Hamburg hat unter internationalen Investoren zuletzt mit der Elbphilharmonie für viel Aufmerksamkeit gesorgt Bild: Corbis

Hamburg und München sind zwar beliebte Standorte für europäische Immobilieninvestoren – doch die hohen Preise schrecken viele Anleger ab. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von PwC und dem Urban Land Institute. Optimistisch blicken die Experten auf die Entwicklung des Frankfurter Immobilienmarkts: der "Brexit-Effekt" zeige Wirkung. Den Top-Platz für die Immobilieninvestoren belegt Berlin mit besonders hohen Wachstumschancen.

"Investoren sehen große Potenziale im Münchner Immobilienmarkt", sagt Susanne Eickermann-Riepe, Real Estate Leader und Partnerin bei PwC, "doch viele fragen sich, wie sie ein Stück vom Kuchen abbekommen können". Renditen von etwa drei Prozent machten München für Investoren vergleichsweise teuer.

Auch wenn die hohen Preise sich zum Nachteil für den Münchner Immobilienmarkt auswirken können, räumen die 818 europaweit befragten Experten der Stadt sehr gute Aussichten für das Jahr 2018 ein.

Hinter Berlin, Kopenhagen und Frankfurt belegt München aktuell den vierten Platz der Städte mit den besten Investitions- und Entwicklungschancen in Europa.

Die extrem hohen Münchner Mieten sowie die Kapitalwerte in der Stadt werden der Studie "Emerging Trends in Real Estate: Europe 2018" zufolge auch in den kommenden drei bis fünf Jahren weiter steigen.

Hamburg: Immobilien-Boom ausgebremst

Obwohl auch Hamburg bei Investoren sehr begehrt ist, wurden im ersten Halbjahr 2017 nur noch Transaktionen im Wert von 1,3 Milliarden Euro umgesetzt – das ist ein Einbruch um 34 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2016. Wichtigster Grund für den Rückgang ist laut PwC das knappe Angebot an handelbaren Immobilien.

Für Investoren rutscht Hamburg damit von Platz zwei der chancenreichsten Immobilienmärkte Europas auf den sechsten Platz zurück.

Einerseits steigt laut PwC das Ansehen Hamburgs bei internationalen Investoren, so habe alleine die Elbphilharmonie als Leuchtturm-Projekt weltweit Aufmerksamkeit auf sich gezogen, "doch die hohen Hamburger Immobilienpreise schrecken viele Investoren ab", sagt Eickermann-Riepe. Die Renditen lägen in Hamburg liegen nur noch bei 3,25 Prozent: In Verbindung mit den hohen Mieten sorge das für ein schwieriges Umfeld für Investoren.

Nach wie vor attraktiv für Investoren sind die Hamburger Büroimmobilien. Sie machten im ersten Halbjahr 2017 rund 70 Prozent aller getätigten Immobilientransaktionen aus.

"Hamburg ist durch seine günstige Lage und seine gewachsene Wirtschaftsstruktur für viele Unternehmen ein extrem attraktiver Standort", sagt Claus Brandt, Partner und Leiter des PwC-Standorts in Hamburg. Zudem ziehe die Stadt Talente an und untermauere so den Anspruch als eine der wichtigsten Kreativ- und Startup-Metropolen in Europa.

Die meisten Befragen rechnen mit weiteren Mietsteigerungen und einer Zunahme der Kapitalwerte – signifikantere Preissteigerungen als in Hamburg gebe es in Europa in den kommenden drei bis fünf Jahren einzig in Berlin.

Frankfurt am Main: "Brexit-Effekt" zeigt Wirkung

Mit Optimismus blicken die Investoren auf die Entwicklungen des Frankfurter Immobilienmarkts. Im ersten Halbjahr 2017 wurden in der Mainmetropole Immobilien für 2,8 Milliarden Euro gehandelt – zwei Milliarden Euro davon alleine im zweiten Quartal.

Frankfurt gilt für die befragten Experten als Gewinner des Brexit. Für sie stehen die jüngsten Entwicklungen im Immobilienmarkt in unmittelbarem Zusammenhang mit der politischen Entwicklung in Großbritannien.

"Wir sehen bereits, dass die Leerstandsquoten bei Büroimmobilien in Frankfurt sinken", sagt Eickermann-Riepe. Gleichzeitig liege nur für wenige neu entstehende und unvermietete Büroimmobilien ein verbindliches Fertigstellungsdatum vor.

"Solange nicht klar ist, wie viel Büroraum in Frankfurt benötigt werden wird, halten sich viele Investoren noch zurück – sie wollen ungern spekulieren", so Eickermann-Riepe.

Angetrieben durch jüngste Schätzungen, die von mehreren Tausend in Frankfurt neu entstehenden Arbeitsplätzen ausgehen, und der zunehmenden Anzahl an Unternehmen, die bereits einen teilweisen Umzug nach Frankfurt angekündigt hat, dürften laut PwC einige Investitionsvorhaben im Laufe des Jahres 2018 jedoch konkreter werden.

Für die befragten Immobilienexperten bietet Frankfurt mit Kopenhagen und nach Berlin die besten Investitions- und Entwicklungschancen in Europa 2018.

Das dürfte zu steigenden Mieten und Kapitalwerten führen, so die befragten Experten.

Berlin belegt unter Investoren Top-Platz in Europa

Die von PwC befragten 818 Vertreter der Immobilienbranche in Europa krönten Berlin zum vierten Mal in Folge zum beliebtesten europäischen Investitionsziel.

Nimmt man das Renditeniveau von teilweise unter drei Prozent als Maßstab, ist Berlin mittlerweile die teuerste deutsche Stadt.

Wichtiger Faktor für die Beliebtheit Berlins ist die hohe Nachhaltigkeit der Immobilienwerte. Berlin profitiert vom Bevölkerungswachstum und steigenden Geschäftschancen, die durch den Technologiesektor angetrieben werden.

"Investoren setzen auf Berlin, weil die Kosten vergleichsweise gering und die Wachstumspotenziale hoch sind", so Eickermann-Riepe.

 

Die Preise für Immobilien in Berlin liegen laut PwC noch deutlich unter denen anderer Welthauptstädte. Die Mieten in Berlin dürften der Studie zufolge in den kommenden drei bis fünf Jahren substantiell steigen – und nach Ansicht der Investoren gilt das für Berlin mehr als für jede andere Stadt Europas.

Damit rechnen auch die Berliner selbst nach einer PwC-Bevölkerungsumfrage vom Juni 2017: "44 Prozent der Befragten erwarten, dass das Angebot an Wohnraum sinken wird", sagt Thomas Kieper, Partner bei PwC und zentraler Ansprechpartner am Standort Berlin. "Das stellt die Stadt und die Immobilienwirtschaft vor die große Herausforderung, mit dem weiter steigenden Zuzug Schritt zu halten und zeitgleich ausreichenden, aber auch bezahlbaren Wohnraum zu schaffen."

Schlagworte zum Thema:  Immobilienpreis, Immobilieninvestoren, Brexit

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