Der Wohnungsbau hierzulande wird immer teurer. Dafür sorgen schon alleine die zahlreichen gesetzlichen Vorgaben, meinen Experten des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Dabei ginge es auch besser: In den Niederlanden, wo man nicht mehr auf konkrete Normen, sondern vielmehr auf Ziele setze, sind dem IW zufolge die Baukosten für Neubauwohnungen seit 2007 nur um rund sechs Prozent gestiegen – in Deutschland um 36 Prozent.

Im Jahr 2007 zahlten laut IW Bauherren in Deutschland etwa 1.250 Euro je Quadratmeter für den Neubau einer Wohnung ohne Grundstück – zehn Jahre später waren es bereits etwa 1.700 Euro pro Quadratmeter, also rund 36 Prozent mehr.

Wie eine neue Studie der Deutsche Bank Bauspar AG zeigt, werden trotz anhaltend niedriger Zinsen kontinuierlich weniger Eigenheime gebaut: Während ihr Anteil am Neubau im Jahr 2008 noch 62 Prozent betrug, waren es 2017 nur noch 43 Prozent.

3.300 Normen für deutsche Bauherren 

Was ist passiert? Die Preissteigerung hat laut IW viele Gründe: Material wurde immer teurer und die Löhne für qualifizierte Arbeitskräfte stiegen ebenfalls.

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Derzeit gibt es dem IW zufolge rund 3.300 Normen, die Bauherren in Deutschland beachten müssen. Hinzu kommen Auflagen der Landesbauordnungen und der Kommunen. In den vergangenen Jahren seien immer wieder neue Normen dazugekommen, beispielsweise um die Klimaschutzziele der Bundesregierung zu erreichen, die sie bei ihren Liegenschaften selbst nicht erreicht, den Brandschutz zu verbessern oder Neubauwohnungen besser gegen Lärm zu isolieren.

Behördliche Auflagen stellen auch für 76 Prozent der Wohnungsunternehmen eine wesentliche Hürde für den Neubau dar, wie eine Umfrage des Bundesverbands GdW zeigt.

Bauordnung in den Niederlanden: Mehr Innovation bei den Baufirmen

In den Niederlanden ist der Bau von Wohnungen in den vergangenen Jahren zwar auch teurer geworden, allerdings mit einem Plus von sechs Prozent längst nicht so wie hierzulande. Hintergrund ist dem IW zufolge, dass die Niederländer ihre Bauordnung schon vor Jahren reformiert haben.

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Das weckt das Innovationspotential der Baufirmen. So gibt es schon jetzt neue energiesparende Konzepte in der Fertigbauweise, die in Deutschland bisher kaum zum Einsatz kommen.

IW: Landesbauordnungen überarbeiten

Um die deutsche Normenlandschaft zu entschlacken, müssten die Länder nach Meinung des IW ihre jeweiligen Landesbauordnungen überarbeiten und veraltete oder unnötige Verordnungen streichen – eine Mammutaufgabe.

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Das könnte laut IW auch den Anstieg der Baukosten eindämmen.
 

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Schlagworte zum Thema:  Wohnungsbau, Gesetz, Neubau