Der stationäre Handel steht laut JLL weiter unter dem Druck der Online-Konkurrenz – Performance ist gefragt Bild: Erwin Lorenzen ⁄

Nach einem Jahr konstanter Renditen für deutsche Shopping-Center ist der Spitzenwert für Top-Objekte im Jahr 2017 um 0,1 Prozentpunkte gesunken. Die aktuelle Nettoanfangsrendite von 3,9 Prozent stellt den historisch niedrigsten Wert seit Beginn der Erhebung durch JLL dar. Als Folge ändern die Investoren ihr Verhalten: Wichtige Größe für die Kaufentscheidung sind neben wirtschaftlichen Faktoren und Marktumfeld auch die Performance.

Der Produktmangel am Investmentmarkt für Shopping-Center hat JLL zufolge das Transaktionsvolumen 2017 auf knapp zwei Milliarden Euro gedrückt. Damit fiel das Ergebnis nur noch halb so hoch aus wie im Vorjahr und lag auf dem Niveau von 2014. Der Abstand zum Fünf-Jahres-Schnitt von 3,5 Milliarden Euro ist immens. Gehandelt wurden 35 Shopping-Center, nach 45 im Jahr 2016.

Laut Savills war 2017 Stockholm die attraktivste Destination innerhalb Europas für Shopping-Center-Investments und der ausgewogenste Markt in Bezug auf Größe, Stabilität, Chancen und Renditen.

Nachfrageüberhang führt zu erneuter Renditekompression

Der Grund für das Resultat liegt JLL zufolge nicht in mangelnder Nachfrage. "Vielmehr bekommt der Markt jetzt zu spüren, dass im ersten Halbjahr 2017 nur eine sehr geringe Zahl von Vermarktungen angestoßen wurde", erklärt Sabine Keulertz, Team Leader Shopping Center Investment JLL Germany.

Das habe der Markt in der zweiten Jahreshälfte nachgeholt. "So dass sich bereits jetzt abzeichnet, dass er das Tal zügig durchschreiten wird", so Keulertz weiter. Zum Jahresende zählte JLL ein Volumen von rund 1,3 Milliarden Euro an Shopping-Centern, die sich im strukturierten Vermarktungsprozess befinden.

Frequenz- und Umsatzzahlen treffen Nerv der Investoren für nachhaltige Investments

Angesichts der Renditekompression hat laut JLL für Investoren die Performance eines Centers an Bedeutung gewonnen. Verzeichnet das Einkaufszentrum eine starke Frequenz und hohe Umsatzzahlen, treffe dies den Nerv der Investoren für nachhaltige Investments – auch abseits der Metropolen, heißt es in der Studie. "Erlebnisökonomie ist zum Schlagwort geworden“, sagt John Wilkinson, CEO von Greenman Investments. "2018 werden wir einen Aufstieg von PropTechs sehen, die sich auf die Weiterentwicklung von Einzelhandelszentren fokussieren.

JLL zufolge ist auch die nachhaltige Nutzung eines Objekts – etwa die Flexibilität der Räume und Möglichkeiten der alternativen Nutzung – wichtiger geworden. Leerstand könnte so aufgefangen werden. Als stabiler und wichtiger Frequenzbringer gelte der Bedarf des täglichen Lebens (Supermärkte, Bio-Märkte und Drogerien) wegen der Standortsicherheit und meist längerfristigen Mietverträgen.

Der stationäre Handel steht laut JLL weiter unter dem Druck der Online-Konkurrenz. Besonders betroffen sind die Bereiche Bekleidung, Schuhe und Elektronik. Auch im Bereich der Nahversorgung nimmt der Online-Handel immer mehr an Bedeutung zu, wobei sich dieser Trend bislang eher auf spezielle Warengruppen wie Spirituosen oder Tierfutter beschränkt.

Schlagworte zum Thema:  Shopping-Center, Rendite

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