17.02.2017 | Märkte

Internationale Investoren zieht es nach Deutschland und auf die Mipim im März

Experten: Asiatische Investoren werden 2017 mehr Geld in Deutschland anlegen
Bild: PhotoDisc Inc.

Immobilieninvestments in Deutschland sind bei ausländischen Anlegern beliebt. Auf sie entfiel 2016 fast die Hälfte des Transaktionsvolumens – Ten­denz 2017: weiter stei­­gend. Waren bisher US-amerikanische Anleger besonders aktiv, gehen Experten davon aus, dass zunehmend Geld aus Asien nach Deutschland fließen wird. Ein Tête-à-Tête mit internationalen Investoren wird es auch vom 14. bis 17. März auf der Mipim in Cannes wieder geben.

Auf der Mipim im März werden auch diese Themen auf den Tisch kommen, wie Messechef Filippo Rean im Interview sagte: "Es gab und gibt es viel zu diskutieren und damit auch ein neues Licht auf den globalen Kontext zu werfen und daraus Chancen zu ziehen".

Zahl asiatischer Anleger nimmt zu

Mehr als 40 Pro­zent der Immobilienkäufer auf dem deutschen Markt kamen im vergangenen Jahr aus dem Ausland. Bei den Gewerbeimmobilien waren dem Immobilienberater Sa­vills zufolge im vergangenen Jahr die US-Amerikaner mit einem Ankaufsvolumen von 6,6 Milliarden Euro vor den Franzosen (3,6 Milliarden) und den Briten (2,7 Milliarden Euro) die mit Abstand größte Investorengruppe.

Zunehmend ak­ti­ver auf dem deutschen Immobilienmarkt sind asiatische institutio­nel­le Im­mo­bi­lien­anleger wie Pensionskassen und Versicherungen.  

Dass das große Interesse ausländischer Investoren an deutschen Immobili­­­en an­hält, dafür sprechen vor allem zwei Fak­toren:

  • Die Kon­junk­­tur im größten EU-Staat ist in ro­buster Verfassung (Wirt­schaftswachstum 2016: 1,9 Prozent, 2017: 1,4 Pro­­­­­­zent) und
  • die politischen Verhältnisse sind stabil.

In den USA ließen die Pläne von Donald Trump zur Modernisierung der In­fra­stru­ktur und deren Fi­nan­zie­rung über höhere Staats­schul­den die Renditen ame­ri­ka­ni­scher Staats­anleihen stei­gen. Dazu kommt, dass die US-No­ten­bank die Zinsen weiter er­hö­hen will: Für In­ves­to­ren aus Über­see wer­den Staatsanleihen somit als Al­ter­na­tive zu Immobilien wieder at­trak­ti­ver. Zumal der Euro ge­genüber dem Greenback weiter an Wert einbüßen dürfte.

„Dennoch er­war­ten wir ein stärkeres Immobilienengagement konservativer amerikanischer Anleger wie Pen­sions­kassen und Versorgungswerke in Europa.“

(Matthias Pink, Head of Re­search bei Sa­­­vills)

„Ziemlich sicher wird London als europäisches Finanzzentrum an Bedeutung verlieren“, meint Peter Schreppel, Head of International Investments bei CBRE. Zahlreiche Experten gehen davon aus, dass dann vor allem der Frankfurter Büromarkt profitieren wird. Welche Konse­qu­en­zen daraus bei­spiels­weise amerikanische Banken ziehen werden, die ihre Fi­nanzgeschäfte bislang am liebsten über London erledigen, bleibe abzuwarten. Spra­che, kulturelle Ge­mein­­samkeiten und womöglich steuerliche Anreize sprechen bisher für Dublin als größtem Brexit-Profiteur.

Investments in Deutschland konzentrieren sich auf Top-5-Städte

In Deutschland konzentrieren sich die Investments ausländischer Investoren vorwiegend auf die Top-5-Städ­te, also Berlin, Hamburg, München, Frankfurt am Main und Düsseldorf.

„Für die, die über keine Erfahrungen auf diesen Immobilienmärkten verfügen, ist es nicht einfach, ei­ne Invest­ment­­stra­­tegie auszutüfteln“, so Pink. Deutschland biete mehrere Im­mo­bi­li­en­­zen­­tren, während sich, selbst in großen anderen Ländern Europas, Anlagen eher auf Metropol­re­gionen fokus­sie­rten.

„Die Eigenheiten des deutschen Immobilienmarktes kennen zu lernen ist für Inves­to­ren, zum Beispiel aus China, ein auf­­wändiger Lernprozess“, betont Pink.

Die Entscheidungsprozesse dauerten anfangs häufig viel zu lang, was gerade in der aktuellen Boomphase hinderlich sei. Andernfalls wären, so Pink, asi­a­ti­sche Investoren in der Investment­sta­tistik schon im letzten Jahr viel weiter vor­­­ne zu finden gewesen. Doch er ist sich sicher: „Das wird sich spätestens in ein oder zwei Jah­ren ändern.“

Für 2017 noch mehr ausländische Käufer erwartet - vor allem aus China

Der Anteil von Käufern aus dem Ausland könnte Klein und Pink zufolge 2017 prozen­tu­al et­was über dem Ni­veau von 2016 liegen. Allerdings dürfte es Ver­schie­­bungen im Ran­king der Herkunftsländer geben: Die USA könnten zu­­rück­fal­len, Asien, vor allem China, hin­ge­gen auf­rücken. In Asien gebe es viel Geld, für das An­la­ge­­mög­lich­kei­ten gesucht würden, sagt Pink. Zu diesem Ergebnis kommt auch Christie & Co in einem neuen Hotelmarktreport. Zur regionalen Diversifikation der Investments sei­en in Europa neben Im­mo­bi­lien in Großbritannien eben verstärkt Objekte in Deutschland sehr begehrt.
Was die Objektlagen betrifft, konzentrieren sichausländische Anleger nach An­gaben von Pink nahezu aus­nahms­los auf das Core- und Core-plus-Segment. Spekulative Grup­pen, diese seien aber in der Minderheit, auf opportunistische Investments.

Auslän­di­sche An­leger, viele aus Asien, haben laut Klein zunehmend auch Interesse an großen Wohnbauprojekte. Außerdem war diese Käufergruppe bei 2016 auch bei Studenten­wohn­­hei­men und Projektentwicklung ver­stärkt mit von der Partie.

„Bei Studentenwohnheimen ist man da sogar bereit, auch mal in kleineren Städten wie Freiburg oder Marburg ein Engagement zu wagen“, hat Pink festgestellt.   

Schlagworte zum Thema:  International, Internationale Märkte, Mipim, Investor

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