Berlin kann sich kaum retten: In der deutschen Hauptstadt ist laut RICS die Nachfrage vor allem nach Büros besonders hoch Bild: Corbis

Die Dynamik auf den europäischen Immobilieninvestmentmärkten sei robust, heißt es im Global Commercial Property Monitor des Branchenverbands RICS für das dritte Quartal 2017. Demnach nimmt Deutschland eine Spitzenposition ein, vor allem Berlin. Die meisten der befragten Unternehmen in Deutschland erwarten zwar, dass der Markt bald seinen Höhepunkt erreichen wird, sie gehen dennoch von Kaufpreisanstiegen in den kommenden zwölf Monaten aus.

Nach Einschätzung von 64 Prozent der Befragten befindet sich der Markt am Höhepunkt des Marktzyklus. Das sagten im Vorquartal noch 60 Prozent.

32 Prozent der befragten Investoren davon aus, dass es noch Luft nach oben gibt.

Obwohl die Hälfte der Umfrageteilnehmer denkt, dass der Markt seinen Höhepunkt in naher Zukunft erreichen wird, wurden die Kaufpreisprognosen für die kommenden zwölf Monate zum ersten Mal seit vier Quartalen nach oben korrigiert. Sie gaben an, dass die Kaufpreise in allen Marktsegmenten, wenn auch in unterschiedlichem Maße anziehen werden. In Berlin gehen die Experten sogar noch von stärkeren Zuwächsen aus als im Rest des Landes. Die Prognosen für Frankfurt fallen etwas niedriger aus – insbesondere aufgrund sekundärer Industrie- und Einzelhandelsobjekte.

„Die überaus positive Stimmung auf der zurückliegenden Expo Real spiegelt sich in den, von uns erhobenen Daten für das dritte Quartal sowohl für den Vermietungs- als auch den Investmentmarkt in Deutschland über eigentliche alle Segmente der gewerblichen Immobilienindustrie wider“, sagt Hanno Schrecker, Vorsitzender der Professional Group (PG) Commercial Property der RICS Deutschland.

Büromietflächen stärker nachgefragt als Einzelhandelsflächen

Der Mietmarktindex „Occupier Sentiment Index”, der die Dynamik auf dem Gesamtmarkt abbildet, lag im dritten Quartal 2017 mit plus 31 praktisch unverändert auf dem Stand des Vorquartals. Daraus lässt sich laut RICS eine solide Marktdynamik auch auf dem Vermietungsmarkt ablesen. Die Mieternachfrage habe dabei der Nachfrageentwicklung der drei Vorquartale entsprochen, wenn auch je nach Assetklasse unterschiedlich: So nahm etwa die Nachfrage nach Büroflächen stark zu, der Einzelhandel verzeichnete aber nur marginale Zuwächse.

Das Angebot an Mietflächen im Büro- und Industriesegment in Deutschland entwickelte sich rückläufig, während das Einzelhandelssegment im zweiten Quartal in Folge eine gleichbleibende Entwicklung verzeichnete. Die prognostizierte Mietpreisentwicklung in den nächsten zwölf Monaten für erstklassige und sekundäre Büroflächen schlägt RICS zufolge alle anderen Marktsegmente. Besonders stark sei die Nachfrage in Berlin und Frankfurt am Main gestiegen, heißt es im RICS-Report. Der Anstieg der Nachfrage in München fiel im Vergleich etwas niedriger aus.

Große Nachfrage aus dem Ausland über alle Assetklassen hinweg

Im Städtevergleich weist Berlin laut RICS-Bericht weiterhin die beste Prognose für die nächsten zwölf Monate auf, was vor allem auf den Markt für erstklassige Büroflächen zurückzuführen sei. Auch die Prognosen in München sind positiv – in fast allen Marktsegmenten, während in Frankfurt am Main die Erwartungen in allen Marktsegmenten dem landesweiten Durchschnitt hinterherhinken.

Der Investmentmarktindex „Investment Sentiment Index” verbesserte sich von plus 42 auf plus 50, was auf eine robuste Entwicklung auf dem Investmentmarkt hindeutet. Die Nachfrage legte im dritten Quartal in allen Marktsegmenten deutlich zu — insbesondere nach Einzelhandelsobjekten. Auch das Interesse von Investoren aus dem Ausland zog über alle Assetklassen hinweg an. Das Angebot hingegen verzeichnete in allen Segmenten einen deutlichen Rückgang. Die Befragten gaben im Schnitt ein Minus von 42 Prozent an.

Mietpreise steigen vor allem in Ost- und Mitteleuropa

Der Vermietungsmarkt verzeichnet RICS zufolge in Europa weiterhin die dynamischste Entwicklung, vor allem in Ost- und Mitteleuropa. Sowohl Ungarn, die Tschechische Republik und Bulgarien als auch Spanien und Portugal wiesen im dritten Quartal die höchsten Wachstumsraten auf. Grund sei die robuste konjunkturelle Entwicklung dort: Das jährliche BIP-Wachstum betrage mindestens drei Prozent. Die positive Wirtschaftsentwicklung führe zu einer steigenden Nachfrage nach Mietflächen und lässt ein höheres Mietpreisniveau erwarten.

Der aktuelle Nachfrageüberhang in der Europabetrachtung führt laut RICS derzeit zu positiven Erwartungen hinsichtlich der Kaufpreisentwicklung vor allem in Budapest (Ungarn), Dublin (Irland), Lissabon (Portugal) und Sofia (Bulgarien). Der Frühindikator untersucht die gewerblichen Vermietungs- und Investmentmärkte weltweit.

Schlagworte zum Thema:  Investment, Immobilienmarkt

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