In Berlin ist die Wohnkostenquote im Durchschnitt um 7,5 Prozentpunkte gestiegen: Mit 31,6 Prozent liegt sie über der 30-Prozent-Grenze, die für bezahlbaren Wohnraum steht Bild: Corbis

Die Mieten sind in den vergangenen Jahren bundesweit gestiegen – auch in ostdeutschen Städten. Wie der aktuelle TAG-Wohnungsmarktbericht Ostdeutschland zeigt, ist die Wohnkostenquote jedoch vielerorts gesunken und ist zum Teil niedriger als vor zehn Jahren, dort wo das verfügbare Haushaltseinkommen stärker steigt als die Mieten. Mit Ausnahme von Berlin.

In Berlin liegt die aktuelle Wohnkostenquote laut TAG Immobilien AG bei 31,6 Prozent, in Potsdam bei 29,2 Prozent dar. Damit ist die Wohnkostenquote in Berlin in den vergangenen zehn Jahren im Durchschnitt um 7,5 Prozentpunkte gestiegen, in Potsdam sind es vier Prozentpunkte. Innerhalb des Berliner S-Bahn-Rings müssen inzwischen sogar bis zu 51 Prozent des Nettoeinkommens für eine Wohnung ausgegeben werden.

Durchschnittliche Wohnkostenbelastung deutlich unter der 30-Prozent-Marke

Am stärksten fiel der Rückgang in Rostock und Chemnitz aus: Hier sank die Wohnkostenquote um vier beziehungsweise zwei Prozent. Untersucht wurden 27 ostdeutsche Städte. In Rostock liegt die Wohnkostenbelastung der Studie zufolge bei durchschnittlich 20,9 Prozent des monatlich verfügbaren Nettoeinkommens pro Haushalt. Für Chemnitz beträgt der Wert 17,5 Prozent. Damit liegt die aktuelle Wohnkostenquote, mit Ausnahme von Berlin, unter der 30-Prozent-Marke, die als Obergrenze für bezahlbares Wohnen gilt.

"Wirtschaftswachstum und Zuzug gehen im Osten einher mit einer wachsenden Kaufkraft", sagt Claudia Hoyer, Vorstand der TAG Immobilien AG.

In Leipzig und Dresden ist die Wohnkostenquote konstant

Immerhin 18 der 27 untersuchten Städten verzeichnen sinkende Wohnkostenquoten. Neben Rostock und Chemnitz gehören dazu Halle an der Saale, Cottbus und Stralsund. In Leipzig (minus 0,1 Prozentpunkte) und Dresden (plus 0,9 Prozentpunkte) blieb die Wohnkostenquote nahezu konstant. Die gestiegenen Quoten, unter anderem in Magdeburg und Weimar, liegen im Durchschnitt bei deutlich unter drei Prozentpunkten im Vergleich zum Jahr 2006.

"Städte wie Greifswald und Freiberg, aber auch Brandenburg/Havel im Berliner Umland werden für Mieter an Attraktivität gewinnen, denn hier findet sich nicht nur Lebensqualität, sondern auch bezahlbarer Wohnraum“, ergänzt Hoyer.

Alle im Rahmen der Studie untersuchten Städte sind laut TAG Zuzugsgewinner. Ein Beispiel ist die genannte kleine Universitätsstadt Freiberg, die alleine 2015 knapp 1.000 neue Einwohner zählte.

Das Berliner Umland boomt: Kaufpreise ziehen kräftig an

Die Peripherie um die Hauptstadt erlebt durch Zuzüge auch aus dem Ausland einen neuen Kaufpreis-Boom. So haben laut TAG etwa Nauen (plus 62 Prozent im Neubau) und Strausberg (plus 75 Prozent im Bestand) die kräftigsten Preissteigerungen bei Eigentumswohnungen im Zeitraum zwischen 2012 und dem ersten Halbjahr 2017 erlebt. Berlins ist bereits für viele Bewohner zu teuer geworden.

Trotz der Preissteigerung in Strausberg kostet eine Bestandswohnung im Durchschnitt hier nur rund 1.600 Euro pro Quadratmeter – in Berlin sind es rund 3.100 Euro pro Quadratmeter, was einem Plus von mehr als 50 Prozent innerhalb von fünf Jahren entspricht. Görlitz, Eberswalde, Dessau-Roßlau, Merseburg, Gera, Chemnitz und Döbeln bleiben trotz steigender Preise noch unterhalb der 1.000 Euro-Quadratmeter-Grenze.

Greifswald gehört zu den Gewinnern bei den Mieten

Im demografischen Kampf um Einwohner schlägt sich die kleine Hansestadt Greifswald TAG zufolge gut: Mit einem Haushaltswachstum von 6,2 Prozent spielt es in der Liga von Städten wie Jena (drei Prozent) und Dresden (4,2 Prozent). Für den Wohnungsmarkt bedeutet das, dass in Greifswald mit derzeit rund acht Euro pro Quadratmeter zurzeit im Durchschnitt mehr als in allen anderen Städten der Region bezahlt wird.

Zwar haben die Mieten in Rostock im Vergleich zum ersten Halbjahr 2016 um sieben Prozent angezogen, dennoch liegt die durchschnittliche Miete nur bei knapp über sechs Euro pro Quadratmeter. Schwerin ebenfalls auf sechs Euro pro Quadratmeter, Stralsund auf 6,35 sechs Euro pro Quadratmeter. Das insgesamt vergleichsweise niedrige Mietniveau belastet die Haushalte entsprechend gering. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre ist die Wohnkostenbelastungsquote weitgehend stabil geblieben oder gesunken.

Nur in einzelnen Stadtteilen Rostocks werden Haushalte heute stärker belastet: In Warnemünde und Hohe Düne direkt an der Ostseeküste ist die Quote um sieben Prozentpunkte auf 28 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: In Berlin liegt sie in der Spitze bei rund 50 Prozent.

Schlagworte zum Thema:  Wohnkosten, Einkommen

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