Rund 70 Prozent der Studierenden nutzen laut CBRE den klassischen Mietmarkt Bild: Corbis

Rund eine Milliarde Euro wurde 2017 in Deutschland in studentisches Wohnen investiert, eine weitere halbe Milliarde ist es bereits Anfang 2018, wie ein Report von CBRE und der Deutschen Kreditbank AG (DKB) zeigt. Besonders begehrt: München, Frankfurt am Main und Köln. 27 Prozent der 500 befragten Investoren gaben an, ihr Engagement weiter ausbauen zu wollen. Im mittleren und unteren Mietpreissegment sehen die Studienautoren ein enormes Wachstumspotenzial.

Dass 2017 die Milliardengrenze geknackt werden würde, hatte der Immobiliendienstleister Savills bereits Mitte des vergangenen Jahres prophezeit.

Heute investieren laut der Umfrage von CBRE bereits rund 25 Prozent der befragten Investoren, die im Raum Europa und dem Nahen Osten aktiv sind, in alternative Segmente und insbesondere in Studentenapartments.

Attraktivität der Standorte für Investoren

Auf den ersten fünf Plätzen (von 50 untersuchten Hochschulstandorten) wird das Attraktivitäts-Ranking der Studie von den bevölkerungsreichsten deutschen Städten angeführt.

Aber auch mittlere Großstädte mit weniger als 200.000 Einwohnern haben großes Investitionspotenzial. So befindet sich etwa Darmstadt (7,01 Punkte) auf dem siebten Platz – aufgrund der besonders attraktiven Investitionsbedingungen auf dem Wohnungsmarkt.

  1. München (8,62 Punkte)
  2. Frankfurt (8,14 Punkte)
  3. Köln (7,76 Punkte)
  4. Berlin (7,71 Punkte)
  5. Hamburg (7,69 Punkte)
  6. Stuttgart (7,40 Punkte)
  7. Darmstadt (7,01 Punkte)
  8. Münster (6,90 Punkte)
  9. Hannover (6,77 Punkte)
  10. Freiburg (6,63 Punkte)

Diese Standorte zeichnen sich laut CBRE allesamt durch hervorragende sozioökonomische Fundamentaldaten, langfristig günstige Wachstumsprognosen sowie auch jenseits des Hochschulumfeldes attraktive Investitionsmöglichkeiten aus.

Dass das Interesse am deutschen Student Housing-Markt 2018 weiter zunehmen wird, meint auch Horst Lieder, CEO der International Campus AG: Deutschland werde 2018 im Fokus der Investoren aus aller Welt stehen.

70 Prozent der Studierenden nutzen den klassischen Mietmarkt

Wohnen zur Miete ist laut CBRE aktuell die typische Wohnform: Rund 70 Prozent der befragten Studierenden nutzen den klassischen Mietmarkt, nur 18 Prozent leben in einem Wohnheim oder Mikroapartment und etwa elf Prozent bei den Eltern.

Im bundesweiten Vergleich zeigen sich hier jedoch regional starke Unterschiede – entscheidend für die Wahl der Wohnform ist das Preisniveau der jeweiligen Städte beziehungsweise das Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Aus Kostengründen leben etwa mehr Studierende in Bundesländern wie Hamburg, Berlin oder Baden-Württemberg bei ihren Eltern. Dies hat eine Umfrage im Rahmen des CBRE Marktreports unter etwa 15.000 Studierenden ergeben.

Mietkostenbelastung bei rund 41 Prozent

Insgesamt werden von den Studierenden monatlich 325 Euro für die Miete aufgebracht, was einer durchschnittlichen Mietkostenbelastung von rund 41 Prozent entspricht. Für optimale Wohnbedingungen wären die Befragten bereit, einen Aufschlag von rund 23 Prozent gegenüber der aktuellen Miete zu zahlen.

Die Zahlungsbereitschaft für eine Mietwohnung, die über sämtliche gewünschte Eigenschaften verfügt, liegt gemessen am monatlich verfügbaren Einkommen von 800 Euro im Durchschnitt bei 50 Prozent.

Laut einer Studie des Maklerportals Immowelt liegen die Wohnkosten für Studentisches Wohnen in München und Frankfurt weit über der Bafög-Mietpauschale.

Deutliche Preisunterschiede in Wohnheimen: Frankfurt am teuersten

Die durchschnittlichen Warmmieten pro Wohnheimplatz zeigen nach Angaben von CBRE sowohl zwischen den Anbietergruppen als auch unter den Hochschulstandorten deutliche Preisunterschiede: Der teuerste Standort ist Frankfurt am Main mit durchschnittlich 425 Euro für ein Wohnheimzimmer.

Am günstigsten wohnen Studierende in ostdeutschen Hochschulstädten, etwa in Jena (194 Euro), Halle (203 Euro) und Erfurt (205 Euro). In Westdeutschland wohnen Studierende am günstigsten in Dortmund (226 Euro) oder in Würzburg – hier liegen die Preise aufgrund der hohen Präsenz von kirchlichen Betreibern bei monatlich 236 Euro.

Nachfrageüberhang im mittleren und unteren Mietpreissegment

Derzeit befinden sich CBRE zufolge in den 50 untersuchten Städten rund 12.300 Wohnheimplätze im Bau oder in der Sanierung, weitere etwa 19.500 Plätze sind in Planung.

Der dynamischste Markt ist Berlin mit aktuell rund 2.500 Wohnheimplätzen im Bau, davon fast 90 Prozent im gehobenen Segment. Weitere 2.200 Plätze finden sich in Planung, teilweise im mittleren Preissegment.

Auch in Hamburg wird auf den Nachfrageüberhang reagiert; da hier in den vergangenen Jahren sehr viele Wohnheimplätze realisiert wurden, befinden sich aktuell nur etwa 140 weitere in Bau. Jedoch sind 2.850 Plätze derzeit in Planung, was etwa 14,6 Prozent der bundesweiten Projektpipeline entspricht.

"Während wir im Hochpreissegment in der Zukunft einen Verdrängungswettbewerb nicht ausschließen können, sehen wir im unteren und mittleren Preissegment ein signifikantes Wachstumspotenzial", sagt Silvio Hagemann, Leiter Fachbereich Wohnen bei der DKB. Großer Mangel besteht demnach in Hamburg, Berlin und Frankfurt.

>> Zum Download des CBRE-Marktreports Studentisches Wohnen 2018

Das könnte Sie auch interessieren:

Studien: Studenten finden kaum noch bezahlbare Zimmer – es wird falsch gebaut

Studentenapartements: Früher war kein Lametta – dafür glänzt es heute

Schlagworte zum Thema:  Studentenwohnung, Studentenwohnheim, Studie

Aktuell
Meistgelesen