16.11.2012 | BNP Paribas Real Estate

Top-Retail-Lagen in Westeuropa so stark nachgefragt wie nie

Neue Rekordmieten wurden auch auf den Champs-Elysées erzielt
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Die Top-Lagen für Einzelhandelsnutzungen in Westeuropa erleben derzeit eine aggressive Expansion durch Einzelhändler. Allerdings kann das Flächenangebot die starke Nachfrage nicht abdecken. Dies ergibt der von BNP Paribas Real Estate herausgegebene European Retail Market Report.

Auf dem Retail-Investmentmarkt bleibt das Anlagevolumen dagegen größtenteils hinter den Werten des Vorjahres zurück. Dank der überlegenen Performance seiner Wirtschaft im Vergleich zu den anderen Ländern Westeuropas, stand Deutschland besonders im Fokus der Nachfrage durch Einzelhändler, repräsentiert vor allem durch ausländische Modemarken.

Nachfrage fördert auch Entwicklung neuer Shopping-Center

Nutzer konkurrieren hier verstärkt um die besten Standorte. Dies führte seit dem zweiten Quartal 2011 zu einem durchschnittlichen Zuwachs von fünf Prozent bei den Spitzenmieten in den Top-Lagen der sechs größten Ballungszentren, wobei Frankfurt und München mit zwölf beziehungsweise sechs Prozent den höchsten Anstieg verzeichneten. Angesichts des weiterhin bestehenden Ungleichgewichts zwischen Nachfrage und Flächenangebot im Premiumsegment sind vor allem in Berlin, Frankfurt und Hamburg weitere Mietsteigerungen zu erwarten.

Die starke Nachfrage fördert auch die Entwicklung neuer Shoppingcenter. Nach einem Zuwachs von 50 Prozent bei den Fertigstellungen im Jahr 2011 dürfte sich der Aufwärtstrend auch 2013 fortsetzen. Als repräsentativstes der im Jahresverlauf fertiggestellten Projekte kam im zweiten Quartal 2012 "Boulevard Berlin" mit 76.000 Quadratmetern auf den Markt.

Frankreich: Premium-Shoppingcenter stark gefragt

In Frankreich zählen insbesondere Mode/Accessoires, Beauty-/Healthcare-Marken sowie Fastfood-Ketten zu den aktivsten Nutzergruppen. Mittlerweile interessieren sich auch neue Modefilialisten wie Primark, JD Sport und Lander Urquijo für diesen Markt. Im ersten Halbjahr 2012 wurde durch M.A.C. auf den Champs-Elysées in Paris mit 18.000 Euro pro Quadratmeter eine neue Rekordmiete im Segment Beauty/Healthcare erzielt.

Premium-Shoppingcenter in Frankreich sind auch weiterhin von einer starken Nachfrage und Mietzuwächsen geprägt, unter anderem dank zahlreicher Mietvertragsverlängerungen und geringer Leerstandsraten. Auch die Bautätigkeit bleibt rege: Derzeit stehen mehrere Großprojekte an, die 2014 – 2015 fertiggestellt werden. Frankreich konnte als einziges unter den führenden Ländern Europas während der letzten vier Quartale einen Zuwachs bei den Einzelhandelsinvestitionen verzeichnen (plus 17 %).

Großbritannien: schwieriges Umfeld für Einzelhändler

Großbritannien verzeichnete im dritten Quartal 2012, ausgehend von einem niedrigen Niveau, eine Erholung der Einzelhandelsumsätze. Bezüglich des Nutzermarkts kann Zentral-London nicht als repräsentativ für ganz Großbritannien gelten, denn landesweit agieren Einzelhändler derzeit in einem schwierigen Umfeld, und die Leerstandsraten sind hoch. London dagegen bleibt für die großen Marken nach wie vor der attraktivste Standort Europas. Die Spitzenmiete in der Oxford Street konnte seit dem zweiten Quartal 2011 um zehn Prozent zulegen, doch auch in Nebenlagen von Oxford Street/Bond Street sind die Mieten dank der gestiegenen Nachfrage aus dem Luxus-Segment im Aufwärtstrend.

Spanien: Retailmarkt leidet unter den Sparmaßnahmen

Der spanische Einzelhandelsmarkt leidet erheblich unter den Auswirkungen der von der Regierung verhängten Sparmaßnahmen. Daher sind die Mieten lediglich in den innerstädtischen 1A-Lagen von Madrid und Barcelona stabil, wo verfügbare Flächen rar sind. Diese Top-Standorte mit hoher Passantenfrequenz stehen nach wie vor im Fokus internationaler Einzelhändler.

Insgesamt hat sich der Ausblick für den Einzelhandelsmarkt seit Jahresbeginn verschlechtert. Der wirtschaftliche Abschwung erschwert die Finanzierung von Großprojekten, sodass derzeit keine nennenswerte Entwicklung stattfindet.

Italien: Bemerkenswerte Anzahl von Neubauprojekten

Italien weist im europaweiten Vergleich eine relativ geringe Dichte von Shoppingcentern auf. Hier ist derzeit eine bemerkenswert hohe Anzahl von Projekten in der Entwicklung, wobei die meisten Objekte in den zentralen Landesteilen sowie den nördlichen Regionen im Bau sind. Der Einzelhandel bleibt in Italien nach wie vor die beliebteste Assetklasse.

Die Spitzenrenditen für innerstädtische 1A-Lagen haben im dritten Quartal 2012 nach mehreren Quartalen mit stabilem Niveau leicht zugelegt (4,6 %) – ein Indiz, dass Anleger steigende Grundstücksrenditen im Gefolge des hohen Zinsniveaus für Staatsanleihen erwarten.

Schlagworte zum Thema:  Einzelhandel, Einzelhandelsimmobilie, Europa

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