Nebenkosten steigen, Vermieter zeigen sich umweltbewusst: Haupttreiber der Wohnkosten sei der Staat Bild: Haus & Grund

Von 21 Millionen Mietwohnungen in Deutschland werden 15 Millionen von privaten Vermietern angeboten. Dabei liege die Miete bei den Privaten im Schnitt 2,67 Prozent unter der ortsüblichen Vergleichsmiete, so das Ergebnis einer Umfrage des Eigentümerverbands Haus & Grund unter 2.800 Mitgliedern. Im Jahr 2016 sollen die privaten Vermieter ihre Nettokaltmieten nur um 0,6 Prozent auf 7,88 Euro angehoben haben. Deutlich gestiegen seien indessen die Nebenkosten.

Knapp ein Viertel (23,3 Prozent) der 2.800 befragten Verbandsmitglieder erhöht die Miete ausschließlich bei einem Mieterwechsel. 63,1 Prozent der Vermieter mit einem Bestand von insgesamt rund 5.800 Wohnungen gaben an, die Miete im laufenden Mietverhältnis nicht erhöht zu haben.

"Das zeigt das extrem soziale Verhalten der Vermieter gegenüber den Mietern", meint der Präsident von Haus & Grund, Kai H. Warnecke.

Private Vermieter sind an langfristig sicheren Einnahmen interessiert, sagte Verbandspräsident Kai Warnecke. Sie verzichten eher auf Geld, wenn stattdessen der Mieter länger in der Wohnung bleibe.

18,4 Prozent der erfassten Mietverhältnisse laufen der Umfrage zufolge seit mehr als zehn Jahren ohne eine Mieterhöhung. Auch beim Abschluss neuer Verträge hielten sich Haus & Grund-Vermieter an Regeln und Gesetze, wie der Verband mitteilt. 

Wer ist schuld am Mietpreisboom?

Spürbar teurer wurde nach der Umfrage mit einem Plus von 3,2 Prozent auf 10,28 Euro die Miete in Eigentumswohnungen. Auch die Betriebskosten sind laut Haus & Grund im vergangenen Jahr um durchschnittlich sechs Prozent auf 1,39 Euro gestiegen, die Heizkosten sind um elf Prozent auf 1,16 Euro pro Quadratmeter geklettert.

Laut Haus & Grund kommen in 10,6 Prozent der Wohnungen privater Vermieter regenerative Energien zum Einsatz – bundesweit seien es nur etwa fünf Prozent –, damit seien die privaten Kleinvermieter im Verband überdurchschnittlich umweltbewusst. Haupttreiber der Wohnkosten sei der Staat, aber auch die Mieter selbst seien mitverantwortlich.

Dass rund 70 Prozent der Bewohner von Mehrfamilienhäusern Wert auf energiesparendes Heizen und Lüften legen, zeigt wiederum eine Umfrage des Energiedienstleisters Techem.

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Mieterbund bezweifelt Aussagekraft der Umfrage

Diese Zahlen stehen im klaren Widerspruch zu den Zahlen aus anderen Berichten. Der Deutsche Mieterbund bezweifelt die Aussagekraft der Umfrage. An der Befragung nahmen Vermieter aus Düsseldorf, Gelsenkirchen, Kassel, Lübeck, Magdeburg, München, Osnabrück, Pirmasens und Tübingen teil. Ob die Umfrage damit repräsentativ ist, wo die angespanntesten Märkte fehlen, ist ein Kritikpunkt.

"Es sind sehr verblüffende und erstaunliche Zahlen", so Mieterbund-Geschäftsführer Ulrich Ropertz.

Denn auch die Studien der großen privaten und kommunalen Vermieter sowie der Genossenschaften kämen regelmäßig zu dem Ergebnis, dass bei ihnen die Mieten unterdurchschnittlich seien. Irgendwo müssten die Preistreiber ja sein, so Ropertz. Er verwies auf deutliche Mietsteigerungen in den großen Städten, die sich in den Mietspiegeln ablesen ließen. Besonders beim Mieterwechsel langten viele Vermieter kräftig zu.

Zu wenig Wohnungen und immer höhere Mieten prägen den Berliner Wohnungsmarkt. Landeseigene Gesellschaften etwa könnten die Wohnungen bauen. Der Haken: Es gibt kaum erschwingliche Grundstücke. In München werden aktuell bis zu 41 Prozent des Haushaltseinkommens für das Wohnen ausgegeben, wie der Erschwinglichkeitsindex EIMX von ImmobilienScout24 zeigt.

Nach Zahlen des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) legten die Mieten aus Neu- und Wiedervermietung in den Großstädten mit mehr als 500.000 Einwohnern kontinuierlich zu – alleine im ersten Halbjahr 2017 noch einmal um 5,6 Prozent auf 10,39 Euro pro Quadratmeter.

-> SPD fordert wegen der hohen Mieten eine Reform des Mietspiegels.

Ist das Wohnen nur in großen Städten teuer?

37,4 Prozent der Mieterhaushalte müssen mehr als 30 Prozent für Miete ausgeben, 17 Prozent der Haushalte mehr als 40 Prozent. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen hervor, die sich auf Zahlen aus dem Jahr 2014 beruft und auf Gesamtdeutschland bezieht.

Ein ähnliches Ergebnis liefert eine Studie der Berliner Humboldt-Universität für 77 deutsche Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern.

"Zu viele Haushalte müssen viel zu viel Miete zahlen", kommentierte Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) die Zahlen.

Die Lösung müsse im sozialen Wohnungsbau liegen, für den der Bund zuständig bleiben müsse, so die Politikerin. Sie hält die umstrittene Mietpreisbremse für sinnvoll. Das Instrument müsse nur verbessert werden, so Hendricks. Die Mietpreisbremse gilt in vielen Gegenden als gescheitert.

Das Berliner Landgericht hält die Mietpreisbremse für verfassungswidrig.

 

Die Grünen fordern ein Sofortprogramm für faire und stabile Mieten. Ohne eine "echte Mietpreisbremse" und einen gemeinnützigen Wohnungsmarkt werde es nicht gehen, sagte Fraktionschefin und Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt.

Kurz vor der Bundestagswahl am kommenden Sonntag sind Wohnungsmangel und Mieten auch Themen im Wahlkampf. Alle Parteien fordern mehr Wohnungsbau, haben dafür aber unterschiedliche Konzepte.

Schlagworte zum Thema:  Vermieter, Vermietung, Wohnimmobilien, Eigentümer, Miete

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