Inhaltlich ist es wichtig, dass Smart-City-Ansätze die Breite der öffentlichen Daseinsvorsorge adressieren. Bild: Roland Berger

Die Zahl der Städte, die einen strategischen Ansatz in Richtung Smart City verfolgen, nimmt seit einigen Jahren deutlich zu. Die Unternehmensberatung Roland Berger hat 87 Großstädte weltweit unter die Lupe genommen und analysiert, wie sie für den Weg zur Smart City strategisch aufgestellt sind. Wien, Chicago und Singapur schneiden im Ranking am besten ab. Die meisten Städte tun sich noch sehr schwer, Strategien zu definieren.

Dabei biete der Dienstleistungsmarkt großes Potenzial: So wird laut Roland Berger der weltweite Markt für Smart-City-Lösungen voraussichtlich von aktuell 13 auf 28 Milliarden US-Dollar im Jahr 2030 anwachsen.

Allen voran geht die Region Asien-Pazifik mit einer Wachstumsrate von 16 Prozent pro Jahr bis 2023, während das Wachstum in Europa etwas moderater verlaufen wird mit ungefähr 13 Prozent. Die geringsten Wachstumsraten werden nach Prognosen von Roland Berger Nordamerika und Lateinamerika verzeichnen (elf Prozent).

"Firmen, die die erforderlichen Technologien und Dienstleistungen für den Betrieb von intelligenten Prozessen anbieten, können von dem Smart-Cities-Trend profitieren", prognostiziert Roland-Berger-Experte Thilo Zelt. Wichtige Voraussetzung sei, dass sie einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen.

"Komplettlösungen aus einer Hand statt fragmentierter Geschäftsansätze sind entscheidend", sagt der Experte.

Einige Unternehmen haben das bereits verstanden und nutzen die Chance, weiter zu wachsen in einem relativ jungen Markt. Die großen "Global Players" sind laut Roland Berger Cisco, Siemens, IBM und SAP mit eigenen Lösungen, wie etwa der "Siemens City Intelligence Platform" oder dem "IBM's Smarter Cities Program".

Definition Smart City

Eine "Smart City" zu definieren, ist nicht leicht. Eine ausführliche Definition findet sich im siebten Teil unseres Real Estate Innovation Glossars "Smart City – die vernetzte Stadt". Dazu gehören viele Elemente, die digital miteinander verbunden sind und zu einem besseren Lebensraum beitragen sollen: von öffentlichen Transportmitteln über Schulen bis hin zu öffentlichen Ämtern und Energiesystemen.

Roland Berger hat für den "Smart City Index" die wichtigsten Bausteine einer Smart-City-Strategie in die drei Hauptbereiche Anwendungsfelder, strategische Planung und IT-Infrastruktur zusammengefasst. Besondere Bedeutung haben die Anwendungsfelder:

  • öffentliche Verwaltung,
  • Gesundheit,
  • Bildung,
  • Energie und Umwelt,
  • Gebäude sowie
  • Mobilität.

Wien punktet mit einer breit angelegten Smart-City-Strategie

Die Städte, die im "Smart City Index" gut abschneiden, sind weder besonders groß noch besonders wohlhabend. Beispiel Wien: Die österreichische Hauptstadt kann punkten (73 von möglichen 100 Punkten), weil sie eine breit und grundsätzlich angelegte Smart-City-Strategie ausgearbeitet hat, die auf den Kriterien Lebensqualität, Ressourcenschonung und Innovation basiert.

Kostenloser Onlinetest zur Beurteilung Ihres Smart-City-Strategieansatzes.

Chicago, auf Platz zwei des Rankings mit 72 von 100 Punkten, zeichnet sich durch den Bildungsansatz aus: Die Stadt setzt auf die Vermittlung digitaler Kompetenz und unterhält ein Netzwerk von 250 kostenlosen Computerlaboren im gesamten Stadtgebiet. Auf Platz drei landet Singapur mit 71 von 100 Punkten, vor London.

Am anderen Ende der Größenskala kommt das spanische Santander (Platz fünf), was zeigt, dass auch kleinere Städte umfassende Strategien entwickeln können. Es folgt New York auf Platz sechs.

Eine deutsche Stadt findet sich nicht unter den Top-Standorten. Im "European Smart Cities Ranking" ist die erfolgreichste deutsche Stadt Göttingen auf Platz 23.

Bausteine einer erfolgreichen Smart-City-Strategie

Großstädte müssen laut Roland Berger in erster Linie verstehen, was Bürger tatsächlich wollen. Die angebotenen Dienstleistungen müssten für eine erfolgreiche Strategie den Nutzen auf Bürger und Unternehmen ausrichten und diese in die Strategieentwicklung einbeziehen.

Inhaltlich sei es wichtig, dass Smart-City-Ansätze die Breite der öffentlichen Daseinsvorsorge adressieren und Anwendungen untereinander verknüpfen. Das bedeutet laut Roland Berger:

Städte brauchen ein Konzept zum Umgang mit und zur Verknüpfung von Daten und idealerweise eine offene Datenpolitik.

Daraus folgt allerdings auch, dass die Städte über ein IT-Sicherheitskonzept verfügen müssen. Private und öffentliche Unternehmen, etwa Infrastrukturbetreiber wie Stadtwerke, sollten aktiv in die Gestaltung, Finanzierung und Umsetzung einer Smart City eingebunden werden, genauso wie die Öffentlichkeit.
"Nur wenn all diese Aspekte berücksichtigt werden und die Städte einen permanenten Dialog mit der Öffentlichkeit pflegen, können Smart-City-Strategien erfolgreich werden", sagt Zelt.

Schlagworte zum Thema:  Smart Home

Aktuell
Meistgelesen