20.03.2017 | Immobilienmarkt

Sparda prognostiziert weiteren Boom in Ballungsräumen

In München sind nur 44 Quadratmeter für 242.000 Euro zu haben, in Chemnitz sind 261 Quadratmeter erschwinglich
Bild: Corbis

Einer Studie der Sparda-Bank zufolge dürften die Ballungsräume weiter an Attraktivität gewinnen und Baubedarf sowie Preise steigen. Die Trends der vergangenen Dekade würden sich verstärken, heißt es in dem Bericht. Zuletzt gaben die Deutschen demnach im Durchschnitt 242.000 Euro für eigene vier Wände aus.

In die Diskussion um einen eventuellen Trendbruch bei den Immobilienpreisen in Metropolen hat sich die Sparda-Bank mit einer aktuellen Studie eingeschaltet. Ihrer Entwicklungsprognose für Deutschland zufolge werden sich die Regionen in Süddeutschland, die Ballungsräume Berlin und Hamburg sowie das Rheinland bis zum Jahr 2020 positiv entwickeln.

„In diesen Regionen werden Immobilien auch in den nächsten Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter an Wert zulegen“, heißt es in dem Bericht „Wohnen in Deutschland 2017“, den die Bank am Wochenende veröffentlicht hat. Auch die Kluft zwischen Einkommensentwicklung und Immobilienpreisen wird immer größer, wie eine aktuelle Studie der Postbank zeigt.

Der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) hatte unlängst vor einem Trendbruch beim Rekordlauf der Wohnungspreise in Berlin gewarnt. Wegen der hohen Kaufpreise für Wohnungen seien Investitionen kaum rentabel, ein Ende des Booms sei absehbar, so der Branchenverband in seinem Frühjahrsgutachten.

Dass die Sparda-Analyse nun zu einer anderen Einschätzung kommt, überrascht kaum: Beauftragt hat die Bank damit das Allensbach-Institut und das Institut der deutschen Wirtschaft Köln Consult (IW Consult). Letzteres ist eine Tochter des Instituts der deutschen Wirtschaft, und deren Immobilienökonom Professor Dr. Michael Voigtländer vertritt die Prognose weiter steigender Preise in Städten.

Sparda-Analyse: Profil für mehr als 400 Städte und Landkreise

Auf Basis von Faktoren der Attraktivität, des Baubedarfs, der regionalen Leistungsfähigkeit und der Zukunftsfähigkeit hat die Sparda-Bank ein Profil für mehr als 400 Städte und Landkreise entwickelt. Grundsätzlich würden sich die großen Entwicklungstrends der letzten Jahre fortsetzen und weiter verstärken, heißt es in der Studie.

Die dynamischste Entwicklung wird für den Landkreis München vorhergesehen, die geringste für den Harz. Außerdem dürften die Zentren weiter aufs Umland ausstrahlen – um München ziehe sich bereits ein Kreis von 100 Kilometern, in dem der Immobilienmarkt von der Dynamik der bayerischen Landeshauptstadt beeinflusst werde, so die Analyse. In den Metropolen seien die Preise seit 2005 bereits zwei bis vier Mal so stark gestiegen wie im Bundesdurchschnitt. Insgesamt hätten die Preise seit 2005 in drei Vierteln aller deutschen Regionen zugelegt, im Durchschnitt stiegen sie um 21,5 Prozent.

Im vergangenen Jahr gaben die Deutschen durchschnittlich 242.000 Euro für den Kauf eigener vier Wände aus, das entspricht etwa sechs Haushalts-Jahresnettoeinkommen und ist deutlich mehr als bei der Vorgängerstudie 2014: Damals waren es noch fünf Haushalts-Jahresnettoeinkommen (bezogen auf den Kauf eines Einfamilienhauses).

Was sie dafür bekamen, hängt indes erheblich von der Lage innerhalb eines Ortes ab und der Lage der Stadt selbst: In München erhält man dafür etwa 44 Quadratmeter, in Chemnitz mit 261 Quadratmetern fast sechs Mal so viel Platz.

Unterschied in den Mikrolagen

Ein Blick in die Städte selbst offenbart den Unterschied zwischen Mikrolagen: So erhalten Kaufwillige in den Berliner Nobelstadtteilen Grunewald und Dahlem gerade einmal 45 Quadratmeter für 242.000 Euro.

In eher peripher gelegenen Gegenden wie Neu-Hohenschönhausen oder Hellersdorf sind Wohnungen für diesen Preis etwa drei Mal so groß. In Hamburg zählen die Alster-Anrainerviertel Harvestehude und Rotherbaum zu den Gegenden, bei denen sich Eigentümer im Platz beschränken, in der Altstadt indes gibt es für den Durchschnittspreis immerhin 110 Quadratmeter.

Frankfurter können davon nur träumen: Egal wo in der Stadt am Main, für 242.000 Euro gibt es nie mehr als 100 Quadratmeter Wohnfläche. Die Zahlen beruhen auf Wohnungsmarktindikatoren sowie Prognosedaten zu Wirtschaft, Demografie, Attraktivität und Zukunftsfähigkeit.

Zur Sparda-Studie: Wohnen in Deutschland 2017

Ergänzend haben IW Consult und das Institut für Demoskopie Allensbach IfD im Januar mit knapp 1.450 Menschen gesprochen. Grundsätzlich sind die Menschen demnach bereit, Kompromisse zwischen einer Entscheidung für kurze Wege oder mehr Platz zu schließen. Bis zu 30 Kilometer bis zum Arbeitsplatz findet der Durchschnitt akzeptabel – ein Wert, der in deutschen Großstädten realistisch ist. Und wer erst einmal in ein Eigenheim investiert hat, scheint dies nicht zu bereuen: Zwei von drei Befragten äußerten sich hier positiv zu ihrer Wohnsituation. Bei Mietern hingegen gab weniger als die Hälfte an, zufrieden zu sein. Zwei Drittel der Deutschen sind der Umfrage zufolge ohnehin der Meinung, dass sich der Erwerb von Wohnraum lohnt; das sind etwa genau so viele wie bei der Befragung vor drei Jahren.

Die Studie "Wohnen in Deutschland 2017" ist mit detaillierten Ergebnissen bis auf Kreisebene unter www.sparda-wohnen2017.de abrufbar.

Schlagworte zum Thema:  Immobilienmarkt, Immobilienkauf, Studie

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