| Frühjahrsgutachten 2016

Preise für Wohnungen sind schneller gestiegen als Mieten

Der Wohnungsneubau kann mit der Nachfrage nicht Schritt halten - das führt zu weiteren Preissteigerungen
Bild: MEV-Verlag, Germany

Die Preise für Wohnungen sind 2015 stärker gestiegen als die Mieten. Das geht aus dem Frühjahrsgutachten der Immobilienweisen hervor. Demnach zogen die Preise in Westdeutschland gegenüber dem Vorjahr um 7,2 Prozent an, während die Mieten nur um 3,7 Prozent stiegen. Im Osten kletterten die Kaufpreise um 6,2 Prozent und die Mieten um 1,2 Prozent.

Der Anstieg der Mieten fand fast ausschließlich zwischen dem dritten Quartal 2014 und dem ersten Quartal 2015 statt. Seit Jahresbeginn 2015 lassen sich in Westdeutschland insgesamt keine nennenswerten Mietpreissteigerungen mehr beobachten und in Ostdeutschland sind die Angebotsmieten sogar etwas rückläufig.

In den Ballungsräumen halte der Neubau mit der wachsenden Nachfrage noch immer nicht Schritt, teilte der Zentrale Immobilien Ausschuss ZIA in Berlin bei Vorlage der Marktstudie mit. Deshalb stiegen auch die Kaufpreise weiter. Die Nachfrage nach Immobilien werde im Jahr 2016 auch durch die Zuwanderung weiter steigen.

Kaufpreise für Eigentumswohnungen mit kräftigem Sprung

Bei den Angebotspreisen von Eigentumswohnungen ist dem Gutachten zufolge eine Abflachung auch weiterhin nicht in Sicht. Analog zu den Mietpreisen ist aber auch bei den Kaufpreisen die Streuung innerhalb Deutschlands riesig und erwartungsgemäß nochmals größer als die der Mietpreise.

In 70 Prozent der Kreise sind die Kaufpreise für Eigentumswohnungen um mehr als zwei Prozent gestiegen, in 50 Prozent der Kreise sogar um mehr als sechs Prozent. Gleichzeitig sind aber in fast jedem vierten Kreis (23,4 Prozent) die Preise gesunken.

Miet- und Kaufpreisentwicklung im Wohnsegment hält an

"Ohne die starke Zuwanderung von Flüchtlingen wäre das Bild für 2016 ziemlich eindeutig. Der Mietpreiszyklus hätte seinen Zenit erreicht, die Mieten im deutschen Mittelwert würden 2016 nicht mehr wesentlich weiter steigen oder stagnieren", sagt Professor Dr. Harald Simons, Mitglied des Vorstands des Forschungsinstituts Empirica und Mitglied der fünf Immobilienwiesen.

Die weitere Entwicklung sei aber angesichts der unklaren Auswirkungen der hohen Zuwanderung besonders schwer einzuschätzen. Der Mietpreiszyklus dürfte sich verlängern, da die Wohnungsnachfrage steigen wird. "Das wird auch in den nächsten Jahren zu Miet- und Kaufpreissteigerungen in den Ballungsräumen führen", meint Simons.

Büroimmobilien bleiben dominierende Assetklasse

2015 war laut dem Gutachten insgesamt ein Rekordjahr für den deutschen Immobilienmarkt. Die hohe Nachfrage aus dem In- und Ausland habe das Investitionsvolumen wieder auf das Rekordniveau von 2007 getrieben. Allein in Gewerbeimmobilien seien 55,5 Millionen Euro geflossen, was durch die gute wirtschaftliche Lage begünstigt wurde. Insbesondere niedrige Finanzierungskosten wirkten sich positiv auf die Immobilienwirtschaft aus.

Dabei waren Büroimmobilien weiterhin die dominierende Assetklasse am deutschen Investmentmarkt. 2015 belief sich das Transaktionsvolumen auf rund 26,1  Milliarden Euro, was etwa einem Anteil von 47 Prozent am gesamten Gewerbeimmobilien-Investmentmarkt entspricht. Laut Studie konnte das Büroinvestmentvolumen im Vergleich zum Jahr 2014 um zirka 50 Prozent beziehungsweise 8,7 Milliarden Euro gesteigert werden.

Schlagworte zum Thema:  Wohnimmobilien, Miete, Immobilienpreis

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