21.08.2012 | Wohnungsneubau

Schere zwischen Angebot und Nachfrage öffnet sich weiter

Die Schere geht weiter auseinander, der Positivtrend der Vergangenheit flaut ab
Bild: Silke Kaiser ⁄

Der IVD begrüßt die dem Statistischen Bundesamt zufolge ansteigenden Genehmigungszahlen im Wohnungsbau. Doch warnt der Immobilienverband: Der Boom könne sich bald wieder abschwächen. Vor allem im Geschosswohnungsbau bestehe eine eklatante Differenz zwischen Angebot und Nachfrage.

4,9 Prozent mehr Wohnungen sind im ersten Halbjahr 2012 genehmigt worden, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. Insgesamt wurden deutschlandweit 114.000 Wohnungen genehmigt. „So erfreulich der Anstieg der Genehmigungen für sich genommen ist, so wenig dürfen wir uns mit dem Plus von 4,9 Prozent zufriedengeben“, sagt Jürgen Michael Schick, Vizepräsident des IVD. Dafür gebe es eine Reihe von Gründen: „So fiel der Zuwachs im Vergleichszeitraum 2011 mehr als dreimal so hoch aus. Der häufig konstatierte Boom des deutschen Wohnungsbaus könnte also bereits seinem Zenit entgegengehen und sich möglicherweise bald wieder abschwächen“, befürchtet Schick.

Nach wie vor dominiert der Wohnungsbau im Segment der Ein- und Zweifamilienhäuser. Zwischen Januar und Juni wurden 44.053 Einheiten in Einfamilienhäusern genehmigt und 8.860 Wohnungen in Zweifamilienhäusern. Diesen insgesamt 52.913 Wohnungen stehen 43.050 genehmigte Einheiten in Mehrfamilienhäusern gegenüber. „Gerade der Geschosswohnungsbau aber ist für die angespannten Mietmärkte in den Ballungsgebieten von enormer Bedeutung“, so Schick.

„In diesem Segment beobachten wir eine besonders eklatante Differenz zwischen Angebot und Nachfrage", so Schick weiter. Die vom Statistischen Bundesamt publizierten Neubauzahlen ließen befürchten, dass im Jahresverlauf kaum mit einer Beruhigung der Mietmärkte in Deutschlands Metropolen zu rechnen sei Der Neubau im Segment der Mehrfamilienhäuser liege nach Auffassung des IVD deutlich unterhalb der Marktabsorption.

Genehmigungen von Wohnungen in Mehrfamilienhäusern auf dem Vormarsch

Auch auf die Frage, wo die neuen Wohnungen entstehen, erlaube die Betrachtung einzelner Segmente Rückschlüsse. „Ein- und Zweifamilienhäuser werden vornehmlich an den Rändern der Ballungsgebiete und in ländlichen Gegenden genehmigt“, erläutert Schick. Dabei seien es die zentralen Lagen der Großstädte, in denen dringend Wohnungen benötigt würden. „Da der Geschosswohnungsbau deutlich hinterherhinkt, scheint etwas mit den Bedingungen nicht zu stimmen, die die Wohnungswirtschaft in den Ballungsgebieten vorfindet. Hier sind alle Beteiligten gefordert, Hemmnisse aufzuspüren und, wenn möglich, zu beseitigen“, konstatiert Schick.

Erfreulich sei, dass die Genehmigungen von Wohnungen in Mehrfamilienhäusern auf dem Vormarsch seien. Gegenüber dem Vergleichszeiträum beträgt der Anstieg der Genehmigungszahlen in diesem Segment immerhin 14 Prozent. Dieser positive Trend sei auch Resultat der seit zwei Jahren steigenden Mieten. „So sehr über steigende Mieten geklagt wird – bei nüchterner Betrachtung sind sie unausweichlich für die dringend benötigte Belebung der Wohnungsmärkte“, kommentiert Schick. Schließlich registriert Schick auch Nachholbedarf bei der Wohneigentumsbildung.

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