Wohnimmobilien spielen bei offenen Immobilienpublikumsfonds bislang keine große Rolle Bild: Haufe Online Redaktion

Nur wenige offene Immobilienpublikumsfonds für Privatanleger investieren schwerpunktmäßig in Wohnimmobilien. Bislang setzten zwei offene Publikumsfonds auf diese Nutzungsart. Der Branchenprimus Union Investment hat angekündigt, Ende Juli 2017 ebenfalls ein derartiges Produkt aufzulegen, obwohl die zu erwartende Rendite unter der von Gewerbeimmobilien liegen dürfte. Nachahmer anderer großer Fondshäuser dürften bald folgen.

Wohnimmobilien sind bei Anlegern – trotz stark gefallener Renditen – heiß begehrt. Unter den offenen Immobilienpublikumsfonds dominieren jedoch Produkte, die vorwiegend in gewerbliche Immobilien investieren.

„Gewerbeimmobilien sind meist weniger aufwändig im Management“, sagt Sonja Knorr, Leiterin der Immobilienfondsanalyse bei Scope. Während ein Wohnimmobilienportfolio von mehreren Hundert Millionen Euro meh­re­re Tau­send Einheiten um­fas­sen kann, befinden sich selbst im Immobilienvermögen des fast zwölf Mil­li­ar­den Eu­ro schwe­ren  Uni­Immo: Deutsch­land deutlich weniger als 100 Gewerbeobjekte und Be­­tei­li­gungen an Im­mo­­bi­li­en­gesellschaften.

Bei den offenen Immobilienfonds für Privatanleger gibt es bislang lediglich zwei – Industria Fokus Wohnen Deutschland und Wertgrund WohnSelect D –, die auf Wohnimmobilien als Nutzungsart setzen.

Branchenprimus steigt ein

Jetzt hat Branchenprimus Union Investment angekündigt, Ende Juli 2017 ebenfalls ein derartiges Produkt aufzulegen, obwohl die zu erwartende Rendite unter der von Gewerbeimmobilienprodukten liegen dürfte. Das hierfür nötige Know-how steuert die Zentral Boden Immobilien (ZBI) aus Erlangen bei, mit der eine Partnerschaft vereinbart wurde.

„Das ist eine sinnvolle strategische Entscheidung“, findet Knorr. Sie sieht die Be­teiligung der Union Asset Manage­ment Hol­ding an einer ge­mein­­sa­men Holding zur Steuerung der Invest­ments in Wohn­­immobilien positiv.„Das Know-how über eine langfristige Kooperation abzubilden, kann Synergieeffekte heben“, so die Branchenexpertin. Was die Investmentstrategie des Fondsneulings betrifft, wird darauf verwiesen, dass ZBI vor allem Wohnimmobilien im mittleren Preissegment im Visier hat (Zielmiete: fünf bis acht Euro je Quadratmeter).

Hier sei die Konjunktursensitivität – bezogen auf Leerstand und Miethöhe – gering, erläutert Jörn Stobbe, Chief Operating Officer (COO) der Union Investment. ZBI verfügt bundesweit über elf Niederlassungen. Investiert werden soll daher nicht allein in Metropolen, sondern auch in attraktiven B- und C-Städten. „Die Anlagestrategie ist primär auf die laufende Mietrendite ausgerichtet und nicht allein auf Wertsteigerungen“, so Stobbe. Am Anlageuniversum bestehender Fonds soll nichts verändert werden. „UniImmo: Deutschland, Europa und Global bleiben reine Offene Gewerbeimmobilienfonds“, betont der COO. Sonst werde das Fondsprofil verwässert und das Management erschwert. Das sieht Knorr genauso.

Startportfolio unter der Lupe

Aktuell wird das Startportfolio für den neuen Wohnimmobilienfonds unter die Lupe genommen, zu dessen Bestückung ein dreistelliger Millionenbetrag investiert werden soll, der laut Union Investment von Kunden der Genossenschaftsbanken stammt. Angestrebt wird, bei Anlegern in den nächsten drei Jahren – sukzessive – rund eine Milliarde Euro einzusammeln.

Gelänge das, wäre der Newcomer der mit Abstand größte Offene Immobilienpublikumsfonds in diesem Nutzungsartensegment. Knorr ist sich sicher, dass andere Fondsgesellschaften wie Deka-Immobilien oder Commerz Real genau mitverfolgen dürften, wie „sich der Neue schlägt“. Zumal es gewichtige Konkurrenten gebe, etwa die großen, börsennotierten Wohnimmobilienkonzerne Vonovia und Deutsche Wohnen oder ebenso geschlossene Fonds, die in diese Immobilienklasse investierten.

Auch für institutionelle Anleger aufgelegte offene Immobilienfonds engagieren sich verstärkt im Wohnimmobiliensegment.

Institutionelle Investoren

So lancierte die Commerz Real erst Ende 2016 ihren ersten offenen Immobilienspezialfonds – CR Institutional Smart Living Fund – für professionelle und semiprofessionelle Anleger. Er soll in sieben bis zehn studentische Wohnanlagen in Deutschland investieren – angepeiltes Anlagevolumen: 250 bis 300 Millionen Euro.

Speziell für institutionelle Investoren hat Union Investment selbst keine Produkte aufgelegt. Allerdings bietet sie als Service-Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) Leistungen für den Labelfonds Residential Value – mit dem Anlageschwerpunkt Wohnimmobilien in Berlin – des Asset Managers Dupuis an. Dafür hat ZBI für institutionelle Investoren einen Wohnimmobilienfonds im Angebot – den ZBI Wohnen Plus I. Dieser investiert bundesweit im Core-Plus-Segment in Wohnhäuser und Wohnanlagen – angestrebtes Fondsvolumen: 250 Millionen Euro. Für diesen Fonds wurden bereits Immobilien mit einem Kaufpreisvolumen von 158 Millionen Euro erworben.

Auch bei der Auflage geschlossener Immobilienfonds ist die ZBI mit von der Partie. Aktuell sind zwei Fonds – der ZBI WohnWert 1 und der ZBI Professional 10 – in der Platzierungsphase. Seit 2002 wurden mehr als zehn geschlossene Wohnimmobilienfonds aufgelegt.

Schlagworte zum Thema:  Immobilienfonds, Geschlossene Immobilienfonds, Offene Immobilienfonds, Wohnimmobilien, Gewerbeimmobilien

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