17.03.2016 | IVD

Studie: Wohnungsnot wird größer als gedacht

Noch mehr Wohnungen werden gebraucht, so eine Studie.
Bild: Haufe Online Redaktion

Um den Wohnraumbedarf zu decken, müssen bis 2020 jährlich rund 494.000 Wohnungen gebaut werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Freiburg, die Wirtschaftsprofessor Bernd Raffelhüschen im Auftrag des Branchenverbands IVD unter besonderer Berücksichtigung des Flüchtlingszustroms erstellt hat. Demnach waren bisherige Prognosen etwa der Bundesregierung mit 350.000 pro Jahr benötigten Wohnungen deutlich zu optimistisch.

Die Studie stellt dem Basisszenario (normale Bevölkerungsentwicklung) ein Flüchtlingsszenario zu Bevölkerungswachstum und Wohnungsbedarf gegenüber. "Die Nachfrage nach Wohnraum steigt drastisch durch den Zustrom an Flüchtlingen", so Raffelhüschen. Alleine um Flüchtlinge unterzubringen, sind der neuen Studie zufolge 174.000 Wohnungen pro Jahr nötig.

Zirka 422.000 der benötigten Wohnungen liegen in den alten und gut 72.000 in den neuen Bundesländern. Das entspricht rund 1,3 Prozent des westdeutschen beziehungsweise 0,85 Prozent des ostdeutschen Bestandes. Um allein den Bedarf an Wohnungen für die Flüchtlinge zu decken, müssen bundesweit jährlich 174.000 Wohnungen gebaut werden. Das sind rund 0,42 Prozent des Bundesbestandes. Davon fallen rund 149.000 Wohnungen West- und 25.000 Ostdeutschland zu.

Raffelhüschen stützt sich auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes, denen zufolge 2015 mehr als eine Million Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind. Auf lange Sicht geht das Statistische Bundesamt davon aus, dass weiterhin jährlich 200.000 Menschen nach Deutschland einwandern werden.

"Der Wohnflächenbedarf ist noch viel größer als angenommen, bis 2060 wird dieser nicht mehr unter das Niveau von 2016 fallen", sagt Jürgen Michael Schick, Präsident des Immobilienverbandes IVD. Der forcierte Neubau sei das einzig wirksame Mittel, um dem Problem zunehmender Wohnraumknappheit zu begegnen.

309.000 im Jahr 2015 genehmigte Wohnungen seien rund 191.000 Wohnungen zu wenig, so Schick.

Bevölkerung wächst bis 2043

Wie aus der Studie hervorgeht, beeinflusst die Zahl der Eingewanderten durch den Flüchtlingsstrom die Bevölkerungsgröße deutlich. Am größten wird demzufolge die Differenz 2037 mit rund zwei Millionen zusätzlicher Einwohner gegenüber dem bisherigen so genannten Basisszenario.

In beiden Szenarien wird die Bevölkerung in Deutschland langfristig schrumpfen. Auch die Alterung der deutschen Gesellschaft wird durch den Zustrom von Flüchtlingen nur vorübergehend gestoppt, da laut Raffelhüschen auch Flüchtlinge auf Dauer weniger Kinder zur Welt bringen werden. So sinke die Bevölkerungszahl im Flüchtlingsszenario erst ab 2043, während sie im Basisszenario schon 2032 fallen würde.

"Letztlich kann man den Zustrom der Flüchtlinge mit der Generation der Baby-Boomer vergleichen", so Raffelhüschen. Die relativ zur Fertilität kohortenstarke Generation reproduziere sich selbst wenig und trage somit verstärkt zur Alterung der Gesellschaft bei.

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Schlagworte zum Thema:  Studie, Wohnungsnot

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