Das Brexit-Votum sorgt dafür, dass sich Investoren in Rest-Europa umsehen. Vor allem Deutschland gilt als sicher. Bild: Lupo ⁄

Die Kapitalflüsse bleiben 2017 anhaltend stark, doch die geopolitischen Unsicherheiten lassen Investoren verstärkt nach sicheren Anlagemöglichkeiten suchen. Das zeigt eine Umfrage von PwC, die auf der Mipim vorgestellt wurde. Die Frage ist also: Wo ist das Geld gut angelegt? Hier hat Deutschland nach dem Brexit gegenüber Großbritannien laut PwC an Bedeutung gewonnen, zumindest auf dem europäischen Markt. Das bestätigt auch eine Studie von CBRE.

Der Analyse "Emerging Trends in Real Estate – The Global Outlook for 2017" zufolge, die PwC gemeinsam mit dem Urban Land Institute ULI auf der Mipim veröffentlicht hat, ist Deutschland im vergangenen Jahr mit einem Handelsvolumen im Immobilienmarkt von 60,2 Milliarden Euro an Großbritannien vorbeigezogen (59,9 Milliarden Euro).

Investoren setzen sich nach dem Brexit-Votum stärker denn je mit der Frage auseinander, wie sich die Europäische Union künftig entwickeln wird.

"Da noch lange nicht klar ist, wie sich der Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union konkret gestaltet, steht Deutschland dank seiner wirtschaftlichen und politischen Stabilität bei Investoren hoch im Kurs", erklärt Susanne Eickermann-Riepe, Real Estate Leader bei PwC Deutschland.

Auch in einer aktuellen Studie von CBRE haben die befragten Investoren Deutschland gerade zum attraktivsten Immobilieninvestmentmarkt in Europa erklärt: 22 Prozent (2016: 17 Prozent) gaben Deutschland den Vorrang vor dem Vereinigten Königreich mit 20 Prozent (2016: 15,1 Prozent).  Auf Platz drei folgen mit Abstand die skandinavischen Länder (insgesamt zehn Prozent). Frankreich und Italien kommen auf die Plätze neun (fünf Prozent) beziehungsweise zehn (drei Prozent).

London bleibt attraktivste Stadt in Europa, den höchsten Zuwachs in der Gunst erlebt Berlin

Bei den Städten bleibt laut CBRE die britische Hauptstadt London der attraktivste Investmentstandort in Europa (2017: 17 Prozent; 2016: 15,1 Prozent), trotz des anstehenden Brexits. Gefolgt wird dieser Studie zufolge London von Berlin, das mit einem Anstieg um fünf Prozentpunkte auf 15,8 Prozent den größten Zuwachs in der Gunst der Investoren verzeichnet.

Paris (minus 5,2 Prozentpunkte auf 5,4 Prozent) bleibt trotz des angespannten Preisniveaus und potenzieller politischer Risiken unter den attraktivsten Städten im CBRE-Ranking vertreten.

Hamburg, Mailand und München sind nicht mehr in den Top 10.

Das ist laut CBRE in erster Linie darauf zurückzuführen, dass Investoren als unmittelbare Herausforderungen beim Erwerb von Immobilienanlagen die Produktknappheit und die Preisgestaltung von Assets sehen. Neu in den Top Ten der attraktivsten Städte sind Oslo und Stockholm, was das zunehmende Interesse der Investoren an den nordischen Staaten widerspiegelt. Ein attraktives Risiko-Rendite-Verhältnis sorgte laut CBRE in den nordischen Staaten bereits 2016 für ein hohes Investitionsvolumen, das 66 Prozent über dem zehnjährigen Durchschnitt lag.

Die zehn attraktivsten Städte für Investitionen in der Region EMEA

London 17,0%
Berlin 15,8%
Madrid 8,4%
Amsterdam 7,3%
Paris 5,4%
Warschau 4,9%
Oslo 4,7%
Prag 3,0%
Stockholm 2,9%
Frankfurt 2,6%

Quelle: CBRE Research, 2017

Wettbewerb um Core Assets zieht an und lässt die Preise steigen

Die Analyse von PwC zeigt auch, dass Immobilien- und Infrastruktur-Investments verstärkt ineinander übergehen. Global ziehe der Wettbewerb um die Core Assets an und die Preise steigen.

"Investoren, die ihre Renditeerwartungen nicht reduzieren wollen, müssen auf alternative Sektoren ausweichen", sagt Susanne Eickermann-Riepe.

So entstünden immer mehr Anlageklassen an der Schnittstelle von Immobilien, Infrastruktur, Agrar- und Forstwirtschaft. PwC zufolge werden auch künftig neue Assetklassen entstehen, die sich durch Risiko- und Renditeprofile vom klassischen Immobiliengeschäft unterscheiden.

Dass sich die Art des Investments verändert, ist auch ein Ergebnis des "EMEA Investor Intentions Survey 2017" des Immobilienberaters CBRE: So sinkt offenbar das Investoreninteresse an Core-Produkten, während der Trend in Richtung Value-Add sowie gute Investmentprodukte in B-Lagen und Sekundärmärkten geht.

Wo Kapitalüberschüsse am besten einsetzen?

Uneinig sind sich die Experten laut dem PwC-Report in der Frage, wo Kapitalüberschüsse am besten eingesetzt werden sollten. Die Region Asien-Pazifik wies im PwC-Report mit einem Anteil von 31 Prozent an grenzüberschreitenden Kapitalflüssen einen neuen Höchstwert im aktuellen Zyklus auf.
PwC zufolge könnte sich dies angesichts der wachsenden Attraktivität der Emerging Markets fortsetzen. Auch für die USA prognostizieren die Experten trotz der Trump'schen Politik starke Investitionen aus dem Ausland. Den europäischen Markt hingegen betrachten Investoren aus anderen Regionen der Welt nur mit Vorsicht. Viele sehen laut PwC nur in einzelnen Assetklassen und Städten wie Berlin oder London noch gute Investmentmöglichkeiten.

CBRE zufolge ist das allgemeine Interesse der Investoren an Immobilien in der Region EMEA (Europa, Naher Osten, Afrika) ungebrochen hoch: 85 Prozent wollen demnach im Jahr 2017 mindestens genauso viel investieren wie 2016, 41 Prozent beabsichtigen sogar, mehr als im Vorjahr zu investieren.

Schlagworte zum Thema:  Investment, Immobilienmarkt, Brexit, Mipim

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