märkten einen leichten Aufwärtstrend. Ausschlaggebend hierfür ist überall der starke Anstieg des Erwartungsindikators. Der Teilindikator legte in Frankreich um zehn Punkte zu. Den größten Optimismus zeigen unverändert die britischen Investoren – der in UK ermittelte Investitionsklimaindex kletterte um 1,2 Punkte und erreicht mit 71,5 Punkten den höchsten der in den drei europäischen Ländern gemessenen Werte.

In Deutschland legte der nationale Index um 1,2 Punkte zu und liegt nun bei 69,3 Punkten. In Frankreich spiegelt sich das zurückkehrende Vertrauen in den eigenen Markt in dem deutlichsten Sprung von 1,9 Punkten wieder.


Zur Umfrage

Der Immobilien-Investitionsklimaindex von Union Investment wird seit 2005 (seit Frühjahr 2008 halbjährlich) unter den europäischen Immobilieninvestoren erhoben. Der Index berechnet sich den vier Teilindikatoren „Marktstruktur“, „Rahmenbedingungen“, „Standortbedingungen“ und „Erwartungen“, die mit jeweils 25 Prozent gewichtet werden. Für den Index befragte das Marktforschungsinstitut Ipsos im Zeitraum Juni-August 2015 insgesamt 165 Immobilienunternehmen.

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