Mehrfamilienhäuser haben sich nur moderat verteuert Bild: Corbis

Die Angebotspreise für Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser sind im vierten Quartal 2016 gegenüber dem Vorjahresquartal deutlich gestiegen: um 6,9 Prozent bei den Wohnungen und um 6,2 Prozent für Häuser. Das teilt das Forschungs- und Beratungsunternehmen F+B mit. Die Steigerung der Kaufpreise für Mehrfamilienhäuser fiel mit einem Plus von 1,7 Prozent moderater aus – korrelierend mit den Neuvertrags- und Bestandsmieten: die stiegen um 2,2 beziehungsweise 1,1 Prozent.

Eigentumswohnungen verteuerten sich im vierten Quartal 2016 verglichen mit dem dritten Quartal 2016 laut F+B-Index um 1,3 Prozent, Einfamilienhäuser um 1,6 Prozent. Im Vergleich zum vierten Quartal 2015 übertrafen die Preissteigerungen bei Eigentumswohnungen mit 6,9 Prozent und bei Einfamilienhäusern mit 6,2 Prozent sogar den Durchschnittswert des F+B-Wohn-Index von 5,2 Prozent.

Für Mehrfamilienhäuser musste im Vergleich zum Vorquartal 0,4 Prozent mehr ausgegeben werden, im Jahresvergleich plus 1,7 Prozent, während sich die Neuvertragsmieten und Bestandsmieten mit 2,2 Prozent beziehungsweise 1,1 Prozent im Vergleich zu den Vorjahresquartalen deutlich unterhalb des Anstiegs des Wohn-Index bewegen.

„Die Preisentwicklung einzelner Zinshäuser, die von Eigentümern oder Maklern auf den Immobilienportalen angeboten werden, entwickeln sich jedenfalls seit längerer Zeit auf dem deutlich niedrigeren Niveau des Anstiegs der Neuvertragsmieten“, so F+B-Chef Leutner.

Vom Wohn-Index unabhängig gestalten sich Leutner zufolge dagegen die Preise von Wohnungspaketen, die von institutionellen Investoren gehandelt werden. Hier sei die Preisbildung mehr als bei den anderen Nutzungsarten von der Entwicklung des Zinsniveaus, der Aktienmärkte und der Renditeentwicklung alternativer Investments abhängig.

Im Langfristvergleich wurden Eigentumswohnungen rund 30 Prozent teurer

Eigentumswohnungen verteuerten sich innerhalb der vergangenen fünf Jahre um 32,3 Prozent und in den vergangenen zehn Jahren (Vergleich jeweils der vierten Quartale) um 42,5 Prozent. Die Neuvertragsmieten veränderten sich dagegen in den gleichen Vergleichszeiträumen um jeweils 10,4 Prozent beziehungsweise 18,3 Prozent. Bestandsmieten entwickelten sich noch etwas moderater um jeweils 4,7 Prozent im Fünfjahresvergleich und 6,8 Prozent im Zehnjahresvergleich.

Zum Vergleich: Der seit 2004 vierteljährlich fortgeschriebene F+B-Wohn-Index über alle Nutzungsarten bei Wohnimmobilien (Preise und Mieten) hinweg stieg im Fünfjahresvergleich der vierten Quartale um 19,5 Prozent und im Zehnjahresvergleich um 25,5 Prozent.

Kempten: Steigerung von 14 Prozent bei Eigentumswohnungen

Kempten im Allgäu, Unterschleißheim und Freising machten im Jahresvergleich der jeweils vierten Quartale 2016 mit 2015 mit Steigerungsraten von 14 Prozent, 8,4 Prozent und 8,1 Prozent die größten Preissprünge bei Eigentumswohnungen.

Kempten rückte damit im Vergleich zum dritten Quartal 2016 um neun Rangplätze und einem Durchschnittspreis von 2.900 Euro pro Quadratmeter auf Position 32 vor. Unterschleißheim verteidigte mit 4.180 Euro pro Quadratmeter den zweiten Platz nach München. Freising verbesserte sich mit einem Durchschnittspreis von 3.840 Euro pro Quadratmeter um zwei Plätze auf Rang sechs.

München bleibt die teuerste Stadt mit einem durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 5.740 Euro. Die Münchner Umlandgemeinden Unterschleißheim (Platz zwei), Germering (Platz vier), Freising (Platz sechs), Olching (Platz sieben), Fürstenfeldbruck (Platz neun), Dachau (Platz zehn), Erding (Platz 15) bildeten auch im vierten Quartal 2016 das „Planetensystem“ der teuersten Städte Deutschlands, die um die „Sonne“ München kreisen.

Preisdynamische Entwicklung auch in Frankfurt und Umland

Neben Frankfurt am Main, das sich binnen eines Vierteljahres vom 13. auf den zwölften Rang verbesserte, verteidigte Bad Homburg mit einem Plus von 2,6 Prozent den 20. Rangplatz. Oberursel im Taunus verbesserte sich mit plus 2,6 Prozent vom 25. auf den 22. Platz und Bad Vilbel mit einem Plus von 3,5 Prozent um fünf Plätze auf die 26. Position.

„Ob hier die ersten Auswirkungen verstärkter Nachfrage im Zuge des Brexit zu verzeichnen sind, kann bisher nicht belegt werden, bleibt also den nächsten Quartalsberichten vorbehalten“, so Leutner.

Unter den Top 7 folgen nach Spitzenreiter München auf Platz elf Hamburg (3.680 Euro pro Quadratmeter) und auf Rang zwölf Frankfurt am Main (3.580 Euro pro Quadratmeter), auf Platz 14 stand Stuttgart (3.480 Euro pro Quadratmeter), Düsseldorf (3.000 Euro pro Quadratmeter) folgte auf Platz 27 und Köln (2.850 Euro pro Quadratmeter) belegte den Rangplatz 39.

Die Wachstumsraten zwischen dem dritten und dem vierten Quartal 2016 bewegten sich zwischen 1,2 (Frankfurt) und 2,7 Prozent (Stuttgart). Die Eigentumswohnungspreise in Berlin waren mit durchschnittlich 2.600 Euro pro Quadratmeter nach wie vor moderat. Berlin hat sich allerdings innerhalb eines Quartals um weitere zwei Rangplätze auf Platz 72 der Top 500-Städte in Deutschland vorgearbeitet (plus 7,5 Prozent zum Vorjahresquartal, plus 1,4 Prozent zum Vorquartal).

Überdurchschnittliche Preissteigerungsraten verzeichneten Görlitz (plus 2,6 Prozent zum Vorquartal, plus 25,4 Prozent zum Vorjahresquartal), Stendal in Sachsen-Anhalt (plus 7,1 Prozent zum dritten Quartal 2016, plus 20,4 Prozent zum vierten Quartal 2015), Schönebeck an der Elbe (plus 4,3 Prozent zum Vorquartal, plus 19,2 Prozent zum Vorjahresquartal) und Sundern im Sauerland (plus sieben Prozent zum dritten Quartal 2016, plus 14,8 Prozent zum vierten Quartal 2015).

Grenzen der Zahlungsfähigkeit zeichnen sich in München ab

Auch bei den Neuvermietungsmieten stand München mit Marktmieten von durchschnittlich 13 Euro pro Quadratmeter für zehn Jahre alte, 75 Quadratmeter große Wohnungen erneut an der Spitze. Der Mietanstieg zum Vorjahresquartal hat sich um 0,8 Prozentpunkte auf 1,2 Prozent verlangsamt. Das Mietniveau gegenüber dem dritten Quartal 2016 blieb mit plus 0,6 Prozent nahezu konstant. Hier deuten sich Grenzen in der Zahlungsfähigkeit der Münchener Mieter an.

Inwieweit die Mietpreisbremse dafür verantwortlich ist, bleibt weitergehenden Analysen vorbehalten, die F+B gerade durchführt.

Die Mieten in Frankfurt am Main (10,90 Euro pro Quadratmeter, Rangplatz drei) und Hamburg (10,10 Euro pro Quadratmeter, Rangplatz zehn) stiegen im vergangenen Jahr um 1,4 beziehungsweise 1,2 Prozent. Die Steigerungsraten in Stuttgart (Rangplatz sieben) wiesen mit 2,1 Prozent und 10,30 Euro pro Quadratmeter, in Köln (Rangplatz 23) mit 1,5 Prozent und 9,60 Euro pro Quadratmeter und Düsseldorf (Rangplatz 26, plus 1,5 Prozent, 9,50 Euro pro Quadratmeter) allesamt Werte auf, die unterhalb des durchschnittlichen F+B-Wohn-Indexwertes für die Neuvertragsmieten von 2,2 Prozent im Jahresvergleich lagen.

Weitere Aufwärtsbewegung bei den Berliner Mieten

Im Vergleich mit den anderen für den F+B-Index untersuchten Metropolen lag das Niveau der Angebotsmieten in Berlin immer noch deutlich unterhalb der anderen Top-Standorte in Deutschland. Mit 8,01 Euro pro Quadratmeter für eine Standardwohnung kletterte die Stadt um fünf Ränge auf Platz 104. Die Marktmieten erfuhren im vergangenen Jahr mit 2,6 Prozent eine erneut signifikante Aufwärtsbewegung, die sich aber im Vergleich des vierten mit dem dritten Quartal 2016 mit plus 0,4 Prozent leicht abschwächte. Besonders nachgefragt ist derzeit möbliertes Wohnen, wie Studien zeigen.

Die höchste Mietsteigerung innerhalb der Top-50-Standorte binnen eines Jahres verzeichnete mit 6,3 Prozent Oberursel im Taunus, gefolgt von Hattersheim am Main mit plus 5,3 Prozent und erneut Lörrach mit 5,1 Prozent. Zittau in Sachsen behielt mit einer Durchschnittsmiete von 4,30 Euro pro Quadratmeter von allen knapp 500 untersuchten Städten den Titel als der preiswerteste Wohnstandort Deutschlands.

Schlagworte zum Thema:  Wohnungsmarkt, Miete, Mehrfamilienhaus, Immobilienpreis, Eigentumswohnung

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