Die Zuwanderung in die Metropolen geht weiter: Junge Leute haben oft das Nachsehen, weil es an kleinen Wohnungen fehlt Bild: Corbis

Alleine in den sieben größten deutschen Städten müssten bis 2020 pro Jahr mehr als 88.000 Wohnungen entstehen, um dem Bedarf gerecht zu werden. Das zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der Deutschen Invest Immobilien (d.i.i.) GmbH. Zwischen 2011 und 2015 seien im Schnitt nur 32 Prozent der benötigten Wohnungen in Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Köln, Stuttgart, Frankfurt am Main und München gebaut worden.

Bundesweit liegt der Neubaubedarf der Studie zufolge pro Jahr bis 2020 bei 385.000 Wohnungen. Mit 174.000 Wohnungen entfallen damit rund 45 Prozent des Baubedarfs auf Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern. Diese machten allerdings nur rund 32 Prozent der Gesamtbevölkerung aus.

Hierfür sei der Zuzug in die Großstädte verantwortlich, so die Studienautoren: Im Jahr 2015 verzeichneten die Top-7 eine Rekordzuwanderung von 400.000 Personen. Zwischen 2006 und 2013 seien diese Menschen vor allem aus ländlichen Räumen in die Großstädte gekommen. 2014 habe sich zwar ein Umkehrtrend dieser Wanderungsbewegung abgezeichnet, diese Entwicklung wird der Studie zufolge nun aber durch eine vermehrte Zuwanderung aus dem Ausland überkompensiert.

Laut einer aktuellen Wealthcap-Studie werden bis zum Jahr 2030 in München 32 Prozent mehr Menschen leben und arbeiten, in Berlin sind es zwölf Prozent.

Bis 2015 wurden nur 53 Prozent der nötigen Wohnungen gebaut – in Berlin nur 25 Prozent

Im Vergleich zum Baubedarf wurden laut Studie im Bundesdurchschnitt von 2011 bis 2015 nur rund 53 Prozent der benötigten Wohnungen gebaut. In Berlin habe in diesem Zeitraum die Quote sogar nur bei 25 Prozent gelegen. Entsprechend stark seien deshalb Preise und Mieten gestiegen.

Die Studie zeigt auch, dass der Wohnungsmangel am geringsten bei großen Wohneinheiten mit fünf und mehr Räumen ist. In der Regel sind das Ein- und Zweifamilienhäuser. Bundesweit gesehen wurden 97 Prozent der benötigten Wohnungen mit fünf und mehr Räumen gebaut, in den A-Städten (Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt am Main, Düsseldorf und Stuttgart) liege die Quote bei 39 Prozent.

Bei Wohnungen mit zwei oder drei Zimmern liege die Bauquote in den A-Städten bei 26 bis 29 Prozent, in den untersuchten B-Städten (Bochum, Bonn, Bremen, Dortmund, Dresden, Duisburg, Essen, Karlsruhe, Leipzig, Mannheim, Münster Nürnberg, Wiesbaden sowie die gesamte Region Hannover) sogar darunter.

Da es vor allem jüngere Menschen aus dem In- und Ausland in die Großstädte ziehe, sei der Bedarf an kleineren Wohnungen besonders groß.

„Wir bauen die Wohnungen nicht da, wo sie gebraucht werden“, sagt IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer.

Da der Neubau  zunehmend hinter den Bedarf zurückfalle oder am Bedarf „vorbeigebaut“, würde dies die Mieten und Wohnungspreise vor allem für kleinere Wohnungen weiter in die Höhe treiben, so d.i.i.-Geschäftsführer Frank Wojtalewicz.

Jährlicher Baubedarf bis 2020 nach Größe der Wohnung

 

 

1 Raum

2 Räume

3-4 Räume

5 und mehr Räume

Total

Berlin

1.580

6.730

15.430

7.490

31.230

Hamburg

780

3.270

7.450

3.600

15.100

Düsseldorf

200

840

1.930

940

3.910

Köln

420

1.740

3.920

1.890

7.970

Stuttgart

280

1.140

2.540

1.210

5.170

Frankfurt

410

1.700

3.870

1.860

7.840

München

910

3.760

8.470

4.040

17.180

A-Städte

4.580

19.180

43.610

21.030

88.400

B-Städte

2.000

8.390

49.440

9.780

39.610

Sonstige

11.220

46.260

124.980

74.680

257.140

Total

17.790

73.830

188.040

105.490

385.150

Quelle: SOEP, Institut der deutschen Wirtschaft Köln

Fazit: Bauland muss schneller bereitgestellt, Verordnungen gelockert werden

Auf Basis der Studie kommt d.i.i. zu dem Schluss, dass Großstädte Bauland auf bisher nicht effizient genutzten Flächen für den Wohnungsneubau schneller bereitstellen müssten. "Diese Märkte brauchen dringend Neubau und dazu Bauland auf der grünen Wiese", sagt auch Michael Schlatterer, Teamleiter Residential Valuation bei CBRE in Deutschland. Zudem sollten laut d.i.i. die Kommunen Eigentümer und Investoren durch Lockerungen von Verordnungen bei Umbaumaßnahmen und Aufstockungen unterstützen und baurechtliche Vorgaben zur Vereinfachung von Wohnungsaufteilungen überdenken.

In stark wachsenden Räumen müssten neue Stadtviertel geschaffen werden. Auch das Umland sei gefragt: Städte wie Leverkusen, Hanau, Offenbach, Oranienburg, Potsdam oder Montabaur könnten laut d.i.i. durch entsprechendes Wohnungsangebot und eine gute Verkehrsanbindung an die Großstädte punkten. Für viele Arbeitnehmer, die in den Großstädten beschäftigt sind, sind diese Standorte die erste Alternative.

Schlagworte zum Thema:  Wohnungsnot, Großstadt, Wohnungsbau

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