08.05.2012 | Henderson Global Investors

Chancen für neue Finanzierer am Immobilienmarkt

Banken werden verhaltener Geld für die Immobilienfinanzierung herausgeben
Bild: Haufe Online Redaktion

Europa steht eine Welle auslaufender Immobilienkredite bevor: Kreditnehmer, die größere Tranchen finanzieren oder refinanzieren wollen, müssen künftig wohl den Weg über Club-Deals mehrerer Kreditgeber gehen, so eine Marktanalyse von Henderson Global Investors.

Das Volumen der in den Jahren 2012 bis 2014 anstehenden Refinanzierungen beläuft sich auf rund 450 Milliarden Euro. Vor dem Hintergrund der Finanzkrise sowie der verschärften Regulierungen am Kapitalmarkt werden Banken die Finanzierungslücke jedoch nicht alleine schließen können.

Im Zuge von Staatsschuldenkrise und Basel III müssen Banken ihr Kernkapital deutlich aufstocken. Um dies zu erreichen, reduzieren viele das Kreditneugeschäft und bauen insbesondere den Sektor gewerbliche Immobilienfinanzierung zurück. Insgesamt sind bereits 42 Institute vom europäischen Markt verschwunden, heißt es im aktuellen Marktbericht von Henderson Global Investors.

Kreditnehmer müssen sich daher auf ein verändertes Finanzierungsumfeld und neue Finanzierungspartner einstellen. „Es wäre übertrieben zu sagen, dass die klassische Bankenfinanzierung bei Immobilien ein Auslaufmodell wäre“, sagt Stefan Wundrak, Research-Chef bei Henderson. "Banken werden in Zukunft aber tendenziell eher kleinere Finanzierungstranchen bevorzugen. Kreditnehmer, die größere Tranchen finanzieren oder refinanzieren wollen, müssen künftig wohl immer den Weg über Club-Deals mehrerer Kreditgeber gehen."

Solvency II treibt Assekuranz in eigenkapitalschonende Immobilienfinanzierung

Das Vakuum, das die klassischen Immobilienfinanzierer hinterlassen, bietet neuen Marktteilnehmern die Chance, in diesem Segment Fuß zu fassen. Eine Gruppe sind Versicherungsgesellschaften und Pensionskassen. In Großbritannien liegt ihr Marktanteil mittlerweile bei 14 Prozent.

Der Hintergrund dieser Entwicklung ist einfach: Ab 2014 tritt Solvency II in Kraft. Versicherer sind dann gezwungen, direkte Immobilieninvestments europaweit mit 25 Prozent Eigenkapital abzusichern. Bei indirekten Investments, die mit Fremdkapital gehebelt sind, erhöht sich der Faktor sogar deutlich. Demgegenüber liegt der zu hinterlegende Betrag für Immobiliendarlehen mit beispielsweise fünf Jahren Laufzeit bei nur 15 Prozent, bei zehn Jahren Laufzeit immer noch nur bei 23 Prozent und erst ab einer Laufzeit von zwölf Jahren wäre die Situation vergleichbar zur Direktanlage.

Wettbewerb durch Staatsfonds und Debt Fonds

Neben der Assekuranz interessieren sich auch globale Staatsfonds für das Geschäft mit der Immobilienfinanzierung. Bestes Beispiel dafür ist die China Investment Corporation (CIC), die für eine Akquisition von Blackstone 1,4 Milliarden britische Pfund bereit stellte. Aufgrund der Tatsache, dass viele Banken Anschlussfinanzierungen für ihre Kredite suchen, bieten sich auch für Debt Fonds (Finanzierungsfonds) Chancen. Diese verleihen Eigenkapital als Fremdkapital. Aufgrund ihrer Struktur und ihres Risikoprofils können sie im aktuellen Marktumfeld günstige Kredite anbieten.

Schlagworte zum Thema:  Finanzierung, Immobilien

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