26.07.2016 | Stuttgart

Niedrigzinsen: Bausparkassen sehen sich unter Druck

Allen Instituten gemein ist das Problem der Altverträge
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Die Bausparkassen beklagen sich über die Niedrigzins-Politik der Europäischen Zentralbank. Das Bausparen werde "an den Rand des Abgrunds" getrieben, sagte der Chef des Sparkassenverbands Baden-Württemberg, Peter Schneider, in Stuttgart. Andreas Zehnder vom Verband der Privaten Bausparkassen sieht die Erträge in Gefahr und Wüstenrot-Chef Bernd Hertweck gar das ganze Geschäftsmodell "massiv unter Druck".

Das Geschäftsmodell basiert den Managern zufolge auf dem Versprechen niedriger Zinsen. Genau das, ist inzwischen passiert: Wenn Niedrigzinsen jedoch keine Verlockung mehr seien, gerate das Modell unter Druck. "Das Produkt Bausparen bleibt attraktiv, wenn man davon ausgeht, dass die Zinsen in zehn Jahren höher sind als heute", so Hertweck.

Auch wenn die Stimmung teilweise schlecht ist, melden einige Institute für 2015 Höchstwerte beim Bauspar-Neugeschäft, wie etwa die LBS Baden-Württemberg, die LBS Bayern und Wüstenrot. Die LBS Hessen-Thüringen spricht von einem "Bauspar-Boom".

Allerdings wird es den Managern zufolge durch geringeren Margen für die Finanzbranche schwieriger, große Gewinne zu machen. So gab etwa die LBS West 2015 einen Gewinnrückgang um rund 40 Prozent auf zehn Millionen Euro bekannt. Das Institut setzt auf ein Sparprogramm samt Stellenkürzungen.

Der Vorsteuergewinn der Schwäbisch Hall sank um zehn Prozent auf 341 Millionen Euro - trotz eines Plus beim Neugeschäft. Auch hier gab es Sparmaßnahmen.

Problem der Altverträge

Allen Instituten gemein ist das Problem der Altverträge, die Sparern hohe Guthabenzinsen bringen, was für die Bausparkassen ein schlechtes Geschäft bedeutet. Darlehen, die sich im Rahmen eines Bausparvertrags an die Guthabenphase anschließen, werden nicht abgerufen – diese Einnahmen aus dem Darlehensgeschäft fehlen den Kassen.

Kündigungen von Verträgen, die von den Bausparkassen seit 2015 an Bausparkunden verschickt werden, sind rechtlich umstritten und führten zu Klagen.

Branche wandelt sich

Die Folge: Die Summe klassischer Bauspardarlehen sinkt seit Jahren, daher setzen die Institute verstärkt auf andere Kreditformen, wie Darlehen mit Bezug zum Bausparen (Kombi-Darlehen) und klassische Hypothekendarlehen. Der Trend zu Darlehen abseits konventioneller Wege dürfte sich verstärken.

Verbraucherschützer sehen die Situation bei den Bausparkassen kritisch und attestieren der Branche "Risse im System". Branchenvertreter wiederum reagieren auf solche Kritik gelassen. Verbandschef Zehnder sagt: "Auch wenn sie stärker von den neuen gesetzlichen Möglichkeiten Gebrauch machen - Bausparkassen bleiben Bausparkassen."

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Schlagworte zum Thema:  Zinsen, Bausparkasse

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