Die Investorennachfrage nach Einkaufszentren lässt europaweit nach. Das zeigen Zahlen der Studie „European Shopping Center Development Report“ von Cushman & Wakefield. Neubau steht nur noch vereinzelt auf der Tagesordnung. Im Fokus der Betreiber und Anleger steht aktuell die Steigerung der Kundenfrequenz und der Konsumausgaben. Das zieht die Entwicklung der Einkaufszentren nach sich. Vor allem der Ausbau von Gastronomie und Freizeit ist gefragt.

„Hauptaugenmerk der Entwicklungstätigkeit liegt zunehmend auf neuen Konzepten“, sagt Justin Taylor, Head of EMEA (Europe, Middle East, Africa) Retail bei Cushman & Wakefield.

Der Gesamtflächenbestand in europäischen Einkaufszentren belief sich laut Cushman & Wakefield Anfang 2017 auf 159,4 Millionen Quadratmeter. Der Anteil in Westeuropa liegt aktuell bei 108,6 Millionen Quadratmetern und in Mittel- und Osteuropa bei 50,8 Millionen Quadratmetern. 2016 wurden insgesamt nur noch moderate 4,5 Millionen Quadratmeter neu gebaut. Für die kommenden zwei Jahre geht Cushman & Wakefield davon aus, dass noch einmal 6,8 Millionen Quadratmeter neue Shopping-Center-Flächen hinzukommen werden.

Frankreich: Die Entwicklungs-Pipeline ist voll

Was die Entwicklung von neuen Einkaufzentren angeht, war Frankreich im vergangenen Jahr der aktivste Markt in Westeuropa und hat die am besten gefüllte Pipeline in Westeuropa: Mehr als 931.000 Quadratmeter werden 2017 und 2018 laut Cushman & Wakefield auf den Markt kommen. Davon entfallen 56 Prozent auf Paris, Marseille, Lille und Lyon. In Großbritannien befinden sich 438.000 Quadratmeter neue Flächen im Bau, die in den kommenden zwei Jahren fertiggestellt werden sollen.

In Deutschland werden für 2017 rund 36.000 Quadratmeter neue Shopping-Center-Flächen erwartet, für 2018 noch einmal 67.700 Quadratmeter. Darunter sind das Stuttgarter „Dorotheen-Quartier“ (10.000 Quadratmeter), das „Loom Bielefeld“ (26.000 Quadratmeter) und die Berliner „East-Side Mall“ (25.000 Quadratmeter).

Deutschland: Top-Investitionsziel in Europa

Die Investitionsvolumina bei westeuropäischen Einkaufszentren sind der Studie zufolge stark rückläufig. Insgesamt wurden im Jahr 2016 am westeuropäischen Investmentmarkt 20,4 Milliarden Euro investiert. Das sind 48,9 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Grund ist unter anderem der Angebotsmangel, der auch einen spürbaren Einfluss auf die Investitionsaktivität in Deutschland hatte.

Hierzulande lag das Transaktionsvolumen 2016 bei 4,1 Milliarden Euro, was einem Rückgang von 28 Prozent gegenüber 2015 entspricht. Damit ist Deutschland aber Cushman & Wakefield zufolge immer noch das Top-Investitionsziel in Europa. Laut einer Studie von Savills ist Stockholm mit seiner relativ wohlhabenden Bevölkerung die derzeit die attraktivste Destination innerhalb Europas für Shopping-Center-Investments.

In Deutschland weisen laut Cushman & Wakefield vor allem die Märkte in München, Köln und Hamburg sehr geringe wirtschaftliche Risiken auf. Da die Einkaufszentrumsdichte in diesen Städten deutlich unter dem westeuropäischen Durchschnitt von 357 Quadratmetern pro 1.000 Einwohner liegt, ist das Entwicklungspotenzial an diesen Standorten laut Cushman & Wakefield besonders hoch.

Großbritannien ist der zweitgrößte Investmentmarkt für Einkaufszentren in Westeuropa. Allerdings ging auch hier das Transaktionsvolumen 2016 deutlich zurück (3,5 Milliarden Euro; minus 42 Prozent im Jahresvergleich).

Türkei: In Mittel- und Osteuropa führend

Die Türkei hat mit 1,55 Millionen Quadratmetern die stärkste Entwicklungspipeline in Mittel- und Osteuropa für 2017 und 2018. Russland trägt mit 1,46 Millionen Quadratmetern zu der zweithöchsten Entwicklungspipeline bei. Auf Rang drei liegt Polen mit 546.000 Quadratmetern.